Verursacher zahlen nach Verbrauch

Flexible Abrechnungslösung für den elektrischen Energieverbrauch

Ärgerlich, wenn bei der Umlage Energiekosten zu Buche schlagen, die man gar nicht selbst verursacht hat. Bei der noch immer weit verbreiteten Abrechnung auf Quadratmeterbasis sind Diskussionen vorprogrammiert. Die kommen im gate Garching allerdings gar nicht erst auf, denn der Betreiber setzt auf eine exakte Energieabrechnung.

22. Dezember 2003

Das neue Technologie- und Gründerzentrum gate am Standort der Technischen Universität München in Garching wurde innerhalb eines Jahres errichtet. Als Initiative im Rahmen der High-Tech-Offensive Bayern sollen vor allem Unternehmensgründer im Bereich der Hochtechnologien Mechatronik, Software, Informations- und Kommunikationstechnik von dem wissenschaftlichen Umfeld profitieren. Räumliche Nähe zu den Forschungseinrichtungen der TU München, der Max-Planck-Gesellschaft und zukünftig auch zu General Electric erleichtert den Austausch mit Gleichgesinnten sowie den Dialog zwischen Wirtschaft und Wissenschaft.

Die flexible Gebäudestruktur ist angepasst an die vorrangig junge Klientel und erlaubt es, Büro- und Arbeitsräume ganz nach Bedarf zu mieten. 112 modern und nutzerorientiert ausgestattete Büroräume zwischen 19 und 108 m² erstrecken sich über drei Ebenen. Auch eine frei stehende Halle mit etwa 380 m² Fläche ist verfügbar. Sie lässt sich bei Bedarf auch in zwei bis vier Hallen unterteilen.

Auf Wirtschaftlichkeit und geringen Instandhaltungsaufwand achteten die Betreiber schon während der Planung. Dies schloss von Anfang an auch die Energieversorgung sowie eine verursachergerechte und flexibel anpassbare Energiekostenabrechnung mit ein. Dr. Glatz, Geschäftsführer gate: „Es bestand natürlich auch die Möglichkeit, dass jedes Unternehmen sich selbst um den Strombezug und die entsprechende Abrechnung kümmert. Doch das unvermeidliche Kabelgewirr und Zählerchaos hätten einfach nicht zur High-Tech-Offensive und zu unseren Servicevorstellungen gepasst.“

Eine Rücksprache mit dem Elektroplaner Michael Wultschner von der PTZ Ingenieurgesellschaft führte schnell zu der Erkenntnis, dass in einem flexibel nutzbaren Gebäude nur eine verursachergerechte Energiekostenabrechnung Sinn macht. Das Ingenieurbüro hatte schon in der Vergangenheit gute Erfahrungen mit Geräten, Software und Service von Berg Energiekontrollsysteme GmbH, Gröbenzell, gemacht und empfahl eine Komplettlösung dieses Unternehmens zur Verbrauchsabrechnung. Diese setzt sich zusammen aus Impulsgeberzählern, LON-Impulseingangsmodulen sowie leistungsfähiger Verbrauchsabrechnungssoftware, inklusive Inbetriebnahme und Parametrierung.

In den Niederspannungsverteilungen wurden 114 elektronische Impulsgeberzähler BLi 461 (100 Impulse/kWh) aus dem Hause Berg installiert. Die kompakten Geräte passen in übliche Schaltschränke und erlauben eine direkte Messung bis 63 A. In der frei stehenden Maschinenhalle überschreitet der Energiebezug 63 A, so dass keine direkte Messung möglich ist. Hier installierten die Techniker zwei 5-A-Wandlerzähler BLi 462 (1000 Impulse/ kWh), welche den hohen Strom in ein messbares Einheitssignal zwischen 0 und 5 A transformieren und eine korrekte, von der Gesamtleistung unabhängige Messung sicherstellen. Alle Geräte lassen neben der elektronischen Abrechnung bei Bedarf auch eine Überprüfung der Werte mittels des integrierten, mechanischen Rollenzählwerk zu.

Die Zähler sind mit genormter Stromschnittstelle (S0-Schnittstelle) nach DIN 43864 ausgestattet und wurden an Impulserfassungsmodule CCL mit LON-Schnittstelle angeschlossen. Jedes LON-Modul ist mit acht Messstellen ausgestattet. Verbunden sind die LON-Module über eine einfache Datenleitung, für einen Neubau dieser Konstellation die günstigste Lösung. Die Leitungen wurden bei der Planung der Infrastruktur gleich mit berücksichtigt und auch mit verlegt.

Das Abrechnungssystem Softbuild wurde auf einem PC installiert und parametriert. Die Software dient der Verbrauchsabrechnung von Liegenschaften und visualisiert die aktuelle Belegung der Räume sowie die zugehörigen Zählerstände. Dabei erfolgt die Übertragung der Zählerstände über die USB-Schnittstelle. Zur Abrechnung der Verbrauchsdaten lassen sich die Büros der Mieter je nach Belegung zu Abrechnungsobjekten (Kostenstellen) verknüpfen. Dazu wird in jedem beteiligten LON-Modul der Anfangszählerstand als Parameter hinterlegt. Als zweiter Parameter kommt die Impulswertigkeit hinzu, die beschreibt, um welchen Wert sich der Zählerstand pro Impuls erhöht.

Die Verbrauchsdaten der einzelnen Abrechnungsobjekte lassen sich in beliebigen Zeitintervallen, periodisch oder nutzerorientiert, über den PC aus der Ferne auslesen. Eine Abrechnung ist zum Beispiel erforderlich, wenn ein Mieter zukünftig mehr Räume nutzen will oder ein neuer Mieter hinzu kommt. Der Verbrauch ergibt sich aus der Differenz des momentanen Zählerstandes und des Anfangszählerstands, der beim Anlegen der Kostenstelle erfasst wurde oder des Zählerstandes bei der letzten Abrechnung. In der Software hinterlegte Preise und integrierte Rechnungsformulare erlauben eine einfache Abrechnung per Mausklick. Bei Nutzungsänderungen müssen lediglich das bisherige Abrechnungsobjekt abgerechnet und ein neues Abrechnungsobjekt angelegt und verknüpft werden. Eine automatische Kontrollmeldung bestätigt zusätzlich jede Mieterein- und -ausbuchung. Bei Bedarf kann das Zählerabrechnungssystem mit einem Energieoptimierungssystem ergänzt werden.

Dr. Glatz äußert sich zufrieden: „Die Bedienung ist wirklich einfach und wenn es doch mal ein Problem gibt, steht uns der Projektleiter nach wie vor unbürokratisch und schnell mit hoher fachlicher Kompetenz zur Seite“. Auch mit den Mietern gab es bisher keine Probleme, denn die Abrechnung erfolgt absolut korrekt und gerecht nach dem Verursacherprinzip. Ganz nebenbei fördert die verursachergerechte Energieabrechnung auch das Bewusstsein für den sparsamen Umgang mit Energie.

Erschienen in Ausgabe: 10/2003