Theben gilt als vierter SMGW-Anbieter, der die BSI-Zertifizierung erlangen wird. Was bedeutet die Corona-Pandemie für den Prozess?

Wir erleben durch Corona eine teilweise stark veränderte Situation in unserer täglichen Arbeit. Am stärksten zeigt sich die Veränderung innerhalb der Kommunikation zu unseren Partnern, Lieferanten und Kunden. Die geplanten persönlichen Treffen für Abstimmungen von verschiedenen technischen und auch kommerziellen Sachverhalten wurden teilweise ersatzlos gestrichen oder unbestimmt verschoben. So bleiben Fragen unbeantwortet, Arbeitspakete können nicht weiterverfolgt werden oder verschieben sich nach hinten.

In der Zusammenarbeit mit dem BSI zeigt sich für uns ein anderes Bild. Hier haben wir nach Bekanntwerden der Pandemie sehr schnell festgestellt, dass sich alle Parteien um eine möglichst reibungslose Weiterführung der Verfahren, Tests, Bewertungen und Berichte bemühen. Unsererseits wurde die Arbeit noch stärker digitalisiert als zuvor. Dies hatte vor allem bei den Vorbereitungen von Web-Abstimmungen mit dem BSI und TÜV iT Nord ihre Auswirkung. Wir mussten uns noch stärker als zuvor auf eine gute und verständliche Beschreibung der Sachinhalte bemühen, da in der Vergangenheit die übliche persönliche Übergabe von Unterlagen, verbunden mit einem gemeinsamen Workshop, nicht stattfinden konnte. Hier können wir sicherlich von einem deutlichen Mehraufwand sprechen, der sich aber auf der anderen Seite wieder durch eine schnellere Abarbeitung bei den Prüfern teilweise kompensiert.

Ruht die Zusammenarbeit mit dem BSI?

Auf diese Frage können wir nur mit einem klaren Nein antworten: Warum sollte die Zusammenarbeit mit dem BSI ruhen – im Gegenteil. Wir sind nach wie vor sehr eng in den Abstimmungen mit dem BSI zum eigenen Verfahren und auch innerhalb der Weiterentwicklung von zukünftigen Funktionen und Konzepten in der sicheren Kommunikationsinfrastruktur. Die für die erste Jahreshälfte 2020 geplanten Workshops zu den Task Forces Smart Sub-Metering, Smart Grid und Smart Mobility wurden mit einem leichten Verzug auf Web-Konferenzen umgestellt.

Auch wurde seitens des BSI der Branche eine längere Kommentierungsfrist zu den verschiedenen Fragestellungen innerhalb der Themenlandschaft der SMGW-Kommunikationsinfrastruktur eingeräumt. Dies ermöglicht uns und der gesamten Branche eine sorgfältige Vorbereitung und Fragestellung zu den verschiedenen Inhalten, die es für eine wirtschaftliche, leistungsfähige und sichere Kommunikationsinfrastruktur zu überlegen gibt. Die Web-Konferenzen, an denen ich persönlich bisher teilgenommen habe, laufen sehr strukturiert und auch diszipliniert ab, verfolgen klare Zielstellungen und bringen auch entsprechend fundierte Ergebnisse hervor. Dennoch muss ich sagen, dass der persönliche Austausch m.E. durch nichts zu ersetzen ist.

Wie muss man sich die Zusammenarbeit auf dem Weg zur Zertifizierung grundsätzlich vorstellen? In welchem Ausmaß sind Präsenztermine notwendig? Wie weit kann man elektronisch kommunizieren?

Unsere und sicherlich auch andere Verfahren haben gewisse Arbeitsphasen, in denen wir als Hersteller für die vorgegebenen Arbeitsergebnisse sorgen. Innerhalb dieser Phasen finden regelmäßige Abstimmungen zwischen unserem Prüfer, TÜV iT Nord sowie dem BSI statt. Meist sind diese Abstimmungen als Telefon oder Web-Konferenz geplant und es besteht kein Unterschied, ob ein Covid-19 Virus durchs Land „marschiert“ oder nicht. Sicherlich schwieriger ist die Situation beim Übergang in neue Phasen, wie z.B. in die finale Prüfungsphase. Hier gestaltet sich die Übergabe von Geräten, Testequipment und weiteren Aufbauten sicherlich schwieriger. Durch die klare Bereitschaft aller beteiligten Stellen, das Verfahren nicht unnötig zu verzögern, sondern weiter erfolgreich nach vorne zur treiben, wirken sich die Erschwernisse durch die Pandemie aber eher unwesentlich aus.

Was bedeutet das für den Zeitpunkt der Zertifikatserteilung für Conexa? Bislang hatte es geheißen, im Frühjahr 2020 dürfte es soweit sein. Wie sehen die Planungen aus heutiger Perspektive aus?

