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Wer ist schuld am hohen Strompreis?

»EEG-Umlage sinkt zum zweiten Mal in Folge«, heißt es in einer Mitteilung des Bundeswirtschaftsministeriums. Billiger wird der Strom für Endverbraucher aber nicht. Über die Gründe streiten sich die Experten.

16. Oktober 2018
(Bild: Claudia Hautumm/Pixelio.de)

Nach Ansicht des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) verhindern hohe Strombeschaffungskosten sowie Steuern und Abgaben einer Senkung der Strompreise für Endverbraucher. »Durchschnittlich 54 Prozent der Strompreise bestehen aus Steuern, Abgaben und Umlagen«, sagte Stefan Kapferer, Vorsitzender der BDEW-Hauptgeschäftsführung in Berlin. Zahlten die Unternehmen laut BDEW für das Lieferjahr 2017 an der Energiebörse noch durchschnittlich 30 Euro für eine Megawattstunde Strom, mussten sie in diesem Jahr mehr als 50 Euro bezahlen.

Auch die Preise für die CO2-Zertifikate haben sich in den vergangenen 12 Monaten mehr als verdreifacht, so der Verband.

»Betrachtet man die Strompreisentwicklung der letzten zehn Jahre, ist eines auffällig: Profiteur ist der Bundesfinanzminister«, so Kapferer.

Nur noch gut 20 Prozent des Endkundenstrompreises sind von den Lieferanten direkt beeinflussbar. Um die Verbraucher zu entlasten fordert der Verband, die Stromsteuer auf das europarechtlich zulässige Minimum zu senken sowie die besondere Ausgleichsregelung für die Industrie bei der EEG-Umlage über Steuern zu finanzieren.

6,405 Cent pro kWh

Die EEG-Umlage für 2019 beträgt 6,405 Cent/kWh, ein Rückgang um 6 Prozent im Vergleich zu 2018. Aktuell liegt die EEG-Umlage bei 6,792 Cent/kWh.

Mit der EEG-Umlage wird der Ausbau der erneuerbaren Energien im Strommarkt gefördert. Im letzten Jahr wurde dadurch schon mehr als ein Drittel des deutschen Stromverbrauchs aus nachhaltigen Energiequellen erzeugt.

»In den letzten 5 Jahren konnte die EEG-Umlage stabilisiert werden«, so das Bundeswirtschaftsministerium (BMWI).

Demnach lag 2014 die EEG-Umlage nur unwesentlich niedriger bei 6,24 Cent/kWh. Gleichzeitig ist die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien seitdem um 50 Prozent gestiegen, so das BMWI.

Bundesminister Peter Altmaier: »Die Reformen der letzten Jahre greifen. Neu installierte Erneuerbare Energien brauchen immer weniger Förderung. Dadurch kann die EEG-Umlage zum zweiten Mal hintereinander sinken.«

Das sei für die Energiewende eine gute Nachricht, so Altmaier.

Ausbau 2019

Die Übertragungsnetzbetreiber rechnen laut BMWI 2019 mit einem weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien um knapp 6 GW. Dadurch nimmt die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien um 13 Milliarden Kilowattstunden oder umgerechnet 2 Prozent des deutschen Stromverbrauchs weiter zu.

Kritik an Netzentgelten

Nach Ansicht des Hamburger Ökostromanbieters Lichtblick zahlen Deutschlands Haushalte immer mehr Geld für das Stromnetz. Deshalb könne der Strompreis für Endverbraucher nicht gesenkt werden. Während die EEG-Umlage zur Finanzierung der Energiewende auf 6,405 Cent pro Kilowattstunde sinkt, steigen 2019 die Haushaltskosten für das Stromnetz auf durchschnittlich 8 Cent pro Kilowattstunde, so das Unternehmen.

»Grund dafür sind steigende Netzentgelte sowie die neue Offshore-Umlage, mit der Stromleitungen für Meeres-Windparks finanziert werden«, so Lichtblick.

Nach Unternehmensangaben zahlen Stromkunden jährlich mindestens 25 Milliarden Euro für Bau und Betrieb der Stromleitungen.

CO2-Preise für Verkehr und Wärme?

Nach Ansicht des Bundesverbandes neue Energiewirtschaft (BNE) zeigen die hohen Strombeschaffungskosten, wie ein CO2-Preissignal wirken kann.

»Das sollte Ansporn sein, die Klimaschädlichkeit fossiler Energieträger auch in den im Europäischen Emissionshandel fehlenden Sektoren Verkehr und Wärme einzupreisen«, so der Verband.

Eine Belastung der Energieträger entsprechend ihrer CO2-Emissionen hat eine Lenkungsfunktion und reizt Investitionen in klimafreundliche Lösungen an, heißt es in einer BNE-Mitteilung.

Auch der BNE kritisierte die hohe Belastung der Strompreise mit Steuern, Abgaben und Umlagen. Dies benachteilige Strom im Wettbewerb gegenüber anderen Energieträgern. »Das hemmt die Energiewende«, so der Verband.

Entgelt für Übertragungsnetze 2019

Da die Energiekosten derzeit generell sehr hoch sind, können Haushalte nur auf eine Reduzierung der Netzentgelte hoffen, um finanziell nicht zu stark belastet zu werden, sagen Experten.

Vorige Woche hatten die vier großen Netzbetreiber die Übertragungsnetzentgelte für 2019 veröffentlicht. 

»Bei den Gesamtpreisen zeigt sich bei den vorläufig bekannt gegebenen Preisen im Höchstspannungsbereich sowie in der Umspannung von Höchst- in Hochspannung ein insgesamt recht durchwachsenes Bild«, so eine Analyse des Dienstleisters Ene't.

Den Angaben zufolge haben Tennet, Amprion und 50 Hertz ihre Preise im Höchstspannungsbereich reduziert. »Bei Transnet BW hingegen lässt sich keine klare Aussage tätigen«, so Ene't. In der Umspannung haben alle Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) die Preise verringert, heißt es.

Ferner verringern die vier ÜNB ihren Arbeitspreis in der Höchstspannung bis 2.500 Benutzungsdauerstunden sowie den Leistungspreis für über 2.500 Benutzungsdauerstunden.

»Bei Tennet liegt die Reduzierung bei etwa 11 bis 13 Prozent, bei 50 Hertz zwischen 23 und 29 Prozent, bei TransnetBW zwischen 6 und 9 Prozent sowie bei Amprion zwischen 20 und 22 Prozent«, so Ene't.