Wie geht es weiter nach der Schrumpfkur?

Solarstrom

Weniger Subvention, mehr Marktfähigkeit: Die Vorzeichen für die Erneuerbaren haben sich geändert. Für die PV-Branche heißt das, neue Schwerpunkte zu setzen. Zum Beispiel indem sie zusätzlich zum Geschäft mit Neuanlagen als Projektierer und Errichter auftritt. EVU können sich die Entwicklung zunutze machen.

26. Mai 2014

In absoluten Zahlen ist die Trendwende beim Ausbau der Photovoltaik in Deutschland am besten darstellbar: Im ersten Quartal 2014 wurden nach Angaben der BNetzA bundesweit Anlagen mit einer Maximalleistung von rund 460 MW installiert. Das waren cira 41 % weniger als in den ersten drei Monaten des Vorjahres. Damals gingen Anlagen mit einer Kapazität von 776 MW ans Netz.

Grund dafür ist vor allem die monatliche Degression der Einspeisevergütung gemäß EEG, die sich an den rasant gesunkenen Preisen für PV-Module orientiert. In Kombination mit weltweiten Überkapazitäten haben diese drei Faktoren die PV-Branche seit Anfang 2012 sehr zu schaffen gemacht. In Deutschland mussten dutzende Firmen Insolvenz anmelden und aus dem Markt ausscheiden. Tausende Arbeitsplätze gingen verloren. Der deutsche PV-Markt schrumpfte auf einen Bruchteil seines einstigen Volumens zusammen.

nach der marktbereinigung

Aber diese Entwicklung hatte nicht nur negative Folgen. Im Vergleich zum Bezug von Netzstrom ist die Solarstromherstellung in Verbindung mit Eigenverbrauch attraktiver denn je.

Für Solarenergie ist im Entwurf des neuen EEG ein jährlicher Zubau von 2,5 GW brutto vorgesehen. Bis spätestens 2017 soll die Förderhöhe für Neuanlagen durch Ausschreibung ermittelt werden. Dazu gibt es zunächst ein Pilotprojekt mit PV-Freiflächenanlagen. Ein Erfahrungsbericht zu Ausschreibungen soll dem Bundestag bis zum 30. Juni 2016 vorgelegt werden.

Zudem sollen Betreiber neuer Anlagen den Ökostrom zu 100 % direkt vermarkten, wobei die größeren Anlagen zuerst drankommen. Bei installierten Leistungen ab 500 kW soll es an diesem 1. August soweit sein, ab 250 kW vom 1. Januar 2016 an und ab 100 kW vom 1. Januar 2017 an.

Im Gesetzesentwurf des EEG wurde eine Vergütung von rund 9,23 Cent pro kWh für Aufdach- und Freiflächenanlagen bis 10 MW festgelegt; dies gilt vorbehaltlich des tatsächlichen Zubaus in diesem Jahr sowie der damit verbundenen Degression. Die BNetzA prüft regelmäßig den Zubau und veranlasst je nach der Höhe der neu installierten Kapazitäten eine monatliche Reduzierung der Vergütung mit dem Ziel, dass der geplante Zubau pro Jahr in der Praxis auch tatsächlich eingehalten wird.

EEG-Neuregelungen ab August

Die Regelungen gelten voraussichtlich ab dem 1. August. Dann soll das neue EEG in Kraft treten. »Die Novelle des EEG«, so heißt in dem Anfang April vom Bundeskabinett verabschiedeten Gesetzesentwurf, «soll den notwendigen Rahmen schaffen, um den Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung – als Zwischenziel auf dem Weg zu einer umfassenden Transformation der Energieversorgung – bis zum Jahr 2025 auf 40 bis 45 Prozent und bis 2035 auf 55 bis 60 Prozent zu steigern.«

Der Ausbau der Erneuerbaren geht weiter, aber die Vorzeichen werden geändert: Mehr Marktwirtschaft, weniger staatliche Förderung, heißt nun die Maxime. Mehr Klasse statt Masse. Intelligente Lösung statt großvolumiges Geschäft.

