Was macht der Wind?

Netzbetrieb – Über 70 Partner arbeiten seit zwei Jahren im Windnode-Projekt zusammen. Im Fokus: Netzstabilität bei 65 Prozent Ökostromanteil. Jetzt zogen die Beteiligten eine Zwischenbilanz.

13. Mai 2019
Was   macht der Wind?

Der Ertrag der Stromerzeugung aus Sonne und Wind hängt vom Wetter ab und schwankt dementsprechend stark. Die Windnode-Projektregion Nordostdeutschland ist als Reallabor für diese Frage besonders geeignet, denn hier stammen schon heute deutlich über 56 Prozent des verbrauchten Stroms aus erneuerbaren Energien.

Modell für intelligente Netze

Nach der Hälfte der Projektlaufzeit präsentierten nun in Zwickau die Expertinnen und Experten ihre Erkenntnisse. »Einhellige Überzeugung: Nach 24 Monaten Grundlagen- und Entwicklungsarbeit ist nun eine Zeit der Ernte angebrochen, zahlreiche Teilprojekte haben spannende Ergebnisse vorzuweisen«, heißt es in einer Mitteilung.

Mirko Bodach, Leiter der Professur Elektrische Energietechnik/Regenerative Energie an der Westsächsischen Hochschule Zwickau: »Wir sind besonders stolz, dass wir in dem Projekt ein im Reallabor verifiziertes Modell für zukünftige, intelligente Niederspannungsnetze mit flexiblen Energiespeichern liefern und damit gemeinsam im Netzwerk den Weg zu einer All-electric-Society ebnen.«

Marktplatz für Energiedaten

Unter anderem haben die 70 Projektpartner bisher dies erreicht: Fraunhofer Fokus arbeitet an einem Marktplatz für Energiedaten. Zur Vernetzung im digitalisierten Energiesystem bedarf es moderner IKT-Infrastrukturen.

Fraunhofer Fokus übernimmt hierbei den Entwurf, die Umsetzung und den Pilotbetrieb einer Energiedaten- und Energiediensteplattform. Den Windnode-Partnern werden technische Bausteine bereitgestellt, die auf offenen Standards basieren. Damit wird den Akteuren ein interoperabler und sicherer Datenaustausch bei geringen Integrationskosten ermöglicht.

Nach fast zweijähriger Entwicklungsarbeit ist Ende 2018 die Windnode-Flexibilitätsplattform der Netzbetreiber 50 Hertz, Stromnetz Berlin, Wemag, Enso und E.dis erfolgreich in den Testbetrieb gestartet. Die Plattform soll helfen, Erzeugung und Verbrauch erneuerbaren Stroms besser in Einklang zu bringen und so zu verhindern, dass erneuerbare Anlagen bei überlasteten Stromnetzen abgeschaltet werden müssen.

IBAR Systemtechnik hat gemeinsam mit der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg und der KWG Heizkraftwerksgesellschaft Cottbus mbH ein Kommunales Energiemanagementsystem (Kems) entwickelt. Sein Ziel ist es, Energieerzeugung und Verbrauch intelligent miteinander zu vernetzen und dazu innovative Netztechnologien und -betriebskonzepte einzusetzen.

Das Leitsystem ermöglicht es Stadtwerken, bisher ungenutzte erneuerbare Energien effektiv zu verwerten. Das Kems erfasst und visualisiert dafür verschiedene Messwerte und Energienetze für Wärme, Strom und Gas.

Digitalisierung der Energiewende

Stromnetz Berlin setzt digitale Kommunikations- und Messgerätetechnik im städtischen Niederspannungsnetz ein, um eine optimierte Netz- und Betriebsführung zu ermöglichen: Für die Digitalisierung der Energiewende werden die Energieflüsse und -mengen am Netzanschluss des Kunden per Zähler gemessen. Dieser Zähler ist zusammen mit einem Smart Meter Gateway als intelligentem Messsystem in ein Kommunikationsnetz eingebunden. »Dabei übertragen die intelligenten Messsysteme die Energiedaten des Kunden zu relevanten Marktpartnern wie Netzbetreibern und Energievertrieb«, so die Windnode-Projektkommunikation in einer Mitteilung. Lidl und Kaufland haben Schaufensterfilialen eröffnet, in denen gewerbliche Flexibilitätspotenziale gezeigt werden. Durch Flexibilisierung der Anlagen, zum Beispiel zur Kühlung von Lebensmitteln, wird der Stromverbrauch bei hoher erneuerbarer Energieerzeugung verlagert oder zwischengespeichert. Die Idee dahinter: verfügbaren Strom aus regenerativen Quellen nutzen und auf konventionelle Energieträger verzichten.

Wir liefern ein im Reallabor verifiziertes Modell für künftige, intelligente Netze.

— Prof. Mirko Bodach Hochschule Zwickau

Industrielle Kältespeicher

Das Institut für Luft- und Kältetechnik Dresden (ILK) entwickelt und demonstriert eine neuartige Kältespeicherung für industrielle Kälteanlagen. Damit wird es möglich, auch große Kältemengen effizient zu speichern. So kann die Kälte immer dann erzeugt werden, wenn Sonne und Wind genügend Strom liefern. Der Demonstrator für den innovativen Flüssigeisspeicher wurde auf der E-world in Essen präsentiert. Menschen und Maschinen nutzen Strom angepasst an schwankende Wind- und Sonnenkraft: Für diese Vision hat die Gasag Solution Plus am Europäischen Energieforum, kurz Euref, eine landesweit einzigartige Power-to-Heat/Power-to-Cold-Anlage in ein bestehendes Versorgungssystem integriert. Sie verwandelt überschüssigen Strom aus Wind- und Sonnenkraft in Wärme und Kälte – intelligent, vollautomatisch und wirtschaftlich. Siemens hat ein Analyse- und Bewertungstool für Lastdaten aus unterschiedlichen Fach- und Industriebereichen entwickelt und konnte so ein Lastverschiebepotenzial von 20 MW identifizieren. »Weit mehr als ursprünglich erwartet«, so die Windnode-Projektkommunikation. Nun soll für individuelle Anlagen ein Produktionsplan erstellt werden.

Quartierversorgung

Die Westsächsische Hochschule Zwickau demonstriert gemeinsam mit der Zwickauer Energieversorgung und dem Senertec Center Sachsen die Energiewende in einem intelligenten Niederspannungsnetz im Quartier Marienthal. Mit Energiespeichern, Smart Metern, Smart Buildings, Elektromobilität sowie intelligenten Verbrauchern soll die Flexibilisierung von Erzeugern und Endverbrauchern erreicht werden.

Schaufenster intelligente Energie

Windnode ist Teil des Förderprogramms Schaufenster intelligente Energie – Digitale Agenda für die Energiewende, kurz Sinteg, des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. hd

Erschienen in Ausgabe: 03/2019
Seite: 40 bis 41