Versorger entdecken Digitalfunk

KOMMUNIKATION Analoge Lösungen bestehen häufig nicht mehr die sicherheitstechnischen Aufgaben. Vattenfall setzt deshalb neuerdings auf TETRA-Digitalfunk - auch bei der Fernwartung.

01. Februar 2007

„Für Energieversorger mit weiträumig verteilten technischen Anlagen und zahlreichen Geschäftsfeldern wie Strom-, Gas- und Wasserversorgung sowie Verkehrsbetrieben bietet TETRA entscheidende Vorteile gegenüber den herkömmlichen Funkstandards“, sagt Klaus-Dieter Drossel, Vertriebsleiter Enterprise Business bei Motorola. Die unabhängige Kommunikationsplattform sei jederzeit verfügbar - auch wenn andere Netze wie GSM oder Festnetz ausfallen. „Dies ist besonders wichtig, um auf Störungsfälle jederzeit schnell reagieren zu können“, so Drossel.

Fällt der Strom aus, sind nämlich besonders die GSM-Handynetze betroffen: Im Fall großflächiger Ereignisse wie beim Stromausfall Anfang November 2006 greifen überdurchschnittlich viele Menschen zum Handy, was unweigerlich zu einem Netzzusammenbruch führt.

TETRA (TErrestrial Trunked RAdio) ist ein offener Digitalfunkstandard, der zu Beginn der 90er-Jahre im Auftrag der EU entwickelt wurde. Seit 1995 ist er als europaweite Norm für unternehmens- und behördenspezifische Digitalfunkanwendungen anerkannt.

Der Betrieb von Betriebsfunknetzen erlebt derzeit eine Art Revival: In den 80ern bereits schon einmal verbreitet, setzten viele Unternehmen in den 90er-Jahren auf die GSM-Technologie. Diverse Versorger hätten jedoch die Erfahrung gemacht, dass GSM-Netze nicht mehr ausreichen, sagt Matthias Wittig von Vattenfall Europe Distribution Berlin.

GSM nicht zuverlässig genug

„Öffentliche GSM-Netze sind in hohem Maß von der öffentlichen Stromversorgung abhängig und bei Störungen im elektrischen Energieversorgungsnetz nicht zuverlässig verfügbar“, beklagt er. Vattenfall hat dagegen mit dem digitalen Bündelfunk positive Erfahrungen gemacht. Bereits seit Ende 2005 setzt man ein Motorola TETRA-Digitalfunksystem zur Kommunikation im Außendienst ein. Seit dem Frühjahr 2006 bauen die zum Unternehmen gehörenden Verteilungsnetzbetreiber in Berlin und in Hamburg auch bei der Fernüberwachung ihrer technischen Anlagen auf TETRA.

Gegen Ende 2006 schloss man in Berlin den ersten Pilotversuch ab. Bislang war die Verbindung einzelner Mittelspannungsstationen zur Leitstelle nur über Fernmeldekabel möglich. Die drahtlose TETRA-Verbindung sorgte für eine deutliche Steigerung der Flächendeckung und Kosteneffizienz des Telemetrie-Systems. „TETRA-Telemetrie ermöglicht die Überwachung und Steuerung sämtlicher Einrichtungen in Echtzeit. Fehler lassen sich dann ferngesteuert - ohne den Einsatz von Technikern vor Ort - von der Leitstelle aus erkennen und auch beheben“, erläutert Motorola-Mitarbeiter Drossel. Zudem erlaube die so genannte Paketdatenübermittlung die Nutzung webbasierter IP-Dienste vor Ort.

Vattenfall plant bereits eine Systemerweiterung: Für den alltagstauglichen Einsatz von Handfunkgeräten muss die Anzahl der Basisstationen erhöht werden, in Berlin von 10 auf 20 und in Hamburg von 10 auf 16 Stationen.

Erschienen in Ausgabe: 01/2007