Breitband

Wer das Netz hat, hat die Macht

Vodafone will sein Kabelnetz für O2 öffnen, um die Zustimmung der EU-Kommission zur Übernahme von Unitymedia zu erreichen. Verbände warnen vor den Folgen.

17. Mai 2019
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(Bild: BillionPhotos.com – stock.adobe.com)

Die deutsche Wohnungswirtschaft warnt bei der geplanten Übernahme von Unitymedia durch Vodafone vor einer deutlichen Verminderung des Wettbewerbs und höheren Kosten für Verbraucher bei TV, Internet und Telefonie, so der Gesamtverband der Wohnungswirtschaft (GdW). »Die EU-Kommission hat gegenüber den Fusionsbeteiligten zu Recht unter anderem in den Bereichen Glasfaserausbau, Internet und Telefonie sowie TV-Signallieferung an Mehrfamilienhäuser (MDU-Markt) massive Wettbewerbsbedenken geäußert«, so Verbandspräsident Axel Gedaschko. »Die aktuellen Zusagen von Vodafone ignorieren diese Hinweise weitgehend und sind ökonomisch wertlos.

Negative Folgen für den Wettbwerb

Die Vermarktungspartnerschaft zwischen Vodafone und Telefónica auf dem Vodafone-Netz wirke laut GdW nur positiv für die unmittelbar Beteiligten, aber nicht für Verbraucher und Wettbewerb. Würde der Zusammenschluss auf dieser Basis freigegeben, würde dies zu einer Verdrängung der übrigen Wettbewerber führen, so dass langfristig nur die Deutsche Telekom und Vodafone als Netzbetreiber übrig blieben, heißt es.

Besonders enttäuscht zeigt sich der GdW-Präsident, dass keine einzige Zusage die negativen Wettbewerbswirkungen der Fusion bei der TV-Signallieferung an Mehrfamilienhäuser adressiere. Hier drohe die Gefahr einer Monopolisierung des Kabelmarkts durch Vodafone.

Glasfaser-Ausbau

Nach Ansicht des Bundesverbandes Breitbandkommunikation (Breko) führe die Fusion zu negativen Effekten auf den Telekommunikationsmarkt, insbesondere auf den Ausbau von reinen Glasfaseranschlüssen (FTTB/FTTH-Netzen) in Deutschland.

»Bei einer gemeinsamen TK-Marktbeherrschung des künftigen Vodafone-Kabelnetzes inklusive Netzzugang von Telefónica und Deutscher Telekom verbleibt kaum mehr Potenzial für einen zukunftssicheren FTTB-/FTTH-Ausbau in diesen Gebieten«, so der Verband. Dies würde vor allem regional tätige Unternehmen gefährden, die den Glasfaserausbau in der Praxis vorantreiben.

»Glasfaser-Diaspora«?

Laut Breko würden 82 Prozent der heute verfügbaren, reinen Glasfaseranschlüsse von alternativen Netzbetreibern gestellt. »Für einen eigenwirtschaftlich realisierten, rentablen Glasfaserausbau bliebe somit praktisch kein Raum mehr. Die für Breitband-Internet ausgebauten Kabelgebiete würden so auf Jahre zur ›Glasfaser-Diaspora‹«, so der Verband.

Breko repräsentiert nach eigenen Angaben den Großteil der deutschen Festnetzwettbewerber. Die knapp 330 Mitgliedsunternehmen, darunter rund 190 City- und Regionalcarrier sowie Stadtwerke, versorgen sowohl Ballungsräume als auch ländliche Gebiete.