Das gilt besonders für die PV-Branche und die Betreiber von Solarstromanlagen. Ein Beispiel, wie man es machen kann, zeigt N-ergie aus Nürnberg. Das EVU bietet Privathaushalten in seinem Netzgebiet PV-Anlagen bis 10 kWp für den Eigenverbrauch zum Kauf oder zur Miete an.

Angebot für Eigenverbrauch

Parallel wird ein eigenes PV-Selbstverbrauchsmodell für Gewerbe- und Industriekunden angeboten. »Hier ist weniger die Betriebsgröße entscheidend, als viel mehr das Lastprofil des Kunden und entsprechend dann der mögliche Selbstverbrauchsanteil«, sagt Silke Hatzold von N-ergie. Voraussetzung für das Angebot ist, dass eine entsprechende Dach- oder Freifläche auf dem Grundstück des Interessenten zur Verfügung steht.

Bei der Option Kauf zahlt der Kunde den kompletten Kaufpreis, danach erfolgt die Installation der Anlage durch das EVU.

Bei der Option Miete installiert das Unternehmen erst die Anlage; sobald der benötigte Zweienergierichtungszähler gesetzt ist, erfolgt dann die monatliche Abbuchung der Miete per Lastschrift vom Konto des Kunden, so Hatzold.

PV Wahlweise mieten oder kaufen

»Kunden sollen die Möglichkeit bekommen, die Energiewende vor Ort voranzutreiben ohne selber in eine PV-Anlage investieren zu müssen. Außerdem nutzen wir das Mietmodell als Mittel zur Kundenbindung.«

In der monatlichen Miete sind bereits eine Wartung im 2-Jahres-Rhythmus sowie sämtliche Reparaturen im Schadensfall inbegriffen.

Für Kunden im Netzgebiet übernimmt das EVU außerdem die einmaligen Kosten für die Umrüstung des Zählers. Im Vergleich zum Kauf ist das Mietmodell etwas teurer, da N-ergie die Finanzierung der Anlage sowie Wartung und sämtliche Reparaturen übernimmt.

Das Angebot gibt es seit dem vorigen Juni und kommt sehr gut an. Fast 1.400 Interessenten haben sich bereits in einem speziellen Online-Konfigurator registriert; seit einiger Zeit gebe es wöchentlich über 1.000 Portalbesuche, so Hatzold. Insbesondere das Mietmodell mit Rundum-Sorglos-Paket treffe auf großes Interesse.

»Ursprünglich sind wir von mehr Käufen als Mieten ausgegangen, da Kauf rein ökonomisch betrachtet attraktiver ist. Interessanterweise mieten Kunden aber häufiger als zu kaufen. Das heißt, unser Rundum-Sorglos-Paket im Mietmodell und der damit verbundenen sehr hohen Planungssicherheit kommt bei den Kunden sehr gut an.«

Markt im wandel

Bislang haben große kommunale EVU in der Regel in PV-Flächenparks investiert. Nach Angaben des VKU haben kommunale EVU bundesweit Anlagen mit mindestens 374 MW in Betrieb. Nun wird das PV-Geschäft zusehends kleinteiliger und umfasst künftig noch mehr als bislang die Direktvermarktung von Solarstrom aus der Region im Rahmen virtueller Kraftwerke; auch der Verkauf und die Installation von PV-Anlagen gehört künftig dazu.

»Wir befinden uns in einer sich immer schneller drehenden Spirale, in der jedes realisierte Selbstverbrauchsmodell dazu führt, dass die spezifischen Infrastrukturkosten für die im System verbleibenden Kunden teurer werden«, sagt Silke Hatzold. Damit steigt der Anreiz für einen Wechsel in Selbstverbrauchsmodelle.

