Von Bioenergie bis Stadt der Zukunft

Spezial/Erneuerbare Energien

Messe - Ein herausragendes Ereignis auf der Renexpo (vom 7. bis 10. Oktober in Augsburg) wird auch in diesem Jahr wieder das Thema Bioenergie mit dem IHE-Kongress sein. Spannende Themen gibt es genügend: wie Agroforstsysteme, die nicht mehr länger als Wald anerkannt werden und so neue Chancen bieten.

03. August 2010

»Die Bioenergie muss in dem für den Herbst 2010 angekündigten Energiekonzept der Bundesregierung eine starke Rolle spielen.« Diesen Appell richtete der Bundesverband BioEnergie (BBE) im Vorfeld an die Politik. Mit verlässlichen und stabilen politischen Rahmenbedingungen hält der BBE einen Marktanteil der Bioenergie von mindestens 15% an der bundesdeutschen Energieversorgung bis 2030 für realistisch und machbar.

Bioenergie hatte in 2009 bereits einen Marktanteil von 5,2% am Bruttostromverbrauch, davon wurde etwa ein Drittel von festen Bioenergieträgern, und damit Holz, zur Verfügung gestellt. Im Wärmemarkt lag der Marktanteil mit 7,7% sogar noch höher. Davon stammen etwa 80% aus holzartiger Biomasse.

Eine sichere Rohstoffversorgung ist für die Holzenergiebranche auch beim weiteren Ausbau der Bioenergie ein zentrales Anliegen. Hierzu gilt es laut BBE die vorhandenen Potenziale im bundesdeutschen Wald auch tatsächlich in die Bewirtschaftung zu bringen und nachhaltig zu nutzen. »Schützen durch Nützen ist hier das Stichwort, überzogene Naturschutzrestriktionen sind an dieser Stelle hinderlich und verkleinern den verfügbaren Potenzial-Kuchen«, betont der BBE-Geschäftsführer Bernd Geisen. Zusätzliche Mobilisierungsstrategien von Waldholz seien insbesondere im privaten Klein- und Kleinstprivatwald notwendig. Hier lägen noch erhebliche Potenziale brach. Ein weiterer Ansatz zur Erweiterung des Brennstoffspektrums ist der Anbau schnellwachsender Baumarten wie Weiden oder Pappeln auf landwirtschaftlichen Flächen.

Gegenwärtig spielen Schnellwuchsplantagen und Agroforstsysteme in Deutschland noch keine bedeutende Rolle. Die Anbaufläche wird auf bundesweit rund 3.000ha geschätzt, überwiegend auf der Basis von Pilot- und Forschungsvorhaben. In verschiedenen Studien wird das Flächenpotenzial auf eine Größenordnung von 500.000ha bis 1Mio.ha geschätzt. Ob dies realistisch ist, bleibt laut BBE-Mann Geisen abzuwarten: »Dies hängt maßgeblich von einer betriebswirtschaftlich lukrativen Perspektive für interessierte Landwirte und Investoren ab.« Denn bisher gab es für interessierte Landwirte und Investoren ein große Hürde: Kurzumtriebsplantagen und Agroforstsysteme wurden im Bundeswaldgesetz als Wald deklariert. Die im Juni 2010 vom Deutschen Bundestag verabschiedete Novellierung des Gesetzes habe »diesen Hemmschuh auf Forderung der Bioenergiebranche nun endlich beseitigt«, freut sich Geisen.

Die genannten Nutzungen auf landwirtschaftlichen Flächen gelten demzufolge zukünftig nicht mehr als Wald. »Diese notwendige Änderung gibt dem Landwirt mehr Flexibilität und erlaubt ihm eine Umnutzung seiner Anbaufläche auf alternative Kulturpflanzen«, ist sich Experte Geisen sicher.

Jedoch sei es wichtig, dass dies von weiteren Maßnahmen flankiert werde. Denkbar sind etwa spezifische Förderprogramme auf Bundes- und Länderebene. Agrarholz als neues Geschäftsfeld für Land-, Forst und Energiewirtschaft ist eines von vielen Themen des IHE-Kongresses, der vom 7. bis 8. Oktober 2010 zum 10. Mal während der Messe Renexpo in Ausgburg stattfindet. Weitere Schwerpunkte der Jubiläumsveranstaltung des Jahreskongresses des BBE sind die politischen Rahmenbedingungen für die Holzenergie in Deutschland und Europa sowie der Einfluss der EU-Richtlinie auf die Umsetzung für erneuerbare Energien auf die Holzenergie.