Wenn wir heute noch kein Zertifikat in den Händen halten, liegt das hauptsächlich an unseren eigenen Entscheidungen in der Endphase des Zertifizierungsverfahrens. Wir haben unseren Partnern und Kunden auf der Eworld im Februar als Zielstellung das zweite Quartal dieses Jahres weitergegeben. Diese Zielstellung hat bei uns nach wie vor Bestand und wird mit aller Kraft verfolgt. Auch wir sind optimistisch, dieses Ziel erreichen zu können. Wir haben bereits Anfang des Jahres alle zwingend notwendigen Workshops mit dem BSI erfolgreich absolviert, die Arbeit an der Dokumentation abgeschlossen und sind seither im Pre-Testing und Testing unserer Conexa 3.0 Performance beim TÜV iT. Die Phase des Pre-Testing mit dem TÜV iT diente dazu, die Testszenarien kennenzulernen, abzusichern und die finale Testphase möglichst kurz und erfolgreich zu gestalten. Unsere klare Ausrichtung besteht darin, dem Energiemarkt ein gutes und performantes Gerät und ein ebenso zukunftssicheres Smart Meter Gateway zur Verfügung zu stellen.

Und wenn wir bei Theben dabei der Meinung sind, dass wir uns noch eine Testrunde „gönnen“ sollten, um dies abzusichern, dann entscheiden wir entsprechend. Nach unserer Ansicht nützt es schlussendlich niemandem etwas, wenn wir 4 Wochen früher am Markt sind und die Geräteleistung nicht unseren Ansprüchen und denen des Marktes entspricht. Ich kann aber auch sagen, dass wir heute bei allen Parteien in sehr zuversichtliche Gesichter blicken, die uns immer wieder in dieser Richtung bestätigen.

Sie dürften mit vielen Messstellenbetreibern in Kontakt stehen und das Meinungsbild im Markt kennen. Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf den Rollout intelligenter Messsysteme? Shutdown? Wer profitiert, wer verliert? Rollout-Zeitplan einhaltbar?

Durch unsere intensive Marktbearbeitung mit über 100 deutschlandweiten Feldprojekten bei Stadtwerken und Versorgern der vergangenen Jahren stehen wir im intensiven Austausch mit der Branche. Grundsätzlich anzumerken ist auch in diesem Kontext „Es gibt nicht nur eine Wahrheit“. Der eine oder andere Partner zieht sich in sein Schneckenhäuschen zurück und ist froh, dass die Digitalisierung der Energiewende vermeintlich noch ein bisschen auf sich warten lässt. Doch diese Einstellung ist nach unserer Ansicht trügerisch. Wir sind davon überzeugt, dass das Gegenteil der Fall ist. Gerade derart schwierige äußere Umstände zeigen uns auf, wie dringend wir etwas tun müssen, um zukünftig besser gerüstet zu sein. Covid-19 hat uns die Grenzen des realen Lebens deutlich aufgezeigt. Wir kommen nur weiter, wenn wir die digitalen Tools einsetzen und ausbauen. Mit dieser Meinung sind wir nicht allein. Wir erleben bei führenden Partnern innerhalb der Branche eine erhöhte Aktivität mit der klaren Ausrichtung, die Krise für sich zu nutzen, gestärkt und gut positioniert aus ihr hervorzugehen. Diese Unternehmen wissen, in jeder Krise steckt eine Chance. Auch für uns bei Theben gilt diese Zielstellung und wir arbeiten sehr hart daran. Die heute gesetzten politischen Ziele halten wir für wenig ambitioniert und sehen keinen Grund, warum die gesteckten Ziele wie beispielsweise 10% der Pflichteinbaufälle innerhalb von 3 Jahren nicht erreicht werden sollen. Im Gegenteil, wir nutzen diese Zeit, um gut abgestimmt und bereit den Wiederanlauf begleiten zu können.

Wie kommt Theben insgesamt mit der Corona-Krise zurecht? Welchen speziellen Belastungen ist Theben aktuell ausgesetzt? Produzieren Sie weiter? Welche organisatorischen Maßnahmen haben Sie getroffen? Wie sieht es auf der Absatzseite aus?

Unser Hauptgeschäft liegt im Bereich der Gebäudeautomation, welcher im Inland noch recht schwach von der Corona Krise betroffen ist. Somit blicken wir auf ein erstes Quartal, das den Erwartungen gemäß erfolgreich, mit einer hohen Auslastung der Produktion verlief. Die weitere Zukunft lässt sich sehr schwer bewerten oder voraussagen. Es ist alles dabei, von Sorge und Enttäuschung bis zu Zuversicht und Freude. Auch uns wird die Krise treffen oder hat es bereits in Teilen getan. Unser Auslandsgeschäft in Italien und Frankreich ist weitgehend zum Erliegen gekommen, auch in Spanien und Großbritannien gestaltet sich der Markt zunehmend schwierig. Für uns gilt weiterhin, besonnenen Mutes voranzuschreiten. Es kommt uns zugute, dass wir in der Einführung unserer Smart Meter Gateways gut vorbereitet und geplant agieren.

Aktuell profitieren wir auch stark von unserem Fertigungsstandort in Deutschland, von dem aus wir produzieren und ausliefern. Unsere Materialbeschaffung besteht aus langfristigen Verträgen und Partnerschaften, daher verfügen wir aktuell über ausreichende Mengen an Bauteilen und können lieferfähig bleiben. Gefreut haben uns natürlich die vielen tausend Vorbestellungen verschiedener Großhändler. Ein intelligentes und flexibles Fertigungskonzept sorgt für ausreichend Puffer, um aufkommende Schwankungen im Absatz besser abzufedern.