Wenn die Basis stimmt

Messsysteme Auf der E-world 2019 stellte Sagemcom erstmals den Basiszähler Siconia Smarty BZ vor. In seiner Funktion als Produktmanager war Jan-Marvin Keilig mitverantwortlich für den Entwicklungsprozess. Im Interview gibt er Einblicke in Funktionalität und anwenderfreundliche Features.

13. Mai 2019
Wenn  die  Basis stimmt
(Bild: Sagemcom)

Herr Keilig, neben Smart Meter Gateways bietet Sagemcom jetzt in Deutschland auch einen SLP-Basiszähler an, den Siconia Smarty BZ. Was zeichnet das Produkt aus?

Der Siconia Smarty BZ ist ein Basiszähler in 3-Punkt-Bauform zur Anbindung an ein Smart Meter Gateway und wurde auf Grundlage der aktuellen FNN-Lastenhefte für digitale Stromzähler entwickelt – mit Ein- oder optional Doppeltarifregistern. Zu den wesentlichen Funktionen zählen das datenschutzkonforme und manipulationssichere Messen des Stromverbrauchs beziehungsweise der Einspeisung sowie die Möglichkeit des Letztverbrauchers, sich über seinen aktuellen Stromverbrauch in Echtzeit zu informieren.

Der elektronische Haushaltszähler ist mit zusätzlichen RLM-Funktionalitäten ausgestattet. Aufgrund der Energiewende wird der Anteil erneuerbar erzeugter Energie beispielsweise durch Photovoltaik- oder Windenergieanlagen weiter steigen. Daher bietet sich der Zähler unter anderem für Einspeiser als Einrichtungszähler mit Rücklaufsperre oder Zweirichtungszähler, der bezogene und eingespeiste Strommengen getrennt erfassen kann, an. Ein weiteres Feature ist das direktmessende Shunt-Messwerk. Es sichert den Zähler gegen magnetische Beeinflussung von außen.

Darüber hinaus bietet der Basiszähler weitere Funktionalitäten, die über die FNN-Anforderungen hinausgehen. So können beispielsweise nach Aktivierung der Funktion zukünftig komfortabel Firmware-Updates aus der Ferne über ein angeschlossenes Smart Meter Gateway (SMGw), wie das in der CC-Zertifizierung befindliche Siconia Smarty IQ, auf den intelligenten SLP-Zähler eingespielt werden. Bei Bedarf können zusätzlich nicht-abrechnungsrelevante RLM-Messwerte ausgelesen und netzdienliche Grid-Funktionen aktiviert werden.

Vereinzelt haben wettbewerbliche Messstellenbetreiber mit dem Rollout intelligenter Messsysteme begonnen. Grundzuständige Messstellenbetreiber warten ab, bis drei BSI-zertifizierte Gateways auf dem Markt sind. Erschwert Ihnen das die Geräteproduktion und das Aufbauen von Lagerbeständen, um lange Lieferzeiten zu vermeiden?

Unser intelligentes Messsystem (iMSys) ist eine Kombination aus dem lokalen „Made in Germany“-SMGw Siconia Smarty IQ sowie dem international entwickelten und gefertigten Basiszähler Siconia Smarty BZ. Mit mehr als 18 Millionen installierten intelligenten Zählern weltweit verfügt Sagemcom über ein umfassendes Know-how in den Bereichen der Entwicklung, Produktion sowie auch der Auslieferung von Smart Metern.

Über den globalen Beschaffungsmarkt können Bauteile jederzeit schnell und kosteneffizient eingekauft werden, wodurch unsere Basiszähler-Produktion in Tunesien und unsere SMGw-Fertigungsstätte in Rostock sehr flexibel aufgestellt sind.

Nichtsdestotrotz stellt das Vorhalten von Bauteilen und -gruppen in jeder Produktionsstätte, zum Beispiel aufgrund von Lagerhaltungskosten oder extrem langen Komponentenlieferzeiten, eine Herausforderung dar.

Da der Verbau intelligenter Messsysteme letztendlich politisch motiviert ist, der Smart-Meter-Rollout aufgrund der fehlenden SMGw-Markterklärung jedoch weiter auf sich warten lässt, fällt es vielen Stadtwerken und EVU nicht leicht, iMSys zu projektieren. Durch den Siconia Smarty BZ können wir unseren Kunden hingegen ein großes Stück Planungssicherheit geben, da der Basiszähler sofort einsetzbar ist und mit dem Startschuss zum Smart-Meter-Rollout die Funktion einer mME übernehmen kann.

Der Smart-Meter-Rollout biete für viele kommunale Versorger auch Chancen zum Markteintritt bei Submetering und Mehrspartenauslesung, sagen Experten. Spielte das eine Rolle bei Ihrer Entwicklung des neuen Zählers?

Dreh- und Angelpunkt rund um die Themen Submetering und Mehrspartenauslesung in der Immobilie ist unser Smart Meter Gateway Siconia Smarty IQ, das als Kommunikationseinheit im iMSys bereits jetzt über wireless M-Bus und die LMN-Schnittstelle spartenübergreifend Zählerdaten unterschiedlicher Hersteller von Strom- und Gaszählern aufsammeln kann.

Sie werben damit, dass der neue Zähler bei Bedarf unter anderem mit Grid-Funktionen wie Spannung und Frequenz geliefert wird. Für welche Zielgruppe und welchen Anwendungsfall ist das gedacht?

Die Grid-Funktionalität richtet sich vor allem an Netzbetreiber, die mithilfe des Basiszählers die Netzfrequenz und Spannung netzdienlich überwachen wollen. Das Monitoring endet nicht mehr an der Trafostation auf der Mittelspannungsebene, sondern Verbraucher und Einspeiser lassen sich mithilfe des Siconia Smarty BZ bis auf die Niederspannungsebene erfassen.

Auf Grundlage der gewonnenen Werte kann zum Beispiel die Lastsituation in einem Quartier optimal bemessen und die Stromnetzplanung bedarfsgerecht und wirtschaftlich optimal angepasst werden. hd

VITA

Jan-Marvin Keilig

In seiner Funktion als Produktmanager für den FNN-konformen Basiszähler der Sagemcom Dr. Neuhaus GmbH verantwortet Jan-Marvin Keilig kontinuierlich dessen Entwicklungsprozess bis hin zur Marktreife für deutsche EVU.

Als Teil des Produktmanagement-Teams befasst er sich – vom Basiszähler bis zum Smart Meter Gateway – aktiv mit allen Produkten rund um das intelligente Messsystem und treibt so technische Innovationen für die Energiewende maßgeblich voran.

Erschienen in Ausgabe: 03/2019