Volldampf für KWK

Turbomach - Dieses Jahr feiert das schweizerische Unternehmen 25-jähriges Bestehen. Der Hersteller dezentraler Energiesysteme auf Basis von Gas- und Dampfturbinen hat sich am Markt durchgesetzt. Was die Hintergründe sind, erläuterte Deutschland-Geschäftsführer Peter Simon im Gespräch dem energiespektrum.

12. September 2005

Begonnen hat die Firmengeschichte mit dem Bau von Notstromaggregaten auf Basis von Gasturbinen. Und dann hatte der Gründer von Turbomach Mitte der 80iger Jahre die für die Entwicklung der Turbomach entscheidende Geschäftsidee: »Ob nun Vorhersehung oder Zufall, oder beides zusammen, wir waren genau zu dem Zeitpunkt zur Stelle, als KWK-Gasturbinen in Leistungsklassen im Bereich von 5 MW für Industrieanwendungen wirklich interessant wurden«, beschreibt Peter Simon, der Geschäftsführer der deutschen Turbomach-Gesellschaft die damalige Situation. Zu diesem Zeitpunkt hat Turbomach auch den Zugang zum amerikanischen Turbinenhersteller Solar gefunden. Als einer der führenden Hersteller für Gasturbinen dieser Leistungsklasse startete Solar damals mit vier Packaging-Unternehmen sein Europa-Geschäft für den Bereich Power-Generation. In einem harten Wettbewerb hat sich Turbomach vor fünf Jahren endgültig als exklusiver Packager durchgesetzt.

Dies habe einen plausiblen Grund, betont Simon: »Unser Vorteil war und ist, dass wir uns immer auf den Bau effizienter, zuverlässiger und kostengünstiger dezentraler Energiesysteme auf Basis von Gas- und Dampfturbinen konzentriert haben und dies nicht, wie bei anderen Wettbewerbern, als ein zusätzliches Standbein eines größeren Produktportfolios gesehen haben.«

Beim Packaging der Anlagen komme es darauf an, ein Optimum zu finden zwischen hohem Standardisierungsgrad und der Flexibilität für entsprechende Kundenwünsche. Wichtig sei, den Kunden über den ganzen Zyklus des Anlagenbetriebes zufrieden zu stellen, das gelte insbesondere für die After-Sales-Phase: »Dann muss sich beweisen, ob die Wirtschaftlichkeitsberechnungen aufgehen und die versprochenen Leistungsparameter erreicht werden«, sagt Simon. Man gehe mit dem Kunden gewissermaßen eine Ehe ein. »Die Anlagen sind über einen Horizont von 15 bis 20 Jahren ausgelegt. Die Verantwortung für einen wirtschaftlichen Betrieb liegt zu einem wesentlichen Teil bei uns. Neben einer sehr guten technischen Grundkonzeption entscheidet ein durchdachtes und gut funktionierendes Servicekonzept wesentlich über den langfristigen wirtschaftlichen Erfolg.«

Dies scheint Turbomach gut zu gelingen, betrachtet man den europäischen Marktanteil von (nach eigenen Angaben) rund 70 % im Leistungsbereich von 1 bis 15 MW. Weltweit hat das schweizerische Unternehmen heute über 4.000 MW installierte Leistung in Betrieb mit mehr als 800 GT-Anlagen. Einen nicht unerheblichen Anteil mit zirka 900 MW in mehr als 170 Anlagen geht dabei auf die 1991 gegründete deutsche Dependance zurück. Heute sind in der deutschen Gesellschaft 48 Mitarbeiter im Service- und Vertriebsbereich tätig. Von den beiden Standorten in Griesheim und Augsburg sorgt ein flächendeckendes Servicenetz für die Betreuung der Anlagen in Deutschland und Österreich. Neben der vorbeugenden Instandhaltung liegt der Schwerpunkt in der kurzfristigen Unterstützung der Kunden im Störfall. Das Packaging erfolgt weitestgehend am Hauptstandort in Riazzino in der Schweiz, an dem rund 60 % aller Turbo­mach-Mitarbeiter beschäftigt sind. Seit dem vorigen Jahr gehört die Turbomach-Gruppe zum amerikanischen Caterpillar-Konzern. Trotz der Zugehörigkeit zu einem Großkonzern habe sich an der Firmenphilosophie nichts geändert, meint Simon: »Die Ausrichtung individuelle Lösungen mit qualitativ hochwertigen Produkten in kostengünstigen und hochverfügbaren Anlagen zu realisieren, sichert den wirtschaftlichen Erfolg unserer Kunden und damit auch unseren Erfolg.« Nach einem relativ stabilen Wachstumsmarkt in den 90er Jahren war der Markt in den letzten Jahren starken Schwankungen unterworfen. Die Gründe findet der Deutschland-Chef in der Politik: »Die Liberalisierung des Strommarktes in Deutschland wurde halbherzig aber überstürzt durchgeführt und war vom übermächtigen Einfluss der großen Verbundunternehmen geprägt. Die Energiepolitik der letzten Jahre hat in Summe wenig für den Ausbau der dezentralen Energieerzeugung in KWK-Anlagen getan.«

