Wermutstropfen im Taxi-Alltag

Praxis

Eco-Taxen - bringen nicht nur Luftreinhaltung, sondern haben bei der Vermittlung von Fahrten handfeste Vorteile. Die Münchener Eco-Flotte - bislang sind es 139 vom ADAC zertifizierte Fahrzeuge - stützt sich großteils auf erdgasbetriebene Serienmodelle. Einige davon machen ihren Fahrern aber mitunter auch Sorgen.

29. November 2011

> CNG-Flotte Mit den Themen zukünftiger Mobilität in den Städten beschäftigen sich die IsarFunk-Taxizentrale und die angeschlossenen Taxiunternehmen ganz bewusst proaktiv: »Luftreinhaltung und Vermeidung klimaschädlicher Emissionen kommen auf unser Gewerbe unweigerlich zu, und es wäre falsch, abzuwarten, bis Gesetze und Vorschriften uns als Welle unvorbereitet überrollen«, sagt IsarFunk-Kundenbetreuer Jürgen Dinter.

Die Taxi-Zentrale hat deshalb das Konzept Eco-Taxi aus Wien und Zürich aufgegriffen und auch in München etabliert: Demnach können große Kunden entsprechend umweltfreundliche Taxen priorisieren. Das Städtische Klinikum München in der Thalkirchener Straße war hier Vorreiter. Weitere Kunden - darunter mehrere große Hotels - haben die Idee bereits aufgegriffen. Geht der Ruf eines solchen Kunden nach einem Taxi bei der Zentrale ein, wird diese Fahrt bevorzugt an ein zertifiziertes Eco-Taxi vergeben, sofern dessen Anfahrtsweg den Umweltvorteil nicht wieder auffrisst. »Für unsere Fahrer ist das ein handfester Vermittlungsvorteil«, so Dinter.

Neue Kunden können allerdings aktuell nicht in größerer Zahl aufgenommen werden. »Damit der gewünschte Effekt nicht verpufft und den betont auf Nachhaltigkeit achtenden Kunden tatsächlich so oft wie möglich ein Eco-Taxi zugewiesen werden kann, können wir die Kundenzahl nur so steigern, wie auch die Zahl der entsprechenden Taxen wächst.«

1/3 der IsarFunk-Flotte bereits Eco

Von den insgesamt 380 IsarFunk-Taxen – das sind etwas mehr als 10% aller in München lizensierten Taxen - gelten aktuell 95 als nachhaltig. 82 davon tragen das EcoTaxi-Zertifikat des ADAC. Anfangs hat IsarFunk selbst Regeln dafür aufgestellt, welche Werte und Forderungen ein EcoTaxi erfüllen muss. »Inzwischen haben wir das ADAC-Zertifikat für unsere Flotte übernommen.« Seither zählen beispielsweise die Mercedes-Modelle E200 CNG aus der älteren 211er-Baureihe nur noch befristet dazu, weil sie aufgrund ihres Fahrzeuggewichts selbst im Erdgas-Betrieb die vorgegebenen CO2-Werte überschreiten. Anerkannt sind dagegen das CNG-Modell der B-Klasse und die VW-Modelle Passat und Touran in der Erdgas-Version 1,4 TSI EcoFuel. Auch das Hybrid-Fahrzeug Toyota Prius erfüllt die ADAC-Anforderungen.

Sorgenkinder der Taxiunternehmer

Passat und Touran sind momentan allerdings die Sorgenkinder der Taxiunternehmer: Das neue 7-Gang-DSG-Getriebe, das in diesen Fahrzeugen verbaut wird, hält den rauen Taxibedingungen mit extrem vielen Schaltvorgängen im Dauerstadtverkehr nicht so lange stand, wie es notwendig wäre. Nach spätestens 60.000km gehen diese Getriebe meist kaputt. Die Jahresleistung eines zweischichtig eingesetzten Taxis liegt allerdings bei 100.000 km. Taxi-Unternehmer Gerd Wohlgemuth: »Solange die Fahrzeuge rollen, ist Erdgas für uns sehr interessant, denn die Treibstoffkosten liegen für den EcoFuel-Touran im Stadtverkehr bei rund acht Euro pro 100 Kilometer, während wir für einen Diesel-Touran 13,50 Euro rechnen müssen.« Hinzu kommen noch geringere Kfz-Steuern.