Solche Angebote können das Engagement gerade kommunaler EVU im Bereich PV erweitern. Die Investition in Freiflächenanlagen erfordert mehr Kapitalaufwand und wird dadurch auch in Zukunft stark von den aktuellen EEG-Regelungen abhängen.

Wie geht es weiter mit freiflächen?

Das geplante Ausschreibungsverfahren für erneuerbare Energien ist laut VKU ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, um die erneuerbaren Energien, auch die Photovoltaik, in den Markt zu integrieren.

»Vor dem Hintergrund, dass große Freiflächenkraftwerke über zehn Megawatt derzeit nicht vergütet werden, macht die aktuelle Entwicklung die Investition in PV-Freiflächenanlagen sicherlich wieder attraktiver«, sagt VKU-Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Reck. Allerdings bleibe abzuwarten, wie das Ausschreibungsmodell konkret gestaltet wird, so Reck.

Im Pilotverfahren für PV-Freiflächenkraftwerke müssen zunächst Erfahrungen mit dem Ausschreibungsmodell gesammelt werden. Unabhängig davon zeichnet sich ab, dass die Zeit der großen PV-Parks mit 50 MWp und mehr in Deutschland, die ausschließlich ins Netz speisen, vorbei ist.

Viele Unternehmen aus der PV-Branche haben sich bereits darauf eingestellt und entsprechend neu ausgerichtet. Zu Beginn des Jahres gab beispielsweise IBC Solar eine strategische Neuausrichtung bekannt, die auf eine deutliche Stärkung des internationalen Projektgeschäfts abzielt.

»Aktuell sehen wir die größten Chancen für PV-Projekte im Megawatt-Maßstab außerhalb Europas, beispielsweise in Chile, Japan, Indien oder UK«, sagt Unternehmenssprecherin Iris Meyer. Neben der Tätigkeit als Großhandelshaus ist das Unternehmen laut Meyer bereits seit über zehn Jahren international im Projektgeschäft tätig.

»Hier projektieren wir einerseits selbst und sind andererseits als Dienstleister für EPC tätig. In Deutschland waren und sind wir in beiden Bereichen aktiv, seit 2013 jedoch verstärkt als EPC-Dienstleister.« Im Frühjahr realisierte das Unternehmen für die Stadtwerke Trier eine Freiflächenanlage mit 5,7 MWp im Landkreis Trier-Saarburg. (hd)

Monatliche degression der einspeisevergütung bis Juli

Die Vergütungssätze für PV-Anlagen sinken seit dem 1. Mai bis zum 1. Juli 2014 jeweils zum Monatsersten um ein Prozent. Dies gab die Bundesnetzagentur Ende April bekannt.

»Die Zubauzahlen der vergangenen zwölf Monate liegen mit etwa 3.000 MW erneut innerhalb des gesetzlich festgelegten Zubaukorridors von 2.500 MW bis 3.500 MW«, sagte Jochen Homann, BNetzA-Präsident.

»Dies war im letzten Berechnungszeitraum mit 3.300 MW erstmals seit der Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes im Jahr 2012 der Fall.

« Bereits im vergangenen Jahr ist der monatliche Zubau von PV-Anlagen kontinuierlich gesunken. »Diese Entwicklung hat sich nun fortgesetzt. Die von der Bundesnetzagentur in den letzten Jahren berechneten Degressionen der Vergütung führten somit zu einem stetigen und vom Gesetzgeber gewünschten Zubau, was wir sehr begrüßen«, so Homann weiter.

Für die Berechnung der Degression bilden die vergangenen zwölf Monate die Datengrundlage. Ein Vergleich des Zubaus des ersten Quartals dieses Jahres (460 MW) mit dem gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres (776 MW) ergab eine Abnahme um ungefähr 41 %.

Diese Entwicklung ist hauptsächlich auf die stetige Absenkung der Vergütung zurückzuführen.

Erschienen in Ausgabe: 05/2014