Wärme aus der Zelle

Markt

Stadtwerke - Die Brancheninitiative Zukunft Erdgas erwartet, dass schon 2020 rund 55.000 Brennstoffzellen in Deutschland installiert werden. Erfolgreiche Pilotprojekte zeigen, wie das gelingen kann.

22. Januar 2018

Vor allem da, wo neben Strom ganzjährig Wärme benötigt wird, ist die Brennstoffzelle auf dem Wärmemarkt im Kommen. So treibt Wingas seit einigen Jahren Pilotprojekte im Privat- und Gewerbesegment voran. Kooperationspartner sind dabei nicht nur Gerätehersteller, sondern vor allem die Energieversorger vor Ort.

Gemeinsam mit den Stadtwerken Aachen (Stawag) hatte Wingas beispielsweise bereits 2016 am Aachener Institut für Industrieaerodynamik (IFI) eine Brennstoffzelle in Betrieb genommen. Das Bluegen-Aggregat der Firma Solidpower wurde als Beistelllösung in die Heizkessel-Anlage des Instituts integriert und läuft im Dauerbetrieb. Anteilig finanziert wurde es über das Wingas-eigene Förderprogramm Brennstoffzellen-Partnerbonus Plus, mit dem der Erdgasversorger Stadtwerkekunden bei der Anschaffung von Brennstoffzellen unterstützt.

Zwölf Monate in Betrieb

Nach einem Jahr Laufzeit haben die Projektpartner eine positive Bilanz gezogen: Die Verfügbarkeit lag bei 100 Prozent und der Gesamtwirkungsgrad mit 85 Prozent auf einem hohen Niveau. Mit einer Leistung von 1,5 kW elektrisch und 0,6 kW thermisch erzeugte die keramische Brennstoffzelle der neuen Generation circa 13.000 kWh Strom und 5.000 kWh Wärme in einem Jahr. Der Fokus der Anlage liegt auf der Stromerzeugung. Sie deckt die elektrische Grundlast der IT-Abteilung der Fachhochschule vollständig ab. Davon profitiert auch das Institut: Die KWK-Anlage senkt die laufenden Stromkosten erheblich.

Kostenrechnung

Rund 1.718 Euro betrug die Stromkostenersparnis im ersten Jahr. Weitere Kosteneinsparungen von 243,50 Euro ergaben sich durch die Einspeisung der produzierten Wärme in das Heizungs- und Warmwassersystem. Damit konnte der Warmwasserbedarf abgedeckt werden. Das Aachener Modellprojekt ist im November 2016 gestartet und auf zwei Jahre angelegt. Im Rahmen eines Contracting-Vertrags wird es von der Stawag betrieben.

Im Mehrfamilienhaus

Ein wegweisendes Projekt für den Bereich der Wohngebäude entstand im Rahmen einer Kooperation zwischen Viessmann und Wingas in Mölln. Dort haben die Unternehmen mit den Vereinigten Stadtwerken Ratzeburg eine erdgasbetriebene Brennstoffzelle im Neubau eines Mehrfamilienhauses in Betrieb genommen. Die Viessmann-Brennstoffzelle Vitovalor 300-P wird von dem Energieversorger im Rahmen eines zehnjährigen Contracting-Vertrags inklusive Wartung betrieben.

Dabei erzeugt das System in dem Vierfamilienhaus nun bis zu 4.000 kWh Strom und 5.000 kWh Wärme pro Jahr. So lassen sich 50 Prozent des Strombedarfs und 25 Prozent des Wärmebedarfs der Bewohner abdecken. Überschuss- und Zusatzstrommengen werden über das Stromnetz ausgeglichen. Mit solchen Kooperationsprojekten, so die Akteure, soll die Brennstoffzellen-Technik langfristig eine höhere Marktdurchdringung erzielen. Und weitere Projekte werden folgen: Mit dem Mikro-KWK-Partnerbonus erhalten solche Stadtwerke, die als Brennstoffzellen-Contractoren fungieren, von Wingas eine einmalige finanzielle Förderung, um Endverbrauchern Brennstoffzellen bereitzustellen. Darüber hinaus erhält der Betreiber beim Einsatz einer Viessmann-Brennstoffzelle ein Garantie- und Wartungspaket zum Sonderpreis von 1.615 Euro. Das Förderprogramm kann von solchen Stadtwerken in Anspruch genommen werden, die Erdgas von Wingas beziehen.

Gefördert

Stadtwerke, die das Angebot nutzen, können also besonders verantwortlich und klimaschonend agieren. Experten sehen in der Brennstoffzelle großes Potenzial, um die Treibhausgase im Wärmemarkt weiter zu senken. »Wir müssen die Potenziale des Energieträgers Erdgas deutlicher gegenüber der Politik und in der Öffentlichkeit aufzeigen – gerade im Hinblick auf den Klimaschutz«, erklärt Ludwig Möhring, Vertriebs-Geschäftsführer von Wingas. »Der Heizwärmemarkt ist für rund 40 Prozent der CO2-Emissionen in Deutschland verantwortlich. Vor allem effiziente Heiztechnologien auf Erdgasbasis wie moderne Brennstoffzellen können mit geringen CO2-Vermeidungskosten punkten.«

Erschienen in Ausgabe: 01/2018