Nicht selten jedoch stehen montags acht seiner 50 Erdgasfahrzeuge in der Werkstatt – dies allerdings nicht ausschließlich wegen Getriebeproblemen. Doch Letztere sind hauptsächlich dafür verantwortlich, dass die Wirtschaftlichkeit der CNG-Fahrzeuge weit hinter ihren theoretischen Möglichkeiten bleibt. Von VW wurden zwar inzwischen zwei Leihfahrzeuge zur Verfügung gestellt. Doch das ist angesichts der Zahl der Ausfälle nur ein kleiner Trost. Zumal viele der ausgefallenen Fahrzeuge für deutlich mehr als nur einen Werktag außer Gefecht sind.

Im Verbund mit IsarFunk und erdgas mobil will sich der Taxiunternehmer jetzt mit VW an einen Tisch setzen und nach reellen Lösungsansätzen suchen. Wohlgemuth: »Wenn alles nichts hilft, schwenke ich auf japanische Hybrid-Modelle um.« Mit seinen fünf Prius hat der Unternehmer bislang beste Erfahrungen gemacht, auch wenn sie von den Fahrern nicht sonderlich geliebt werden. »Bis 120.000 Kilometer keine Reparaturen - dann waren erstmals neue Bremsbeläge fällig,« preist Wohlgemuth Gesamtqualität und Systemvorteile der Bremsenergie-Rückgewinnung. Auch der Treibstoffverbrauch kann sich sehen lassen: Mit 5,8l/100km fährt der Prius im Taxibetrieb mit weniger als 60% dessen, was für ein vergleichbares Diesel-Taxi angesetzt werden muss.

In Euro umgerechnet ist das allerdings immer noch mehr, als für Erdgas auf 100km ausgegeben werden muss. »Ohne Erdgas gäbe es unsere Eco-Flotte nicht«, stellt daher Jürgen Dinter fest. »Deshalb wäre es auch fatal, wenn die Entwicklung hin zu immer mehr Erdgas-Taxen abbricht und wir unseren Beitrag zur Luftreinhaltung mit diesem Instrument nicht mehr realisieren können - zumal die Zapfsäulen in und um München jetzt auf 100 Prozent Biomethan umgestellt wurden und Erdgas-Fahrzeuge damit rechnerisch nahezu CO2-neutral fahren.« Was die Nachhaltigkeit angeht, ist Erdgasmobilität damit mittlerweile gleichauf mit der Elektromobilität.

»Langfristig wird Letztere die Mobilität in den Städten - und damit auch das Taxigewerbe - prägen.« Davon ist Dinter noch mehr überzeugt, seit er den Mitsubishi i-MiEV, den IsarFunk zurzeit im Testbetrieb in München im Einsatz hat, selbst mehrere Tage gefahren ist. Richtig deutlich wurde ihm der Vorteil des unproblematischen und einfachen elektrischen Fahrens erst, als er wieder auf sein konventionelles Fahrzeug mit Verbrennungsmotor umstieg.

Langfristig mehr Elektromobilität

Stadtfahrten sind mit dem ersten Münchener Elektro-Taxi in den meisten Fahrgast-Situationen möglich und finden sogar begeisterte Kunden. »Nur weitere Strecken – etwa zum Flughafen - geben die i-MiEV-Taxler grundsätzlich an Kollegen ab, weil dafür die Reichweite des Fahrzeugs nicht genügt.«

Bis Batterietechnologie und Ladeinfrastruktur auch für Elektroautos umfassenden Taxibetrieb erlauben, ist die Erdgastechnologie nach Dinters Ansicht im Hinblick auf Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit die aktuell beste Lösung - sofern die Erdgasfahrzeuge den harten Taxieinsatz im Dauerbetrieb bestehen. In München hofft man deshalb, dass VW die Probleme der Taxiunternehmer ernst nimmt und zufriedenstellende Lösungen für die aktuelle Problematik anbieten kann. (vt)

Unter dem Strich

CNG ist die Basis dafür, dass das Taxigewerbe bei der Luftreinhaltung und Vermeidung klimaschädlicher Emissionen bereits heute nennenswert punkten kann. Die Vorteile des Erdgasfahrzeugs werden allerdings getrübt:

+30 - 50% geringere Treibstoffkosten

+Mit Biomethan über 90% weniger CO2

-Geringe Standfestigkeit von VW-Getrieben

Fazit: Es wäre fatal, wenn nur mittelbar mit Erdgas zusammenhängende Probleme das Aus für den sauberen Kraftstoff im Taxigewerbe bedeuten würden.

Erschienen in Ausgabe: 04/2011