Wer macht das Rennen?

Spezial

LNG - Erdgasfunde vor Ostafrikas Küste nähren die Hoffnung, in die führende Liga der LNG-Exporteure aufzusteigen. Tansania und Mosambik sind am Start.

11. September 2013

Wenn wir mit dem Gas ein Jahreseinkommen von einer Milliarde US-Dollar verdienen, dann können wir unser Land in ein Paradies verwandeln«, erklärte im Juli Tansanias Präsident Jakaya Kikwete und forderte Energieunternehmen auf, die Gaserschließung voranzutreiben.

Tansania schätzt seine gewinnbaren Erdgasvorräte auf etwa 1.200Mrd.m3 Gas. Beim Nachbarn Mosambik geht es geschätzt um mehr als 7.800Mrd.m3 Gas und über 3.600Mrd.m3 erschlossene Gasvorräte, heißt es im Endbericht zum Gas-Masterplan, den das US-amerikanische Beratungsunternehmen ICT International im Auftrag der mosambikanischen Regierung und Weltbank im Dezember 2012 vorgelegt hat. Federführend erschließen die US-amerikanische Ölcorporation Anadarko bei der Lagerstätte Area 1 und Italiens Gasversorger Eni beim Vorkommen Area 4 im Rovuma Basin vor der Küste Nordmosambiks Gas.

Tansania und Mosambik gelten in der Region als die aussichtsreichsten Kandidaten, um im globalen LNG-Handel künftig eine maßgebliche Rolle zu spielen. Durch Gasfunde erhöhen sich dort seit 2010 die Schätzungen über die gewinnbaren Vorkommen kontinuierlich. Sie erreichen inzwischen fast 5.000Mrd.m3 Gas, wobei zwei Drittel auf Mosambik entfallen. Damit sind beide Länder an den traditionellen westafrikanischen Gasproduzenten Nigeria nahe herangerückt, der 2012 laut BP World Energy Review auf dem afrikanischen Kontinent mit 5.200Mrd.m3 Gas über die meisten nachgewiesenen Gasreserven verfügte.

Insgesamt bezifferte die US-amerikansiche Karthografiebehörde USGS im letzten Jahr die noch unerschlossenen Gasvorkommen Ostafrikas auf rund 12.500Mrd.m3 Gas, was nahezu der Hälfte der heute nachgewiesenen Gasreserven ganz Afrikas entspricht.

Norwegens Statoil sucht vor der Küste Mosambiks nach Gas. Das Unternehmen ist zugleich als Betreiber von Block 2 in südlichen tansanischen Küstengewässern. Gemeinsam mit dem US-amerikanischen Partner Exxonmobil und Tansanias Ölentwicklungscoporation TPDC ist es seit Februar 2012 mehrmals fündig geworden. Statoils Vizepräsident Tim Dodson bezifferte aus Anlass des jüngsten Gasfundes im März das gewinnbare Volumen auf maximal 481Mrd.m3 Gas. Zusammen mit den Gasfunden der britischen BG Group erhöht sich das Volumen auf 764Mrd.m3 Gas. Beide Unternehmen arbeiten an Plänen für ein LNG-Werk.

Es braucht eine Einigung

Im Gespräch sind zwei Produktionslinien, deren Kosten schätzungsweise bei 14Mrd.US-$ liegen. Jedoch erwartet Dodson eine Investitionsentscheidung frühestens 2016. Die BG Group ist außerdem vor der kenianischen Küste aktiv. Wie seine Nachbarn will Kenia am Gasreichtum Anteil haben und prüft seine LNG-Optionen in Sachen Import und Export. In Mosambik sind Eni und Anadarko längst einen Schritt weiter. Im Dezember 2012 einigten sie sich, Prinzipien zur Erschließung ihrer Offshore-Vorkommen zu entwickeln und gemeinsam Anlagen zur Erdgasverflüssigung an Land zu planen und zu bauen.

Über dringende Aufgaben im Rovuma Basin sprach Arsenio Mabote vom National Petroleum Institute INP Presseberichten zufolge im schottischen Aberdeen auf einer Konferenz zum Öl- und Gasmarkt in Mosambik im Juli. Dementsprechend gelte es, die Anlagen zur LNG-Produktion zu errichten, Entwicklungsbohrungen niederzubringen, die Unterwasserarchitektur zu installieren und Liefervereinbarungen zu schließen. Dabei müssten Anadarko und Eni über die gemeinsame Nutzung der Gasreserven Einigung erzielen. Denn »die Funde, die die zwei Konsorten gemacht haben, sind wahrscheinlich miteinander verbunden«, so Mabote.

