Wettbewerbsblockade

Deutsche Strom AG fordert Offenlegung der Netznutzungsentgelte

Nach Jens Schack, dem Vorstand der DSA Deutsche Strom AG, sollen Preisvorteile durch die Liberalisierung den Verbrauchern zu Gute kommen, nicht den Netzbetreibern. Ehemalige Monopolisten hielten jedoch an ihrer früheren Alleinanbieterstellung fest.

16. November 2001

Die DSA Deutsche Strom AG will verstärkt gegen die bestehenden Wettbewerbsbehinderungen auf dem deutschen Strommarkt vorgehen, gab der Vorstand der DSA Deutsche Strom AG, Jens Schack, anlässlich des zweijährigen Bestehens des Hamburger Unternehmens bekannt. Kernmaßnahme werde die Aufforderung an die Netzbetreiber zur Offenlegung der Durchleitungsentgelte sein, um die gesetzlich vorgeschriebene Gleichbehandlung für alle Anbieter zu erreichen. Schack: „Wir brauchen dringend eine für alle Marktteilnehmer rechtsverbindliche Regelung für die Netznutzung, die jegliche Willkür ausschließt.“

Die Leistungsfähigkeit der Anfang August vom Bundeskartellamt als Wettbewerbshüter eingerichtete Beschlussabteilung reiche gegenwärtig nicht aus, um einen diskriminierungsfreien Netzzugang aller Stromanbieter kurzfristig zu gewährleisten. „Eine Hand voll Mitarbeiter im Kartellamt kann eben nur Einzelfällen nachgehen.“

Kritisch betrachtet der DSA Vorstand, der sich im Freien Energiedienstleister Verband (FEDV) engagiert und mit der Initiative Pro Wettbewerb kooperiert, auch die Task Force im Bundeswirtschaftsministerium (BMWi). Diese soll bei Beschwerden der neuen Anbieter gegenüber Stromkonzernen und Stadtwerken schlichten und praktische Probleme bei Stromwechseln lösen. Wie vom BMWi bestätigt, setze die Projektgruppe entsandte Angestellte der Altmonopolisten als Vermittler ein. „Das ist grotesk. Über die Verbändevereinbarung II bestimmen die Mächtigen der Strombranche, wie ein selbstregulierter Markt aussieht. Die hieraus entstehenden Probleme schlichten sie auch gleichzeitig selbst.“

Die VV II plus werde nach Ansicht des unabhängigen Stromanbieters nicht den fairen Wettbewerb fördern, da sie weder allgemeinverbindlich ist, noch die Interessen aller Stromanbieter berücksichtigt. Der Erlass einer Netzzugangsverordnung werde zwingend erforderlich, gegebenenfalls sogar das Einrichten einer Regulierungsinstanz. „Wettbewerbswidriges Verhalten muss sanktioniert werden können, Wechselgebühren beim Anbieterwechsel abgeschafft, die Gleichbehandlung aller Kunden bei der Rechnungsstellung sowie faires Kündigungs- und Bearbeitungsmanagement eingeführt werden. Und letztendlich müssen Netznutzungsentgelte, angemessen in Höhe und Struktur, durchgesetzt werden“, fordert Schack.

Bei einer Reduzierung der Durchleitungskosten könnten die privaten Stromkunden mehrere Milliarden Mark einsparen. Im Bereich der Gewerbe- und Industriekunden schwanken die Netznutzungsentgelte innerhalb Deutschlands laut einer Studie des Bundesverbandes der Energieabnehmer (VEA) e.V. sogar um bis zu 300 %. „Da können den Stromkunden berechtigte Zweifel an der Berechungsgrundlage bekommen“, erklärt Schack.

Neben der Erhöhung des politischen Drucks wird es Aufgabe der freien Anbieter sein, die Verbraucher über das Einsparungspotenzial hinaus über die unkomplizierte Möglichkeit des Stromanbieterwechsels zu informieren, Sicherheit zu gewährleisten und Mehrwertleistungen anzubieten. Unter dem Begriff des vernetzten Strommarketings bietet die DSA ihren Kunden daher ein Gesamtpaket rund um die Immobilie. Dazu gehören Telekommunikationslösungen, Finanzierungsangebote, Versicherungen und in Kürze auch Multi-Utility-Angebote.

Erschienen in Ausgabe: 10/2001