Viel Kritik an CO2-Zertifikaten

STUDIE - Die Kosten sind zu hoch, die positiven Effekte für den Umweltschutz zu gering, so das Fazit der beteiligten Unternehmen nach einem Jahr Emissionshandel.

18. April 2006

Der Handel mit den vor gut einem Jahr eingeführten Emissionszertifikaten ist in Deutschland bislang wenig erfolgreich. Unter anderem finde der erhoffte Handel zwischen den Unternehmen nur in geringem Umfang statt. Das sind zentrale Ergebnisse der aktuellen Studie von EuPD Research ‚Emissionshandel - Eine Bilanz’, in der Betroffene Auskunft über ihre Erfahrungen mit dem System sowie ihre Vorgehensweise beim Handeln geben.

„Die Wirkung des Instruments ist unter Experten umstritten. Während sich Stimmen aus der Politik teilweise kritisch äußern, fällt das Urteil von Emissionshändlern eher positiv aus“, sagt Daniela Schreiber, Projektleiterin der Studie.

Neben den administrativen Hürden und hohen Umsetzungskosten bemängeln die betroffenen Firmen vor allem die unzureichende Umsetzung durch die Teilnehmer. So handeln erst rund ein Viertel der befragten Unternehmen aktiv mit den CO2-Zertifikaten, darunter fast die Hälfte der Energieversorger. Die Gründe dafür liegen laut der Projekt­leiterin in der Komplexität des Systems sowie in der fehlenden Erfahrung mit dem Instrument. Zudem könnten viele Unternehmen ihren Bedarf an Zertifikaten noch schlecht einschätzen.

Wenig Interesse an CDM und JI

Weitere Angebote zur Verbesserung ihres Emissionsbudgets, so die Studie, nehmen die Firmen bisher ebenfalls nur selten wahr. Dies betreffe auch die Beteiligung an internationalen und zwischenstaatlichen Projekten. Als Hauptgründe für die Zurückhaltung bei Clean Development Mechanism (CDM)- und Joint Implementation (JI)-Projekten nennen die Befragten ein hohes finanzielles Risiko sowie die Unsicherheit darüber, ob damit viele Emissionszertifikate hinzugewonnen werden können.

Zudem sei der Bedarf an zusätzlichen Zertifikaten in der ersten Handelsperiode noch gering, Klimaschutzmaßnahmen werden eher langfristig umgesetzt, so Studienleiterin Schreiber. Dazu komme, dass die Firmen zur Senkung ihres CO2-Ausstoßes nicht nur auf den Zertifikatehandel zurückgriffen.

68 % der Unternehmen denken laut Studie über Modernisierungsmaßnahmen an ihren Anlagen nach, jeder Dritte könnte sich vorstellen, bei der Produktion verstärkt erneuerbare Energieträger einzusetzen. In die Studie seien die Aussagen von 151 Unternehmen, die 357 Anlagen repräsentieren, eingeflossen, informieren die Autoren.

Erschienen in Ausgabe: 04/2006