Der deutliche Geschäftsrückgang in Deutschland Anfang des Jahrhunderts erklärt Simon im wesentlichen mit der im Ergebnis fehlgeschlagenen Liberalisierung: »Aufgrund der tiefen Strompreise aus zum großen Teil abgeschriebenen Anlagen der EVU bei gleichzeitigem starken Anstieg der Gaspreise in den Jahren 2000 bis 2002 haben viele Industrieunternehmen die möglichen und notwendigen Investitionen verschoben.« Die Folge: Die vorhandenen erheblichen Potenziale für dezentrale KWK-Anlagen durch Ausbau und Modernisierung bestehender Industrie- oder Heizkraftwerke wurde nur in sehr geringem Umfang genutzt. Zum Teil wurden bestehende Kraftwerkseinheiten zu reinen Wärmeerzeugungsanlagen zurückgebaut und die eigene Stromversorgung eingestellt. Für eine erste Geschäftsbelebung nach der Liberalisierung sorgte das KWK-Modernisierungsgesetz (KWKModG) in den Jahren 2003/2004. Mehrere Gründe sprechen für einen weiteren positiven Marktausblick. Einerseits ist in der Industrie erhebliches Potenzial vorhanden, bestehende Industrie- und Heizkraftwerke zu modernisieren, andererseits spielen die rapide ansteigenden Strompreise dem Markt für dezentrale Anlagen in die Karten. Dazu Simon: »Unser Business treibt der Abstand zwischen Gas- und Strompreis.« Die Rückkehr des Marktes zu einem Preisverhältnis Strom/Gas oberhalb von 3 zu 1 ermögliche wieder wirtschaftliche nachhaltige Lösungen für dezentrale KWK-Anlagen. Ein zusätzlicher Pluspunkt ist der gerade gestartete Emissionshandel. Dieser eröffne Chancen, insbesondere mit Eintritt in die zweite Phase im Jahr 2007, glaubt Simon. Trotzdem ist der Geschäftsführer mit der Geschäftsentwicklung nicht zufrieden. KWK als effiziente Technologie könnte einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, das Reduktionsziel der Bundesregierung von 23 Mio. t CO2 pro Jahr zu erreichen. Allerdings müsste dazu die KWK-Kapazität bis 2010 von derzeit rund 10 bis 12 TWh/a auf 60 TWh/a ausgebaut werden. Aber daran scheint Simon nicht mehr zu glauben: »Die Politik hat sich wohl offiziell von diesem Ziel verabschiedet«, stellt er resigniert fest. Dabei seien sowohl das Potenzial an sinnvollen dezentralen KWK-Lösungen in der Industrie als auch die notwendige Technik verfügbar. In den letzten Jahren habe sich der Kundenkreis massiv verändert, berichtet Simon. Vor der Liberalisierung waren gut 80 % der Anlagen Direktinvestitionen der Industrie, heute seien es etwa 50 %. Die restlichen 50 % würden Betreibergesellschaften unter Beteiligung von Energieversorgern einnehmen. Diese erkennen zunehmend dezentrale Erzeugung als eigenes wirtschaftliches Standbein. Die Anwendungsfälle für dezentrale Energieerzeugungsanlagen liegen aber nach wie vor mit über 80 % in der Industrie.

Ein weiteres Potenzial liegt bei Energieversorgern selbst. »Die Versorgungssicherheit gewinnt auch in Deutschland an Bedeutung. Die EVU haben in den vergangenen Jahren ihre eigene Reservehaltung massiv zurückgefahren«, sagt Simon. Hier sei auch der Regelenergiemarkt ein zunehmend interessanterer Bereich. Groß sei das Interesse v.a. bei größeren Anlagen im Bereich von 30 bis 60 MW. Und genau hier ist Turbomach seit rund vier Jahren tätig. Mit den eingesetzten Rolls-Royce-Turbinen habe man bereits die ersten erfolgreichen Projekte realisiert.

Ein Trend, der sich weltweit abzeichne, sieht der Branchenkenner in einem stärkeren Engagement der Hersteller als Betreiber. Diese Entwicklung verlaufe in anderen Ländern schneller, vor allem in Asien und Südamerika. Auch hier habe Turbomach gute Karten, ist sich Simon sicher, da man in allen Hauptmärkten mit Niederlassungen vertreten sei und hier bereits erste positive Erfahrungen gemacht habe. Dazu kommen die erweiterten Möglichkeiten innerhalb des Caterpillar-Konzerns. Doch in alter Turbomach-Tradition legt man besonderes Gewicht auf die stetige Verbesserung der Produkte und Dienstleistungen. »In den nächsten 2 bis 3 Jahren wird es durch technische Weiterentwicklung zu weiteren wesentlichen Reduzierungen der Abgasemissionen bei Gasturbinen kommen.«, glaubt Simon. Ein Beispiel für die Innovationsfähigkeit ist die neue Mercury 50, eine Gasturbine mit integriertem Rekuperator. Simon ist vom Produkt überzeugt: »Die kompakte Energieerzeugungsanlage besitzt mit 38,5 % den mit Abstand höchsten elektrischen Wirkungsgrad in dieser Leistungsklasse.« Mit einer konsequenten Kundenorientierung, der stetigen Weiterentwicklung der Produkte und der Optimierung der internen Prozesse ist sich der Geschäftsführer sicher, dass man auch in den nächsten 25 Jahren so erfolgreich sein wird wie in den letzten.

Michael Nallinger

Erschienen in Ausgabe: 08/2005