Wärmewende noch mit angezogener Handbremse

Markt

Heizung - Die Modernisierung in deutschen Kellern lässt auf sich warten. Dabei ließen sich hier Potenziale für den Klimaschutz heben, sind sich Studien verschiedener Verbände sicher. Sie fordern Lösungen von der Politik.

31. August 2015

Rund 70% des deutschen Heizungsanlagenbestandes entspricht nicht mehr dem Stand der Technik. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Bundesverbandes des Schornsteinfegerhandwerks (ZIV) und des Bundesverbandes der deutschen Heizungsindustrie (BDH). Würden die Anlagen modernisiert, könnten 13 bis 15% des deutschen Endenergieverbrauches eingespart werden, so die Verbände. Sie fordern zudem, die hohen CO2-Minderungspotenziale in den Heizungskellern zu heben.

Auch laut Timm Kehler, Vorstand von Zukunft Erdgas, könnten allein durch den konsequenten Austausch des veralteten Heizungsbestandes in Gebäuden durch moderne Erdgasheizungen bis zu 40% der CO2-Emissionen eingespart werden. Kehler plädiert dafür, bei der Energiewende den Blick nicht allein auf den Stromsektor zu richten, sondern »die Wärmewende als Schlüsselfaktor für die deutsche Klimapolitik« zu begreifen.

»Zwischen dem hohen Anspruch der Bundesregierung, die Modernisierungsquote bei Altanlagen zu verdoppeln, und der realen Marktentwicklung klaffen Welten«, so Manfred Greis, Präsident des BDH. »Es bedarf einer attraktiven Politik der Anreize besonders für private Investoren, um die für die Energiewende so wichtige Wärmewende in deutschen Häusern endlich umzusetzen.«

Eine weitere Studie zum Heizungsmarkt hat der Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) veröffentlicht. »Unsere Beispiel-Rechnung zeigt, dass ein großes, leicht erschließbares Potenzial zur CO2-Reduktion im Wärmesektor liegt«, sagt Hildegard Müller, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. Eine forcierte politische Förderung des Austausches alter Heizungsanlagen könne bis zu 20Mio.t CO2 einsparen. »Diese Quantifizierung ist vor allem vor dem Hintergrund aktueller Diskussionen und Anstrengungen zur CO2-Vermeidung wichtig.«

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass sich viele Ölheizungen einfach modernisieren ließen, da sie in Gebieten liegen, die bereits mit Erdgas oder Fernwärme versorgt werden. So könnten 2,5 Millionen Wohngebäude von Öl auf Erdgas und weitere 240.000 Wohngebäude von Öl auf Fernwärme umgestellt werden.

Möglichkeiten mit Erdgas und KWK

Die Studie zeigt darüber hinaus: Wird bei Heizungsmodernisierungen der Energieträger gewechselt, zeichnet sich aktuell ein Trend weg vom Öl, hin zum Erdgas ab. »Erdgas wird bei den Verbrauchern schon seit langer Zeit positiv wahrgenommen. Die Politik sollte diesen Trend nutzen und verstärken«, so Müller. »Der Energieverbrauch in Wohnungen kann etwa mit modernster Erdgas-Brennwert-Technik, oft in Kombination mit erneuerbaren Energien, effizient gesenkt werden.« Auch durch den Einsatz von dezentraler KWK könne eine Effizienzsteigerung im Heizungsmarkt erzielt werden.

Das langfristige Ziel einer weitgehend dekarbonisierten Energiewelt sei kein Menetekel für Erdgasanwendungen, ist sich Kehler sicher. Denn »langfristig stehen mit Power to Gas aus regenerativem Überschussstrom und der Brennstoffzelle innovative Techniken bereits heute zur Verfügung, die ein Teil der Lösung sind.« Mit bestehenden Infrastrukturen werde das deutsche Erdgasnetz so als wichtiges volkswirtschaftliches Asset auf dem Weg in eine grüne Energiezukunft wesentliche Beiträge leisten.

Erschienen in Ausgabe: 07/2015