Vom Windturm direkt ins SAP

Technik

IT - Durch eine mobile Anbindung der Techniker kann Nordex die Wartungsprozesse der zahlreichen Anlagen besser organisieren.

09. April 2010

Nordex gehört mit rund 1.136 Mio.€ Umsatz im Jahr 2008 zu den weltweit größten Herstellern der Windenergieanlagen-Branche. In über 34 Ländern erzeugen rund 4.100 Krafträder des Unternehmens Energie. Von einem kleinen dänischen Ingenieurbüro ist der Windanlagenhersteller mittlerweile zu einem Milliarden-Euro-Konzern gewachsen, der rund 2.200 Mitarbeiter beschäftigt.

Das Unternehmen entwickelt und konstruiert die Anlagen nicht nur selbst, es verantwortet auch die laufende Wartung. Über 250 Techniker sind dafür deutschlandweit im Einsatz. Neben regelmäßigen Wartungsintervallen sind diese auch umgehend vor Ort, wenn ein Windrad einen Fehler meldet. »Wir arbeiten hier mit einem Ticketsystem«, erklärt der CIO Jasper Bhaumick: »Tritt ein Fehler auf, generiert die Kontroll-Software eine Meldung, die automatisch an unsere Zentrale in Rostock geht.« Stellt sich dort heraus, dass die Anlage nicht nur stillsteht, weil zum Beispiel kein Wind weht, bekommen die zuständigen Techniker einen Auftrag und rücken aus.

Fehlerfreier abgleich wichtig

Was heute funktioniert, bereitete den Verantwortlichen anfangs Kopfzerbrechen: Nordex setzt für den Großteil seiner Prozesse SAP ein und wollte daher auch die Wartungsprozesse hierüber organisieren. Die Techniker sollten von ihrem Laptop aus mittels mobiler Datenanbindung auf die Software zugreifen können, um Aufträge einzusehen und nach der Wartung eine entsprechende Rückmeldung im System zu hinterlassen.

»Entscheidend ist an dieser Stelle ein absolut fehlerfreier Abgleich sämtlicher Daten«, sagt Holger Wüsthoff von der Unternehmensberatung Gambit Consulting. Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit dem alten IT-Dienstleister entschied sich der Windanlagenproduzent für die Hilfe der Berater. Gemeinsam mit dem Dienstleister Pironet NDH setzte dieser die Service-Prozesse auf der Informations- und Datenverabeitungs-Ebene um.

»Die Qualität der IT ist bei einem solchen Projekt ausschlaggebend: Wenn Sie kein reibungsloses Zusammenspiel zwischen den Softwarekomponenten haben, multiplizieren sich die Fehler«, so Wüsthoff. Ein falscher Eintrag in SAP könne etwa dazu führen, dass die Verantwortlichen nicht wissen, ob eine Anlage aktuell repariert wird. »Die Folge sind zahlreiche weitere falsche Systemeinträge, überflüssige Telefonate und am Ende organisieren Sie die Prozesse dann doch wieder manuell«, ergänzt Bhaumick.

Die neu geschaffene mobile Anbindung der Außendienstmitarbeiter ermöglicht Nordex eine reibungsfreie Organisation sämtlicher Wartungsprozesse, auch über Landesgrenzen hinweg. Das zunächst in Deutschland erprobte Modell des mobilen SAP kommt mittlerweile auch Mitarbeitern in den USA, dem europäischen Ausland und demnächst auch weiteren Ländern zu Gute.

Bhaumick: »Unsere Techniker schauen morgens in das System, wissen dann, welche Standorte sie anfahren müssen und welche Ersatzteile sowie Werkzeuge sie für die Wartungsvorgänge benötigen.« Derartige Informationen liefert der sogenannte Equipment-Stamm, der für jeden Anlagentyp in SAP hinterlegt ist. Im Anschluss an den Wartungsvorgang tragen die Mitarbeiter im System ein, wie viel Zeit sie für die Wartung gebraucht und welche Komponente sie verbaut haben. Falls nötig, bestellt das System automatisch neue Ersatzteile.

Auch vor Ort beim Feldeinsatz hilft die mobile Anbindung an die Unternehmens-IT: Eine Statusmeldung informiert dann etwa die Überwachungszentrale in Rostock, dass eine Anlage steht, weil aktuell Wartungsarbeiten durchgeführt werden. Da aber eine UMTS-Anbindung nicht flächendeckend verfügbar ist, soll diese Mitteilung in Zukunft auch direkt mit dem Handy des jeweiligen Technikers über GPRS übermittelt werden.

Anspruch an Flexibilität

»Um derartige Funktionen umsetzen zu können, müssen unsere IT-Partner dazu fähig sein, schnell auf neue Anforderungen zu reagieren«, so Bhaumick. Im hoch sicheren Hamburger Rechenzentrum der Pironet NDH fließen daher sämtliche Prozesse zusammen - von den Statusmeldungen der Anlagen bis hin zur schlussendlichen Abrechnung der Wartungsvorgänge.

Neben ständig wachsenden Anforderungen stellt Nordex mit seinen jährlich zweistelligen Wachstumsraten ebenso hohe Ansprüche an die Flexibilität des IT-Partners. Udo Faulhaber, Sales Director bei Pironet NDH: »Falls nötig, können wir einen neuen Mitarbeiter innerhalb von Stunden an die Unternehmens-IT anbinden.« Grundlage für diese flexible Zusammenarbeit ist ein Outsourcing-Vertrag, der einerseits bei den Standard-IT-Anwendungen Kostenvorteile schafft. Andererseits lässt er genügend Spielraum, um individuelle Anforderungen – wie das mobile SAP – zeitnah umsetzen zu können.

Erschienen in Ausgabe: 2-3/2010