Wem nützt das liberalisierte Messwesen?

Eine Frage noch...

... Christoph Germer

12. Dezember 2008

Glaubt man der Begründung zum Gesetzentwurf, haben alle Marktteilnehmer Nutzen davon. Die Netzbetreiber können mit intelligenten Netzen die Kosten für den Netzbetrieb senken, Lieferanten können ihren Kunden intelligente Produkte anbieten, die Kunden sparen Energie und die Hersteller intelligenter Messgeräte können ihre Produkte verkaufen. Doch hält sich die Freude über die Neuregelung sehr in Grenzen. Bei den Energieversorgern bestehen sogar erhebliche Vorbehalte. Sie befürchten, dass durch die Schaffung neuer Schnittstellen Mehrkosten entstehen, die nicht an die Kunden weitergereicht werden können. Auch die Pflicht, künftig auf Wunsch des Kunden unterjährige Rechnungen erteilen zu müssen, führe zu mehr Aufwand und höheren Kosten. Durch den Verlust ihrer Datenhoheit sehen sie die Sicherheit und Verlässlichkeit der Abrechnungsprozesse gefährdet.

Datenschützer befürchten, dass Smart Metering zu gläsernen Kunden führt. So erhielt ein Anbieter intelligenter Messtechnik im Oktober den Big-Brother-Award, einen Datenschutz-Negativpreis, der – so die Initiatoren – »an die eifrigsten Datensammler und Überwachungsbefürworter aus Wirtschaft und Politik« vergeben wird. Begründung für die Auszeichnung: In der Ankündigung des Anbieters sei von Datenschutz überhaupt keine Rede. Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes hatte auch der Bundesrat.

Schließlich sind auch die Anbieter mit der Regelung nicht ganz glücklich. Sie bemängeln vor allem, die zu großen Einflussmöglichkeiten der Netzbetreiber. So darf er etwa Datenformate vorgeben. Bei mehreren hundert Netzbetreibern müssen sich Messstellenbetreiber dann mit ebenso vielen technischen Detaillösungen herumschlagen. Fest steht: Versorgungsnetze müssen intelligenter werden. Das soll mit der Liberalisierung in Gang kommen. Ob es gelingt, werden wir sehen, denn völlig offen ist, ob die Kunden die Segnungen der neuen Technik überhaupt annehmen.

germer@fps-law.de

Erschienen in Ausgabe: 12/2008