»Wir tun unser Bestes, um sicher zu stellen, dass die ersten Linien 2018 den Markt beliefern«, sagte in Aberdeen Mosambiks Präsident Armando Guebuza. Seine Ministerin für Mineralische Ressourcen Esperenca Bias erklärte, dass Experten erwarteten, dass die Entwicklung der Gasinfrastruktur mindestens 40Mrd.US-$ koste. Darin enthalten seien eine Werkskapazität von 20Mio.t LNG für den Export und ein lokaler Gasversorgungshub für den Inlandsbedarf und die Nachbarländer. Der Gas-Masterplan soll Investitionen anreizen, um in Mosambik Wohlstand zu mehren und so Geschichte in der Armutsbekämpfung zu schreiben, hob ergänzend Präsident Guebuza hervor. Die Regierung verfolge aktiv die Vision, Rohstoffressourcen zur treibenden Kraft für nachhaltigen sozialen Wandel und Industrialisierung zu machen.

Sowohl Tansania als auch Mosambik setzen große Hoffnungen auf LNG-Transporte nach Fernost. Dafür sprechen vergleichsweise geringe Produktionskosten und die Lage am indischen Ozean. »Ohne LNG findet die Offshore-Entwicklung nicht statt«, konstatieren die Experten von ICT International in ihrem Bericht. Langfristverträge mit zwanzigjähriger Laufzeit machten signifikante Investitionen möglich.

Schiffslieferungen seien bei Entfernungen über 3.000km günstiger als Transporte über Pipelines. Für die Verlegung von Pipelines an Land und Exporte in Nachbarländer sei dies zu berücksichtigen. Auf einem Treffen in Westmosambik diskutierten Eni-Chef Paolo Scaroni und Präsident Guebuza das Fortschreiten strategischer Projekte, teilte Eni mit.

Kraftwerksbau geplant

In diesem Rahmen informierte der italienische Gasversorger über das Steuerabkommen mit Mosambiks Behörden. Dieses sieht vor, dass Eni East Africa 28,57% seiner Anteile an die Nationale Chinesische Erdölgesellschaft CNPC zu 400Mio.US-$ verkauft. An Area 4 ist CNPC aktuell zu 20% beteiligt, während Eni seinen Mehrheitsanteil von einst 70 auf 50% verringert hat. Die Errichtung eines 75-MW-Kraftwerkes in der Nordprovinz Cabo Delgado und Wiederherstellungsmaßnahmen an der Küste zwischen Palma und Pemba sind darüber hinaus Gegenstand des Abkommens.

Zu den Big Five, die im Jahr 2025 die nächste Welle der globalen LNG-Lieferungen ausmachen, zählen die Berater von Wood Mckenzie die USA, Australien, Kanada, Russland und Ostafrika. Der Bedarf an LNG wird sich ihren Berechnungen nach in dieser Zeit auf knapp 450Mio.t LNG fast verdoppeln und eine Bedarfslücke von 160 Mio. Tonnen aufreißen.

Das Gas zur LNG-Produktion soll neben unkonventionellen und nachgewiesenen konventionellen Vorkommen auch aus der Erschließung neuer konventioneller Gasvorräte kommen, die in Ostafrika im Fokus stehen. Dass Mosambik und Tansania gegenüber Australien mit geringeren Produktionskosten für LNG punkten können, machen die ICT-Experten deutlich. Diese liegen noch unter 2.000US-$ pro produzierter Tonne LNG im Jahr und entsprechen den Produktionskosten auf der Insel Yamal an der Ostgrenze Russlands. In Australien erreichen sie im Vergleich dazu fallweise sogar das Doppelte.

Wie die Länder Ostafrikas letztlich das Verhältnis zwischen Export und Eigenversorgung ausgestalten, wird diskutiert. In Tansania sei es im Mai wegen einer geplanten Gaspipeline schon zu Unruhen gekommen, weil die ansässige Bevölkerung fürchte, an den Gasfrüchten keinen Anteil zu bekommen, berichteten Medien. Weil der Bau der nötigen Gasinfrastruktur im Land noch Jahre dauere, brauche Statoil »zwischen sieben und zehn Jahren, um mit der kommerziellen Produktion zu beginnen«, erklärte Kommunikationschefin Genevieve Kasanga in Dar es Salaam. Demzufolge wird Mosambik den Reigen ostafrikanischer LNG-Exporte aller Voraussicht nach eröffnen.

Josephine Bollinger-Kanne

Erschienen in Ausgabe: 07/2013