Der Kongress hat sich, so Geisen, im Laufe der Jahre als »Leitveranstaltung und als Plattform der bundesdeutschen Holzenergiebranche fest etabliert«. Das Zusammenspiel von Fachkongress und Renexpo, auch als Messe für die Holzenergiebranche, schätzt der BBE-Geschäftsführer »als sehr bereichernd für beide Seiten«.

Wie die Projektleiterin Elisabetta Alberti berichtet, ist die Gesamtentwicklung der Messe »sehr zufriedenstellend«. Im vergangenen Jahr stieg die Ausstellerzahl trotz Wirtschaftskrise um 20% auf über 35o. »Auf alle Fälle rechnen wir damit, unser Ergebnis von letztem Jahr zu halten«, sagt die Projektleiterin. Dies waren in 2009 neben der genannten Ausstellerzahl über 800 Tagungsteilnehmer und nahezu 11.000 Besucher. Dabei wird das Messekonzept jedes Jahr weiterentwickelt. Seit 2008 ist der KWK-Bereich (interCogen) mit Mikro- und Mini-KWK bis hin zu großen Anlagen im MW-Bereich fester Bestandteil der Renexpo. »Noch nie waren so viele Aussteller im KWK-Bereich vertreten wie in diesem Jahr«, berichtet Alberti. Namhafte Unternehmen wie B&N Gas Engines, greenPower-Gesellschaft für effiziente Energieerzeugung mbH oder MTU Onsite Energy haben sich angemeldet. Partner der interCogen ist der Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung (B.KWK), der aktiv den KWK-Ausbau in Deutschland fördert.

Im vergangenen Jahr kam das Thema E-Mobilität neu zur Renexpo hinzu. Für dieses Jahr wird die Intelligente Energie durch den Fachkongress ›Stadt der Zukunft‹ neu im Messeprogramm aufgenommen. Projektleiterin Alberti vom Veranstalter Reeco ist sich sicher, dass sich »dieses Thema in den nächsten Jahren fest etablieren und auch von Aussteller- und Sponsorenseite vertreten sein wird«.

Unter anderem stellt dort MVV Energie AG die ersten Praxiserfahrungen aus der E-Energy-Modellstadt Mannheim vor. Weitere Themen behandeln Smart Grids, Smart Metering, Gebäudeautomation und E-Mobilität. Auch auf die komplexen Problemstellungen, die sich aus der Umstellung des Stromnetzes ergeben, das heute auf wenige Großkraftwerke beschränkt ist und künftig aus unzähligen dezentralen Erzeugungseinheiten gespeist werden soll, gehen die Vorträge ein.

Insgesamt ist das Messekonzept so erfolgreich, dass der Veranstalter, die Reeco GmbH aus Reutlingen, damit begonnen hat, dieses ins Ausland zu erweitern. Ein erster ›Ableger‹ ist die Renexpo Austria, die vom 25. bis 27.Novbember zum zweiten Mal im Messezentrum Salzburg stattfindet. »Auch in diesem Jahr zeigt sich wieder ein großes Interesse«, berichtet Günter Armbruster, Vertriebsleiter bei Reeco.

Dementsprechend plant man mit einem Wachstum der Brutto-Ausstellungsfläche von knapp 50%. Laut Armbruster ist die Renexpo Austria auf dem besten Weg, sich »in naher Zukunft als Österreichs Landesenergiemesse« zu etablieren. In Österreich sei keine andere Messe im Hinblick auf Themenbandbreite so breit aufgestellt.

Für Bernd Geisen ist diese Erweiterung ins benachbarte Ausland die richtige Strategie. »Österreich ist neben den skandinavischen Ländern und Deutschland Vorreiter in Europa für einen dynamischen Bioenergieausbau und somit ein sehr interessanter Bioenergie-Zielmarkt.« Die Renexpo in Salzburg sei zudem durch die unmittelbare Grenznähe eine interessante Präsentationsbühne für bundesdeutsche Unternehmen.

