Vorschlag für sichere Gasversorgung in Extrem-Situationen

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hat einen Vorschlag zur Einführung eines Gasreserve-Modells veröffentlicht. Das Modell besteht aus zwei Elementen. Es wurde von Mitgliedsunternehmen entlang der gesamten Erdgas-Versorgungskette entwickelt und beschlossen.

12. November 2015

Als Ausgangssituation für das Reservemodell wählte der Verband folgendes Szenario: Das Auftreten eines Extremwinters in Kombination mit dem Ausfall einer wichtigen Infrastruktur - also beispielsweise eines Grenzübergangspunktes, von dem Erdgas aus einem Lieferland nach Deutschland geleitet wird. Und das für einen Zeitraum von sieben Tagen.

»Mit dem Reservemodell kann eine solche Extremsituation sicherer bewältigt werden als mit dem bestehenden Instrumentarium«, so Anke Tuschek, Mitglied der BDEW-Hauptgeschäftsführung auf dem BDEW-Gasdialog 2015. Hier wird das Modell vorgestellt.

Zwei Elemente

Konkret besteht das Branchen-Modell aus zwei aufeinander aufbauenden Elementen: Der systemnahen Flexibilitätsreserve und der Speicherkontrahierungen durch die Fernleitungsnetzbetreiber.

Flexibilitätsreserve mit jährlicher Aussschreibung

Im Rahmen der systemnahen Flexibilitätsreserve wird zunächst die Höhe des Absicherungsbedarfs anhand bestimmter Kriterien ermittelt - unter anderem anhand der Minimalfüllstände der deutschen Erdgasspeicher der vergangenen Jahre für den Betrachtungszeitraum Februar. Der Bedarf wird regelmäßig überprüft.

Im Auftrag der Fernleitungsnetzbetreiber wird anschließend eine jährliche Ausschreibung durchgeführt, um den ermittelten Bedarf zu gewährleisten. Dabei sind unterschiedliche Produkte möglich, mit denen Anbieter teilnehmen können.

Die Auswahl erfolgt über eine Präqualifikation. Wesentliches Kriterium ist die Gewährleistung der physischen Erfüllung.

Speicherkontrahierung, um Restrisiken auszuräumen

Das zweite Element sieht vor, dass die Fernleitungsnetzbetreiber (FNB) zeitlich und mengenmäßig begrenzt Erdgas-Speicherkapazitäten kontrahieren. Ein Erwerb von Eigentum an Speichern ist hierbei ausgeschlossen.

Die FNB-Speicherkontrahierung ermöglicht es, Restrisiken - beispielsweise durch Veränderungen von Markttrends, Aufkommensquellen oder der Infrastruktur - auszuräumen. Mit dieser Speicherkontrahierung werden auch die als gesichert angenommenen Speicherfüllstände gewährleistet, die für Berechnung der systemnahen Flexibilitätsreserve angelegt werden.

Auch der erforderliche Umfang dieses zweiten Elements soll regelmäßig überprüft werden. Zum Einsatz soll sie erst dann kommen, wenn das erste Element des Modells nicht ausreicht, um die Gasversorgung in der Extremsituation stabil zu halten.

Die Finanzierung des Reserve-Modells soll im Einklang mit der gesetzlich vorgesehenen Rollen- und Risikoverteilung über die Netznutzungsentgelte erfolgen.

Offen gegenüber mehreren Anbietern und Instrumenten

Tuschek sagte unter anderem auch, das Modell sei kosteneffizient. »Durch die Offenheit gegenüber mehreren Anbietern und Instrumenten kann die günstigste Lösung ausgewählt werden. Das BDEW-Reservemodell zeichnet sich insbesondere durch eine hohe Flexibilität aus: Die Absicherung kann zielgenau und entsprechend des regionalen Bedarfs ausgestaltet werden.«

Der BDEW werde dem Bundeswirtschaftsministerium das Branchenmodell detailliert erläutern, sagte Tuschek abschließend.