Wärme – klar zur Wende?

2017 stellten die Betreiber von Fernwärmenetzen rund 161 TWh Wärme zur Verfügung. Wichtigste Energieträger zur Fernwärmeerzeugung sind Erdgas, Kohle und Abfall. Die Wärmeerzeugung mit erneuerbaren Energien gewinnt aber immer mehr Bedeutung, wie zwei Beispiele aus Süddeutschland zeigen.

15. November 2018
Bild: Tilmann Jörg/pixelio.de
Bild 1: Wärme – klar zur Wende? (Bild: Tilmann Jörg/pixelio.de)

Wie kann die Wärmewende in München gelingen? Die Stadtwerke München (SWM) haben eine Studie vorgestellt, wie die Landeshauptstadt bis 2040 die Wärmewende erreicht. 

Klimaschutzziel

Angelehnt an das Abkommen von Paris 2015 will München bis zum Jahr 2050 weitgehend klimaneutral sein und den Ausstoß an Treibhausgasen auf 0,3 Tonnen pro Kopf im Jahr senken.

2012 haben die SWM ihre Fernwärmevision vorgestellt, nach der bis zum Jahr 2040 die komplette Fernwärme CO2-neutral erzeugt werden soll, überwiegend aus Geothermie.

Inzwischen ist aus der Fernwärmevision schon Realität geworden. In drei Münchner Stadtteilen stehen die ersten Geothermieanlagen und liefern Wärme in die Häuser.

Und die SWM haben einen Ausbaupfad festgelegt, der gewährleistet, dass bis zum Jahr 2040 80 Prozent des Fernwärmebedarfs mit bereits errichteten und konkret geplanten Anlagen ohne klimaschädliche Emissionen gedeckt werden können.

Konzepte für die restlichen 20 Prozent befinden sich in Arbeit, so das Unternehmen.

Geothermie

Eine Studie der Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft im Auftrag der SWM ergab, dass Fernwärme aus Geothermie die mit Abstand effektivste Maßnahme zur CO2-Reduzierung im Münchner Wärmemarkt ist.

Ein weiterer entscheidender Hebel ist die Sanierung von Bestandsgebäuden, heißt es.

»Wo keine Fernwärme verfügbar ist, sind Quartierskonzepte wichtig«, heißt es in einer SWM-Mitteilung.

Sektorkopplung

»Dezentrale KWK und Wärmeerzeugungsanlagen nutzen Skaleneffekte, können optimiert betrieben werden und ermöglichen eine systemdienliche Sektorkopplung.«

Bundesweit forcieren Unternehmen den Bau neuer Nah- und Fernwärmenetze als Teil der Sektorkopplung von Strom- und Wärmemarkt.

Experten weisen seit geraumer Zeit darauf hin, dass die Energiewende nur dann gelingt, wenn Strom- und Wärmeerzeugung weitgehend auf erneuerbare Energien umgestellt werden.

Bislang findet die Energiewende vor allem im Stromsektor statt.

Regensburg

Wie man die Sektorkopplung als Public Private Partnership gestaltet, zeigt ein Beispiel aus der Nähe von Regensburg.

Die künftigen Bewohner vom neu entstehenden Wohngebiet Tegernheim Süd-West I nahe Regensburg bekommen eine Wärmeversorgung, die komplett auf erneuerbare Energien setzt.

Die Erweiterung auf Bestandsgebäude ist ebenso angedacht.

GP Joule wird dies zusammen mit der Gemeinde mit einem innovativen Konzept ermöglichen, welches die Gründung einer Betreibergesellschaft mehrheitlich in kommunaler Hand beinhaltet, so das Unternehmen in einer Mitteilung.

Public Private Partnership

»Ein solches langfristiges Public Private Partnership hat GP Joule bereits erfolgreich mit den bayerischen Gemeinden Mertingen und Buttenwiesen sowie in Schleswig-Holstein mit Bosbüll und Bordelum aufgesetzt«, so GP Joule.

Die Gemeinde Tegernheim wird im neuen regenerativen kommunalen Gemeindewerk mehrheitlicher Anteilseigner, GP Joule beteiligt sich mit einem Minderheitsanteil.

»Kommunale Projekte im Bereich der Erneuerbaren Energien sind wichtiger Bestandteil eines wirksamen Klimaschutzes bei dem in erster Linie die Menschen vor Ort profitieren«, erklärt Heiner Gärtner, einer der beiden Gründer von GP Joule.

Das Projekt sieht im heutigen Planungsstand eine schrittweise Versorgung von 7 Ein- bzw. Zweifamilienhäusern, 16 Einfamilienhäusern sowie 5 Mehrfamilienhäusern vor, mit einem Wärmebedarf von jährlich voraussichtlich über 480 MWh.