Was lange währt, ist von Zukunft

Beschaffung Die steigende Energienachfrage macht Erdgas zum kostbaren Gut. Die kurzen Transportwege rücken Norwegen als Importeur für Deutschland in die Pole-Position.

31. Oktober 2007

Das salzige Meerwasser und der unbarmherzige Wind lassen die Stahlkonstruktion im Feld 2/4/2 in der Nordsee rosten. Doch der braune Belag auf der Erdgas- und Erdölplattform Ekofisk, 300 km vor der südnorwegischen Küste, hat seine Berechtigung, bedenkt man, dass es sich um die mit 30 Jahren älteste und erste ihrer Art in der Erdgasgeschichte des norwegischen Königreiches handelt. Ebenso wenig leugnen lässt sich, dass das Ekofiskfeld aktuell 400.000 Barrel Rohöl pro Tag fördert und durch die 440 km lange ›Norpipe‹ Erd- gas mit einer Kapazität von 44,4 Mio. m3 nach Deutschland strömen lässt.

Für den norwegischen Betreiber Conoco Phillips bedeutet Ekofisk eine Wertschöpfung, die bereits bis 2002 mehr als 1.000 Mrd. norwegische Kronen (entspricht etwa 130 Mrd. €) betrug. Für E.on Ruhrgas, die mit 17,1 Mrd. m3 Erdgasbezug aus Norwegen größter deutscher Abnehmer des kostbaren fossilen Brennstoffes ist, gilt Ekofisk dagegen als wichtiger Mosaikstein in den Lieferbeziehungen zu Norwegen. Eine Liaison, die der Vorstandvorsitzende des Essener Konzerns, Dr. Burckhard Bergmann, als »Eckpfeiler für Europas Energieversorgung mit Zukunftspotenzial« ansieht.

Die Bedeutung langfristiger Lieferbeziehungen erläutert das E.on-Ruhrgas-Vorstandsmitglied Dr. Jochen Weise: »Eine importabhängige Region wie die EU kann sich nicht allein auf das kurzfristige Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage stützen.« Der Erdgasanteil an der Primärenergieversorgung nehme zudem enorm zu.

»Die europäische Erdgaswirtschaft wird bis 2020 zusätzliche Importmengen in Höhe von rund 200 Mrd. m3 mobilisieren müssen, um die Versorgung zu sichern«, so Weise. Die USA frage dagegen im gleichen Zeitraum rund 100 Mrd. m3 nach, Südostasien sogar 200 Mrd. m3. Langfristige Verträge mit dem »verlässlichen und belastbaren« Partner Norwegen seien laut Weise eine Möglichkeit, dieser sich zuspitzenden Nachfragekonkurrenz Herr zu werden. Zudem ergäbe sich die »Pole- Position« Norwegens gegenüber anderen führenden Produzentenländern aus den geringsten Transportwegen nach Deutschland. Insgesamt gehen derzeit drei Unterwasserpipelines von den norwegischen Erdgas- und Erdölfeldern Ekofisk und Draupner S/E sowie von der Verarbeitungsanlage Kårstø ans deutsche Festland nach Emden und Dornum

Eigenes Operatorship

Doch neben den Verträgen gibt es einen weiteren Lösungsweg, den das Unternehmen anstrebt. Es will selbst in die Erdgasproduktion auf dem norwegischen Schelf einsteigen. Im Januar 2007 erteilte das norwegische Energieministerium der Konzerntochter E.on Ruhrgas Norge drei Lizenzen in der Norwegischen See und der nördlichen Norwegischen Nordsee. Die Anteile der jeweiligen Lizenzen liegen zwischen 30 und 50 %. Weise ist zuversichtlich, dass weitere Lizenzen folgen werden, da es als Operator - zu diesem hat sich E.on Anfang 2007 qualifiziert - leichter ist, bei der Vergabe berücksichtigt zu werden. An Ausschreibungen von Förderlizenzen will sich das Unternehmen, so Weise, weiterhin beteiligen. Insbesondere in der britischen und Norwegischen Nordsee.

Zur Unterstützung dieser Wachstumspläne baut er unterdessen seinen Exploration & Production-Bereich in der südnorwegischen Hafenstadt Stavanger aus. Unter den Mitarbeitern der Tochter E.on Ruhrgas Norge sind Geophysiker und Lagerstättenkundler, die in den letzten vier Jahren die Expertise zum Bau und Betrieb von Offshore-Anlagen erarbeitet haben. Die Zusammenarbeit mit der AGR Drilling Production Technology AS - einer hunderprozentigen Tochter der Ability Group ASA - gewährleiste zudem das Know-how im Bereich Bohrtechnik und Evaluierung im Tiefenstrukturbereich.

Das Licht am Horizont, auf das all die Aktivitäten des Konzerns zusteuern, ist dessen Ziel, schrittweise eine Gasposition aus eigener Förderung aufzubauen. »Zukünftig wollen wir 15 bis 20 Prozent des Gasbedarfs aus eigener Produktion absichern«, so Weise über die Konzernstrategie. Der Weg dorthin ist gepflastert: Neben seinem 30-prozentigen Anteil an dem Njord-Feld, dessen Produktion im Oktober 2007 begann, hat E.on in diesem Jahr 28 % an den Erdgasfeldern Skarv und Idun von Shell erworben.

Die Finanzspritze des verstärkten Upstream-Engagements ist Teil der 60 Mrd. € schweren Investitionsoffensive von E.on, die im Mai 2007 startete. Ein neues Ass hat E.on infolgedessen auf den Tisch gelegt: In einem Konsortium beteiligt sich die Tochter E.on Ruhrgas zu 31,15 % an dem Bau eines Anlandeterminals für verflüssigtes Trockenerdgas - dem LNG - auf der kroatischen Insel Krk. Die 3 Mrd. €, die die E.on AG innerhalb ihrer Investitionsoffensive explizit für die eigene Gasförderung und das LNG-Geschäft bereitstellt, ermöglichen es.

Als Hindernis für die Energieversorgung sieht E.on Ruhrgas demnach weniger das Nachfrage- Angebots-Spiel auf dem Erdgasmarkt, als vielmehr die Pläne der Europäischen Kommission, die Transportnetze von den Energieuntnternehmen eigentumsrechtlich zu trennen und zukünftig in die Handelsmärkte einzugreifen. »Die Erdgasressourcen werden von wenigen mächtigen, meist staatlichen Produzenten kontrolliert «, so Bergmann. Das Ownership Unbundling verhindere eine Verhandlung mit diesen auf Augenhöhe, was jedoch eine Grundkondition für eine wettbewerbsfähige Energieversorgung sei. (ds)

www.eon-ruhrgas.de

Erschienen in Ausgabe: 11/2007