Warnung vor Panikmache

Markt/Abfallverwertung

Ersatzbrennstoffe - Auf der Messe ›waste to energy‹ drehten sich die Diskussionen auch um vermeintliche Überkapazitäten.

09. Februar 2009

Im vergangenen Dezember haben rund 1.400 Interessierte die Messe ›waste to energy‹ in Bremen besucht. Nach Angaben des Veranstalters ist diese Zahl vergleichbar mit dem Jahr 2005, in dem die Veranstaltung ebenfalls im Dezember durchgeführt wurde. Einen besseren Zuspruch scheint die Messe im Sommer zu finden, denn im Mai 2007 fanden rund 1.800 Besucher den Weg in die Bremer Messehallen. Dies veranlasst die Messe Bremen den Winter-Termin neu zu überdenken und ggf. in den Sommer zu wechseln. Das wäre dann erstmals 2010 der Fall.

Gesprächsstoff gab es in Bremen genug. Im Branchenfokus stehen die drohenden Überkapazitäten bei Ersatzbrennstoff(EBS)-Kraftwerken und fehlende Abfallmengen für die Verbrennung. Das in der Energiewirtschaft tätige Trend- und Markforschungsinstitut trend:research warnt hier vor einer Panikmache. Spätestens im Jahre 2012 sei ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen den sich in Betrieb befindlichen EBS-Kraftwerken und Müllverbrennungsanlagen (MVA) und den verfügbaren Stoffmengen.

Laut anderen, vor Kurzem veröffentlichten Projektlisten wird es in naher Zukunft mindestens 33 EBS-Kraftwerke geben, die zu Überkapazitäten bei der Abfallverbrennung führen sollen. Damit wird bis 2010 eine Verbrennungskapazität von rund 27,4Mio.t prognostiziert. Davon entfallen 20,2Mio.t auf MVA und 5,1Mio.t auf EBS-Kraftwerke. Die Mitverbrennungskapazitäten in Zement- und Kohlekraftwerken soll bei 2,1Mio.t liegen.

Alle Projekte realisiert?

Dem würde ein angenommenes Abfallaufkommen von 24,2Mio.t gegenüberstehen, betont trend:research. Daraus resultieren Überkapazitäten von über drei Millionen Tonnen in den Verbrennungsanlagen. Die prognostizierten Überkapazitäten basieren auf der Realisierung aller Projekte, welche sich in Planung befinden. »Davon kann aber im derzeitigen Investitionsumfeld nicht ausgegangen werden«, so das Bremer Institut.

Ein weiterer Trend sind die im vergangenen halben Jahr extrem gefallenen Preise für Sekundärrohstoffe. Damit sieht trend:research die Wirtschaftlichkeit der Sortieranlagen in Deutschland gefährdet, eine Tendenz hin zu geringeren Aufbereitungstiefen werde sich somit beschleunigen.

Abfallverbrennung bleibt jedoch nicht nur nach Meinung des Bremer Instituts zumindest außerhalb Deutschlands ein Wachstumsmarkt, der in Europa durch die Umsetzung der europäischen Deponierichtlinie weiter bestärkt wird.

Ein wichtiger Markt wird Großbritannien werden. In keinem anderen Land der EU lagern pro Kopf mehr kommunale Abfälle auf Mülldeponien. Damit sich dies ändert und das Land den EU-Vorgaben nachkommt, sind rund 11,3Mrd.€ für den Bau von Recycling- und MV-Anlagen notwendig. Bis 2020 soll die Zahl der Mülldeponien von 1.200 auf 450 gesenkt werden. Nach den Einschätzungen von Experten macht dies den Bau von 50 MVA erforderlich.

Da der technologische Standard auf der Insel bislang eher niedrig ist, bietet dies gute Chancen für deutsche Unternehmen. Einer der Vorreiter ist die Region Englands East Midlands, unter anderem Sitz des neuen nationalen Energy Technology Instituts (ETI). East Midlands hält ab sofort für deutschsprachige Unternehmen, die nach Großbritannien expandieren wollen, mit dem VIP Fast-Track einen speziellen Service bereit.

Um hier Kontakte zu knüpfen, präsentierte sich die Region auch auf der ›waste to energy‹. »Wir hatten sehr gute Gespräche und viele Anfragen zum Marktpotenzial und zu Entwicklungstrends«, sagte Gesine Vespermann von Englands East Midlands.

Auch der Bremer Versorger swb nutzte die Messe, um seine Neuaufstellung im Bereich Entsorgung darzustellen. Ein Schwerpunkt des Auftritts der swb, die auch als Hauptsponsor der ›waste to energy‹ fungierte, lag auf dem neuen Mittelkalorik-Kraftwerk (Näheres dazu siehe >e Ausgabe 12/2008). Mitte Dezember begann swb Entsorgung den Brennstoffbunker des MKK zu befüllen. Damit habe man sogar noch vor dem Zeitplan von seinen Kunden die mittelkalorische Abfallfraktion annehmen können, teilt swb mit. Mit der energetischen Verwertung wurde fristgerecht Anfang 2009 begonnen.

Auch die Stadt Frankfurt modernisiert derzeit ihre Abfallverwertung. Seit 2003 wird die Abfallverbrennungsanlage (AVA) Nordweststadt zu einem modernen Müllheizkraftwerk umgebaut. Zwei der vier Verbrennungslinien sind bereits erneuert. Bis Ende 2009 kommen zwei weitere Kessel hinzu. Die Anlagenplaner Dr. Born-Dr. Ermel GmbH präsentierten in Bremen die effizienzsteigernde Wirkung eines neuen zweistufigen Rauchgasreinigungsverfahrens, das bei der AVA-Modernisierung erstmals großtechnisch zum Einsatz kommt. (mn) <

Erschienen in Ausgabe: 1-2/2009