Vierter Monitoringbericht zur Energiewende

Das Bundeskabinett hat den vierten Monitoring-Bericht zur Energiewende beschlossen. Die Energiewende kommt voran, aber nicht so schnell wie ursprünglich geplant und erforderlich. Während in einzelnen Bereichen die Ziele für 2020 erreicht oder übererfüllt werden dürften, reichen bisherige Fortschritte in anderen Bereichen noch nicht.

19. November 2015

Der Bericht bietet einen Überblick über den Stand der Umsetzung der Energiewende. Er wurde vom Bundeswirtschaftsministerium unter Beteiligung der anderen Ressorts und nachgeordneter Behörden erarbeitet.

Die wichtigsten Ergebnisse im Einzelnen

Die erneuerbaren Energien haben sich zur wichtigsten Stromquelle Deutschlands entwickelt. Der Anteil am Stromverbrauch lag 2014 bei über 27 %. Im ersten Halbjahr 2015 ist er sogar erstmals über 30 % gestiegen.

 

Beim Ausbau der erneuerbaren Energien im Stromsektor liegt Deutschland auf Zielkurs.

Aufholbedarf im Bereich Energieeffizienz

Der Energieverbrauch ist im Jahr 2014 gegenüber 2013 um 4,7 % gesunken und liegt auf dem niedrigsten Stand seit 1990. Einen großen Anteil daran hatte die relativ milde Witterung des Jahres 2014.

 

Aufholbedarf besteht im Bereich der sogenannten Endenergieproduktivität: Die durchschnittliche Steigerung der Energieeffizienz lag hier zwischen 2008 und 2014 mit 1,6 % unter dem im Energiekonzept der Bundesregierung vorgesehenen Wert von 2,1 %. 

CO2-Ausstoß sinkt

Im Jahr 2014 wurden 4,3 % weniger CO2 ausgestoßen als noch im Vorjahr. Gegenüber 1990 sind die Treibhausgasemissionen um rund 27 % zurückgegangen.

Strompreise und Ausgaben für fossile Energie

Zum ersten Mal seit über zehn Jahren sind die durchschnittlichen Strompreise für deutsche Haushalte gesunken. Die Börsenstrompreise sind im Jahresdurchschnitt 2014 um 10 % zurückgegangen und auch 2015 weiter gesunken. Gleichzeitig zeigt ein Vergleich mit den vergangenen Jahren, dass die EEG-Umlage sich seit 2014 stabilisiert hat.

 

Im Jahr 2014 hat Deutschland Erdöl, Erdgas und Kohle im Wert von rund 81 Mrd.€ eingeführt. 2013 waren es noch rund 95 Mrd.€. Zu den gesunkenen Importausgaben haben vor allem niedrigere Rohstoffpreise, aber auch geringere Importmengen beigetragen.

Stellungnahme Expertenkommission

Zur Begleitung des Monitoring-Prozesses hat die Bundesregierung im Jahr 2011 eine Kommission aus unabhängigen Energieexperten berufen. Die Expertenkommission verfasst Stellungnahmen zum jährlichen Monitoring-Bericht beziehungsweise zum alle drei Jahre erscheinenden Fortschrittsbericht der Bundesregierung.

Die Kommission  sieht in Ihrer Stellungnahme zum Monitoring-Bericht Schatten und Licht. Einzelne Zielbereiche dürften übererfüllt werden, in anderen Bereichen reichten die Fortschritte noch nicht. Letzteres gelte vor allem für das Ziel, die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 40 % zu reduzieren

Verkehrsektor schneidet bei Klimazielen schlecht ab

Im Verkehr läuft die Entwicklung sogar in die falsche Richtung. „Noch nie wurden in Deutschland so viele Kilometer mit dem Auto gefahren und mehr Güter auf der Straße transportiert als im vorigen Jahr", sagt Prof. Frithjof Staiß, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und Mitglied der Energiewende-Kommission.

Zudem seien immer leistungsstärkere und schwerere Autos  unterwegs. "Dadurch ist der Energieverbrauch im Verkehr deutlich gestiegen. Das Ziel, diesen bis 2020 um 10 Prozent zu senken, rückt damit in weite Ferne.“

„Um bei der Energiewende Kurs zu halten, müssen zusätzliche Maßnahmen umgehend Wirkung entfalten“, betont Andreas Löschel, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) und Vorsitzender der unabhängigen Expertenkommission zum Monitoring-Prozess „Energie der Zukunft“.

Im vergangenen Jahr hat die Bundesregierung einen umfangreichen Katalog von Gesetzesinitiativen und Maßnahmen auf den Weg gebracht, um die drohende Verfehlung des Treibhausgasminderungsziels zu vermeiden. Schließlich muss das Tempo der Emissionsminderung in den wenigen Jahren bis 2020 gegenüber den bisherigen längerfristig angestrebten Minderungen mindestens verdreifacht werden.

Auch beim Primärenergieverbrauch ist zur Zielerreichung mehr als eine Verdoppelung der Reduktionsrate notwendig, so das ZSW weiter.

Mögliche Verfehlungen nicht allein der Politik zuzuschreiben

Aus Sicht der unabhängigen Expertenkommission sollten mögliche Verfehlungen einzelner Ziele des Energiekonzepts nicht allein der Politik zugeschrieben werden. So erschweren auch exogene Ursachen wie die niedrigen Weltmarktpreise für fossile Energien und CO2-Emissionsrechte das Erreichen der Energiewendeziele. Dies biete jedoch keinen Grund dafür, die Ziele pauschal als zu ehrgeizig einzustufen.

Als Beispiel dafür nennt das ZSW die ersten Erfolge im Hinblick auf die Bezahlbarleit der Stromversorgung. Der von der Expertenkommission vorgeschlagene Indikator zur Bezahlbarkeit – der Anteil der aggregierten Letztverbraucherausgaben für Strom am Bruttoinlandsprodukt – ist von 2,5 % im Vorjahr auf 2,4 % leicht gesunken.

Andererseits gebe es aber auch Anzeichen dafür, dass sich der Ausgabenanstieg wieder beschleunigen könnte. Die Expertenkommission begrüßt daher, dass die Bundesregierung sich bemüht, den weiteren Anstieg der Letztverbraucherausgaben zu bremsen.

 

Der  4. Monitoringbericht zur Energiewende (PDF) der Bundesregierung und die Stellungnahme der Expertenkommission sind hier auf den Seiten den Bundeswirtschaftsministerums verfügbar.