Wasser statt Öl

Ölfreie Druckluft für Hamburger Halbleiterwerk

Rund acht bis zehn Jahre Entwicklungsvorsprung attestiert Anwender Frank Reetze den Schraubenverdichtern der GVM Compressors GmbH. Er sieht die Anlagen durch ihre sichere und wirtschaftliche Betriebsweise als Ersatz für öleingespritzte und trockenlaufende Schraubenkompressoren.

04. Februar 2003

Vier wassereingespritzte und -geschmierte Schraubenkompressoren von GVM Compressors GmbH in Crimmitschau, einer Tochter der TCI AG, Leipzig, erzeugen bei Philips Semiconductors in Hamburg-Lokstedt seit Frühjahr 2001 rund um die Uhr ölfreie Druckluft nach Pneurop 6611/1, Klasse 1. Alle Anlagen (Typ CWS 250-10 PW, Motorstärke je 300 kW, Liefermenge je 2400 Nm³/h) wurden für einen bedarfsabhängigen Betrieb mit Frequenzumrichtern ausgerüstet. Nach sorgfältiger Analyse, die auch trockenlaufende Schraubenkompressoren und Anlagen mit Öleinspritzkühlung einschloss, entschied sich Geschäftsführer Frank Reetze von der HEW Contract Betriebsgesellschaft Lokstedt mbH für GVM-Technologie. Er billigt ihr einen Entwicklungsvorsprung von mindestens acht bis zehn Jahren zu und sieht die Anlagen durch ihre sichere und wirtschaftliche Betriebsweise (bis zu 20 % weniger Energie durch nahezu isotherme Verdichtung) schon als Ersatz für öleingespritzte und trockenlaufende Schraubenverdichter.

Das Unternehmen GVM ging 1985 aus der KCS Verdichtertechnik hervor und bietet nach über zehnjähriger Entwicklung Anlagen mit Höchstdrücken 8, 10 und 13 barü (Liefermengen von 0,49 bis 40 m³/min) an. In den GVM-Verdichterstufen mit den patentierten Polymerkeramik-Rotoren treibt der Hauptläufer den Nebenläufer an. Das erstmalig am Hauptläufer angegossene Axiallager hat durch die minimale Lagerbelastung von nur etwa. 0,3 N/mm² (Enddruck 10 barü) eine nahezu endlose Lebensdauer.

Die Anlagen werden an eine Trinkwasserleitung angeschlossen. Das Kreislaufwasser wird durch das interne Ion-Clean-System permanent aufbereitet, überwacht und geregelt. Das Kreislaufwasser übernimmt die Schmierung der axialen und radialen Gleitlager und des Zahneingriffs, die Kühlung und die Spaltabdichtung. Durch den offenen Zirkulationskreislauf können die Anlagen in allen Klimazonen problemlos eingesetzt werden. Die geregelte interne Wasseraufbereitung gewährleistet immer eine Leitfähigkeit zwischen 10 und 20 µS bei 23 °C. Die hochwertige Polarisationseinrichtung arbeitet ohne Fremdenergie. Die aufgeladenen Ionen nehmen außerdem im Wasserkreislauf befindliche Ionen anderer Polarität auf. Ein hochwirksamer Partikelfilter trägt maßgeblich zur hohen Betriebssicherheit aller GVM-Anlagen bei, wie der Anbieter versichert. Die aus dem Wasserkreislauf entfernten Partikel werden auch bei Druck- und Systemschwankungen in der Matrix festgehalten.

Die schallgedämmten einstufigen GVM-Schraubenverdichter werden mit allen Steuerungs-, Überwachungs- und Kühleinrichtungen betriebsbereit geliefert. Bei kleineren Anlagen erfolgt der Antrieb über Schmalkeilriemen, bei Anlagen ab 30 kW über eine elastische Kupplung direkt auf den Hauptläufer der Kompressorstufe. Wasser- und Gassystem werden mit nichtrostenden Materialien verbunden. Ein großzügig dimensionierter Kühler im Wasserkreislauf begrenzt die Temperaturerhöhung während der Verdichtung bei luftgekühlten Anlagen auf nur etwa 14 °C, bei wassergekühlten Anlagen auf nur 5 bis 10 °C über der Temperatur des Kühlmediums.

Alle GVM-Anlagen werden serienmäßig über eine Volllast-Leerlauf-Regelung mit Entlastung gefahren. Ein Ansaugregler ermöglicht den entlasteten Anlauf und vermeidet Stromspitzen durch einen betriebswirtschaftlich günstigen Startvorgang. Alle wichtigen Betriebszustände werden kontinuierlich erfasst und angezeigt. Ein Überwachungs- und Sicherheitssystem mit Abschaltfunktion kontrolliert alle wichtigen Anlagenparameter, ein Druckdifferenzalarm mit Abschaltung sichert das System ab.

Erschienen in Ausgabe: 08/2002