White Label mit Köpfchen

Vertrieb – Immer mehr Dienstleister entwickeln White-Label-Produkte für Stadtwerke und Energieversorger. Hier drei interessante Angebote im Detail.

25. März 2019
White Label mit Köpfchen
(Bild: Wuppertaler Stadtwerke)

Mit dem Tal.Markt 2.0 beginnt für den Energievertrieb in Deutschland eine neue Ära«, sagt Ulrich Jaeger, Geschäftsführer bei den WSW Wuppertaler Stadtwerken. Ein Jahr nach Einführung des europaweit ersten Grünstromvertriebes auf Blockchainbasis, dem Wuppertaler Tal.Markt, wird die Plattform durch ein bundesweites Partnernetzwerk für innovative Produkte genutzt. Die Weiterentwicklung der Plattform, die unter der Marke Blockwerke firmiert, wird gemeinsam mit vorerst drei kommunalen Partnern vorangetrieben: der Bremer Swb, der EVH aus Halle/Saale und der SWT aus Trier.

Plattform auf Blockchain-Basis

Laut WSW kann jeder Partner auf Basis der in Wuppertal entwickelten Plattform eigene Geschäftsmodelle aufbauen, oder auch den Tal.Markt für den eigenen Markt als White-Label-Produkt mit lokalen Grünstromproduzenten nutzen. Die Plattform stellt ergänzend einen zentralen Marktplatz für Produzenten dar. »Praktisch bedeutet das, dass jeder auf Blockwerke registrierter Produzent auf alle angeschlossenen Märkten liefern kann«, heißt es in einer WSW-Mitteilung. Die Wuppertaler Stadtwerke selbst haben ihr Blockchainprodukt Tal.Markt ausdifferenziert. Ab sofort können Kunden nicht nur in Wuppertal, sondern bundesweit ihren Strom von regionalen Ökostromproduzenten beziehen.

Individuelle Ausgestaltung

Und das auch ohne Smart Meter, sondern mit jedem zugelassenen Stromzähler. Dazu wird die individuelle Grünstrombestellung mit dem Standardlastprofil abgeglichen.

Der Tal.Markt Live mit der Installation eines Smart Meters wird ab 1. April über die Stadtgrenzen Wuppertals hinaus ausgerollt, kündigte WSW Anfang Februar an. Tal.Markt Live steht im ersten Schritt über drei Millionen Haushalten an Rhein und Ruhr zur Verfügung, so WSW.

»Hier matchen wir den Verbrauch des Kunden und seine Strombestellung am Anfang mit seinem individuellen Stromlastgang und sorgen so für optimale Prognose und Belieferung der Kunden aus Anlagen Ihrer Wahl«, erläutert Jaeger.

Auf dem Tal.Markt können seit 1. Januar 2018 Kunden aus Wuppertal ihren Strom bei lokalen Ökostromanbietern, wie dem Bürgerwindrad Cronenberg oder Großflächen-PV-Anlagen an der Autobahn A46, erwerben und ihren Energiemix selbst zusammenstellen. Jede Transaktion wird über die Blockchaintechnologie fälschungssicher ausgeführt. Um den individuellen Stromverbrauch optimal mit dem angebotenen Ökostrom zu decken, werden bei allen Kunden intelligente Stromzähler installiert.

Energiemanagement

Seit März ergänzt das vom EnBW-Startup Energybase entwickelte Energiemanagementsystem das Portfolio der White-Label-Plattform V-Link. V-Link ist eine End-to-End-Service-Plattform für Energiedienstleistungen und gehört zu Vattenfall. V-Link und Energybase arbeiten künftig Hand in Hand, heißt es in einer gemeinsamen Unternehmensmitteilung. Das Ziel der Zusammenarbeit: Energieversorger und Stadtwerke noch besser bei der Umsetzung eigener Energielösungsprodukte zu unterstützen. Dafür wird das White-Label-Portfolio von V-Link um das intelligente Energiemanagementsystem von Energybase erweitert.

Anlagenteile vernetzen

»Es vernetzt Photovoltaikanlagen, Energiespeicher sowie Wärmeerzeugung und Ladelösungen für Elektroautos im Haus des Kunden clever miteinander und hilft so dabei, den Eigenverbrauch auf bis zu 80 Prozent zu steigern«, heißt es in der Mitteilung. »Damit die einzelnen Energielösungen perfekt ineinandergreifen, braucht es ein intelligentes Energiemanagementsystem. Deshalb freuen wir uns, mit Energybase einen Partner gefunden zu haben, der dieses komplexe Zusammenspiel sowohl technisch als auch aus Kundensicht perfekt beherrscht«, erklärt Markus Reinhardt, Geschäftsführer der Vattenfall Smarter Living GmbH. Der Name für das neue Produkt steht bereits fest: Energybase.premium. Es ist nach Unternehmensangaben bereits deutschlandweit verfügbar.

Assistance-Leistungen

In Belgien sind sie seit Jahren Teil der Geschäftsbeziehung zwischen Versorger und Kunde: Assistance-Leistungen. Jetzt will Axa Partners diese Leistungen auch auf dem deutschen Markt etablieren. Das Unternehmen ist ein unabhängiger Teil der Axa-Gruppe. Bei Assistance-Leistungen handelt es sich um die Absicherung nicht-monetärer Dienstleistungen wie einem Sicherheitsdienst oder Reparaturservice, die in Notfall- und Alltagssituationen greift, heißt es in einer Mitteilung von Axa Partners. Das Unternehmen bietet solche Lösungen zugeschnitten auf die Bedürfnisse von Energieversorgern an.

Was zählt für Konsumenten?

Verbraucher schätzen bei ihrem Energieversorger neben dem Preis vor allem Vertrauen und Service. Das ergab eine Konsumentenbefragung im Auftrag von Axa Partners. »Assistance Lösungen im Zusammenhang mit Energieversorgern sind bei den Befragten noch weitgehend unbekannt, aber 30 Prozent würden einen Mehrpreis dafür bezahlen«, so das Unternehmen. Die Zahlungsbereitschaft liegt laut Axa Partners im Bereich von 1 bis 20 Euro.

Die Ergebnisse zeigen auch: Assistance-Lösungen, also sofortige, unmittelbare und nicht-monetäre Versicherungsleistungen, sind unter Endverbrauchern noch weitgehend unbekannt.

Guido Dust von Axa Partners sagt: »Wir sehen deutlich, dass Assistance noch unter dem Radar ist – die jeweiligen Produkte sind jedoch leicht verständlich und stoßen auf großes Interesse bei Endverbrauchern.« hd

Erschienen in Ausgabe: 02/2019
Seite: 44 bis 45