Energiestrategie Österreich

Österreich ist aufgrund des Energie- und Klimapakets der EU dazu verpflichtet, den Anteil erneuerbarer Energieträger am Bruttoendenergieverbrauch bis 2020 auf 34% zu erhöhen und seine Treibhausgasemissionen in Sektoren, die nicht dem Emissionshandel unterliegen, um mindestens 16%, bezogen auf 2005, zu reduzieren. Um diese Ziele zu erreichen, hat die Bundesregierung die ›Energiestrategie Österreich‹ eingeleitet.

Vor diesem Hintergrund ist auch Bernhard Bachleitner von der ABA Invest in Austria vom Messekonzept überzeugt. »Die zukunftsweisende Positionierung Salzburgs als umweltbewusster und energieeffizienter Standort wird durch die Renexpo weiter unterstrichen.« (mn)

Programm 10. Internationaler BBE-Fachkongress für Holzenergie

IHE Holzenergie am Donnerstag 07.10.2010

Politische Rahmenbedingungen für die Holzenergie in Deutschland und Europa

> Perspektiven und Handlungsnotwendigkeiten für den weiteren Marktausbau der Holzenergie in Deutschland

> Bioenergie aus Holz und Chancen für ländliche Räume

> Nutzenkonkurrenz zwischen energetischer und stofflicher Holznutzung?

> Umsetzung der EU-Richtlinie für erneuerbare Energien und Bedeutung für die Holzenergie

Auswirkungen des novellierten EEG für den Bereich Holzenergie

> Der Markt für Biomassekraftwerke in Deutschland und Europa: welcher Marktausbau ist zukünftig noch möglich?

> Monitoring des novellierten Erneuerbare Energien Gesetzes – Wie reagiert der Holzenergiemarkt?

> Positionen und Handlungsempfehlungen der Holzenergiebranche zur Weiterentwicklung des EEG

> Energetische Nutzung von biogenen Festbrennstoffen in der Holzindustrie – Einschränkungen und Ausbaumöglichkeiten des EEG

Innovationen und Entwicklungstendenzen

> Wechselwirkungen von TEHG und EEG – Biomasse-Mitverbrennung und Mono-EEG-Anlagen

> Stand der Biomassevergasung im kleinen und mittleren Leistungsbereich zur dezentralen Energieversorgung – Perspektiven und Herausforderungen

> Neue Technologien und Entwicklungen zur Emissionsminderung bei Kleinfeuerungsanlagen

> Innovationen und F&E-Bedarf zum Ausbau der Biowärme in Deutschland und Europa

IHE Holzenergie am Freitag 08.10.2010

Holz im Wärmemarkt

> Vom Ast bis zur kWh – Zusammenarbeit von Holzaufbereitern, Forsten und Wärmecontractoren

> Erfolgsfaktoren für Hackschnitzelheizwerke mit Nahwärmenetz – Empfehlungen aus geförderten Vorhaben in Bayern

> Holzenergie-Contracting-Modelle im städtischen Bereich

> Brennstoffspezifische Ausbaustrategien und Rohstoffversorgungskonzepte für den Pelletsmarkt

Agrarholz als neues Geschäftsfeld für Land-, Forst- und Energiewirtschaft

> Aufbau eines KUP-Netzwerks für Deutschland

> Kurzumtriebsplantagen: Verfahren, Kosten, Ökobilanzen

> Flächenverfügbarkeit und Nutzenkonkurrenzen für den Anbau von Kurzumtriebsplantagen in Deutschland

> Erntemethoden und Logistikkonzepte für Agrar- und Energieholz

> Kurzumtriebsplantagen neues und lukratives Geschäftsfeld eines Energieversorgers?!

Nachhaltige und effiziente Biomasse – Bereitstellungsketten

> Nachhaltig erzeugte Biomasse – worauf muss sich der Holzenergiesektor einstellen?

> Prozessanalyse der Hackschnitzelbereitstellung – technische, ökonomische und ökologische Bewertung

> Vertragliche Absicherung von Bioenergieprojekten

> Bereitstellung von Miscanthus als alternativer Biobrennstoff

Informationen unter: Bundesverband BioEnergie e.V. (BBE)

Godesberger Allee 142-148, 53175 Bonn, Tel: 0228-81002-22, E-Mail: hartmann@bioenergie.de,

Erschienen in Ausgabe: 06/2010