Wärmepumpen für Siedlungen und Quartiere

Wärmepumpen sind bisher vor allem als dezentrales Heizsystem bekannt: ein Haus, eine Wärmequelle, eine Wärmepumpe. Doch auch als Teil von Wärmenetzen zur Versorgung ganzer Siedlungen oder Quartiere können Wärmepumpen eingesetzt werden. Auf einer Expertentagung in Köln wurden jetzt erste Projekte vorgestellt.

29. September 2017

„Gerade Kommunen, Projektentwickler, Stadtwerke und andere Energieversorger haben bei der Errichtung oder Modernisierung von Quartieren und Siedlungen die Chance, den Klimaschutz massiv voranzutreiben – und ganz nebenbei zukunftsfähige Geschäftsmodelle mit langfristigen Kundenbeziehungen zu etablieren“, so Paul Waning vom Bundesverband Wärmepumpe (BWP) auf der internationalen Wärmetagung in Köln.

 

Den Angaben zufolge tauschten sich auf der Tagung mehr als 80 Experten aus über Möglichkeiten und Hindernisse von Großwärmepumpen und Nahwärmenetzen und über bereits realisierte Projekte in Europa und insbesondere in Deutschland.

 

Klassische Nahwärme oder kalte Nahwärme

 

Für Wärmepumpenlösungen in Siedlungen und Quartieren stehen vor allem zwei Möglichkeiten zur Verfügung, so der BWP.

 

Bei der klassischen Nahwärme wird die gewonnene Wärme mittels Großwärmepumpe zentral auf das benötigte Temperaturniveau gehoben und dann per Übergabestationen in die Heizsysteme der Häuser eingespeist.

 

Die Temperaturen im Nahwärmenetz sind daher entsprechend hoch. Bei dieser Lösung steht im Gebäude selbst keine Wärmepumpe.

 

Eine Alternative ist nach Verbandsangaben die sogenannte kalte Nahwärme.

 

Dabei wird die Wärme in das Netz gespeist und erst im Gebäude von einer Wärmepumpe auf das benötigte Temperaturniveau gebracht.

 

Die Wärmepumpe ersetzt bei diesem Konzept die Übergabestation. So können die Systemtemperaturen des Netzes niedrig gehalten werden. Wärmeverluste lassen sich auf diese Weise vermeiden und eine hohe Systemeffizienz wird sichergestellt.

 

In einigen Stadtbezirken werden auf diese Weise auch Neubaugebiete mit Bestandsquartieren verknüpft.

 

Dabei gibt es eine Vielzahl denkbarer Wärmequellen: Erdwärme, gewonnen durch Sonden oder Kollektoren, Grundwasser, das über Brunnen nutzbar gemacht wird, Abwärme von Kühlanlagen, Industriebetrieben, Rechenzentren, Abwasser, das mit konstant hohen Temperaturen durch die Kanalisation fließt, Solarthermie, insbesondere große Freiflächenanlagen sowie Bioenergie- oder KWK-Anlagen.

 

Die aktuelle BWP-Broschüre mit zahlreichen Referenzprojekten für Siedlungs- und Quartierslösungen kann direkt beim Verband angefordet werden. 

 

Förderung von nachhaltigen Wärmenetzen

 

„Mit der Förderung von Modellvorhaben Wärmenetzsysteme 4.0 gibt es seit dem 1. Juli 2017 erstmals eine systemische Förderung im Bereich der Wärmeinfrastruktur“, so der BWP.

 

Damit sollen zukunftsfähige Wärmenetzsysteme gefördert werden, die den langfristigen Zielen der Energiewende besonders entsprechen.

 

Gefördert werden sowohl Machbarkeitsstudien als auch die Realisierung konkreter Projekte.

 

Energiespektrum berichtete in Heft 7/17 ausführlich über Wärmepumpen für Mehrfamilienhäuser und Bürogebäude.

 

Hier der Beitrag zum Nachlesen www.energiespektrum.de/175867