Vertrauen in Vorteile

INDUSTRIE Seit Benecke-Kaliko die Energieversorgung in Eislingen einem Spezialisten überträgt, geht der Verbrauch kontinuierlich zurück.

28. September 2006

Es gibt aber auch hier zu Lande mittlerweile immer mehr Unternehmen, die trotz energieintensiver Produktion auf die Vorteile des Standorts Deutschland setzen. Eines davon ist die Benecke-Kaliko AG. 350 Mitarbeiter produzieren in Eislingen täglich bis zu 50.000 m² thermoplastische Polyolefinfolien (TPO), die u. a. auf Instrumententafeln in Fahrzeugen zum Einsatz kommen. Für die Produktion werden im Wesentlichen Hochdruckdampf, Kühlwasser, Druckluft und Strom benötigt. Der Betrieb ist auf einem 115.000 m2 großen Gelände angesiedelt, durch das die Bundesstraße 10 verläuft. Sukzessive wurde die Produktion von der Süd- auf die Nordseite verlagert.

Als die Kesselanlagen eine Sanierung erforderten, war es nur logisch, auch die Energiezentrale in die Nähe der Produktion zu bringen. Insgesamt stand dahinter die Idee, die zum Teil über 40 Jahre alten, mittlerweile unwirtschaftlichen Energieanlagen des Werks von Grund auf zu modernisieren. Hier fand Benecke-Kaliko in der Hamburger Vattenfall Europe Contracting einen Partner, der auf die Optimierung von Energieversorgungsanlagen spezialisiert ist. Die Ingenieure des Dienstleisters deckten in einer umfassenden Analyse zunächst die Einsparpotenziale auf und entwickelten dann ein neues Konzept für die Modernisierung und den effizienten Betrieb.

„Wir mussten uns zuerst mit dem Gedanken anfreunden, ein Gewerk in fremde Hände zu legen, von dessen Verlässlichkeit wir zu hundert Prozent abhängig sind“, sagt Werksleiter Jörg Fröhlich. Formal übernimmt der Contractor zwar die Garantie dafür, dass alle Medien zur rechten Zeit zur Verfügung stehen. Aber in der Konsequenz trägt das Unternehmen das Risiko weiterhin. „Fällt die Energie aus, nutzen uns auch die vereinbarten Vertragsstrafen nichts. Wenn wir nicht pünktlich liefern, müssen wir gegenüber dem Kunden geradestehen und nicht der Contractor.“

Parallel zu den Sanierungen baute Vattenfall eine neue Energiezentrale und ersetzte die alte Abluftreinigungsanlage durch eine moderne Regenerative Thermische Oxidationsanlage (RTO). Die Energiezentrale umfasst zwei Dampferzeuger mit je 8 t/h (redundante Auslegung), eine Kaltwasserzentrale mit circa 4 MW Kälteleistung, eine Flusswasserauf-bereitung für Kesselspeisewasser sowie Kühlkreislaufnachspeisung und eine Kühlturmanlage. Hinzu kamen neue Werkstätten, Lager, Büro- und Sozialräume. Zudem wurden die Dampf-, Kühlwasser- und Druckluftnetze saniert. Dabei erneuerte man u. a. Ventile, Isolierungen, Lufterhitzer mit Regelung und Teile des Kondensatsystems. Diese Maßnahmen führen bei Druckluft und Dampf zu Einsparungen von 15 bzw. 16 %. Die Kosten für den Neubau der Energiezentrale betrugen 3,7 Mio. € und 1,6 Mio. für die Umweltanlagen.

Contracting nicht wie üblich

Normalerweise übernehmen die Contractoren sämtliche Kosten für die Modernisierung. In diesem Punkt stellt das Eislinger Contracting-Projekt eine Besonderheit dar: Benecke-Kaliko investierte selbst. Der Contractor muss sich an den vorgegebenen Kostenrahmen halten. Damit steigen die Anforderungen für Vattenfall, weil für zusätzliche nicht abgestimmte Maßnahmen keine Spielräume mehr vorhanden sind.

Für Hans Loest, Regionalleiter Süd bei Vattenfall, bedeutet dies aber keinen Nachteil: „Wir brauchen die Leistungen nicht vorzufinanzieren und können einen größeren Anteil der Einsparungen an den Auftraggeber weitergeben.“

Dank sinkender Energieverbräuche erzielt die Eislinger Produktion heute eine optimale Wirtschaftlichkeit. Gemeinsam mit Vattenfall denkt man aber bereits weiter: Das neue Konzept sieht vor, den Energiebedarf zu 50 % über die Verbrennung von Restwertstoffen zu decken.

www.vattenfall.de

Erschienen in Ausgabe: 10/2006