Wertvoller Ersatzbrennstoff aus der Sortieranlage

Markt

Studie - Der europäische Markt für mechanisch-biologische Anlagen zur Abfallbehandlung hat merklich angezogen. In den letzten drei Jahren wurden in Europa rund 80 MBA neu in Betrieb genommen. Bis 2016 werden die europaweit installierten Behandlungskapazitäten auf 46Mio.t/a ansteigen.

24. April 2012

>Mechanisch-biologische Anlagen (MBA) gliedern Siedlungsabfälle in Bestandteilgruppen auf. So kann Ersatzbrennstoff hergestellt, enthaltene Materialien einer anderweitigen stofflichen Verwertung zugeführt, oder entsprechend der EU-Deponierichtlinie deponierfähiges Material erzeugt werden.

Die Entwicklung der MBA-Technologie wurde vor allem als Alternative zur Müllverbrennung vorangetrieben, denn zum einen ist der erzeugte Ersatzbrennstoff hochkalorisch, und damit begehrt, und zum anderen gehen stofflich anderweitig verwertbare und damit wertvolle Materialien nicht verloren.

MBA im Detail

Die mechanisch-biologische Abfallbehandlung unterscheidet sich stark von der Müllverbrennung. Abfälle werden nicht unsortiert verbrannt, sondern durch Behand-lungs- und Sortierschritte gezielt nach unterschiedlichen Abfallinhaltsstoffen aufbereitet. Anschließend können diese energetisch oder stofflich genutzt werden. Das hat eine Reihe von Vorteilen:

Reduzierung des Emissionspotenzials im Hinblick auf eine minimierte Gas- und Sickerwasserbildung bei anschließender Deponierung.

Optionale Gewinnung von Biogas durch Abfallvergärung.

Gewinnung weitgehend homogener und hochkalorischer Brennstoffe zur energetischen Nutzung als Industrieersatzbrennstoff, zum Beispiel nach biologischer Trocknung.

Aussortierung verwertbarer Materialien, wie Eisen- und Nichteisen-Metalle und zum Teil Kunststoffe zur stofflichen Verwertung.

Die MBA-Anlagentechnik bietet hohe Flexibilität bezüglich Technologieauswahl und kann optimal auf die Zusammensetzung der zu behandelnden Abfälle eingestellt werden. Zudem kann sie dezentral – also dort, wo die Abfälle entstehen – eingesetzt werden.

Entwicklung der MBA-Branche

Noch vor gut fünf Jahren schienen die Aussichten der MBA-Branche allerdings düster: Vor allem in Deutschland hatten viele der neu errichteten MBA technische Probleme. Einige Standorte, etwa Buchen oder Heilbronn, wurden sogar wenige Monate nach der Inbetriebnahme wieder stillgelegt. Die Akzeptanz für MBA sank rapide. 2006 gingen nur noch 12 Anlagen europaweit neu in Betrieb – stattdessen boomte die Müllverbrennung als dominantes Verfahren zur Abfallbehandlung.

Doch seit 2009 gingen in Europa pro Jahr mindesten 25 MBA neu in Betrieb – so viele wie nie zuvor. Derzeit sind europaweit rund 330 mechanisch-biologische Behandlungsanlagen in Betrieb. Sie können pro Jahr rund 34 Mio. t Siedlungsabfall behandeln.

Inzwischen sind sie also gefragt wie selten zuvor. Viele der ›Kinderkrankheiten‹ der MBA-Technologie wurden gelöst. Und noch immer profitiert die MBA-Branche von der EU-Deponierichtlinie, deren Umsetzung in vielen Ländern Europas nach wie vor unzureichend ist.

In einigen Ländern, etwa Frankreich oder Spanien, kommen MBA vor allem deshalb zum Zuge, da hier die Vorbehalte gegenüber der Müllverbrennung groß sind. In anderen Ländern, etwa Großbritannien, profitieren die MBA von der stark wachsenden Nachfrage nach Ersatzbrennstoffen (EBS). Zementwerke, Kohlekraftwerke oder eigens dafür errichtete EBS-Kraftwerke verbrennen sie vermehrt als Substitut für Primärenergieträger.

Aussichten des MBA-Marktes

Angesichts dieser Entwicklung hat ecoprog den Ist-Stand des europäischen Marktes für MBA im Detail analysiert und daraus Prognosen gezogen. Dabei wurden eigene Marktkenntnis und Expertise von öffentlichen Behörden, Verbänden und Betreibern in die Untersuchung mit eingebracht.

Bis 2016 wird die Anzahl der MBA demnach auf rund 450 ansteigen. Die Anlagenkapazitäten in Europa werden sich von derzeit 34Mio.t/a auf 46Mio.t/a erhöhen.

Die Multi-Client-Studie untersucht alle wesentlichen politischen, wirtschaftlichen, betrieblichen und technischen Trends des europäischen MBA-Marktes.

Konkret listet sie folgende Inhalte detailliert auf:

Ausführliche Hintergrundbetrachtung der Vor- und Nachteile, Technologie und Kosten der mechanisch-biologischen Behandlung inklusive aller politischen und wirtschaftlichen Trends des europäischen Marktes.

Eine Projektliste mit 126 derzeit geplanten oder diskutierten Anlagen.

Eine konkrete und länderscharfe Abgrenzung des aktuellen und zukünftigen Marktvolumens bis einschließlich 2015 auf Basis einer transparenten und nachvollziehbaren Methodik.

Eine Darstellung von rund 330 derzeit in Europa betriebener MBA, inklusive wesentlicher technischer Daten und Kontaktadressen, etwa zu Kapazität, Hersteller und Inbetriebnahme.

Eine Analyse und Darstellung der europaweit wichtigsten Betreiber und einschlägigen Anlagenbauer inklusive Marktanteile.

Erschienen in Ausgabe: 04/2012