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Personal - Gemeinsam dem Fachkräftemangel begegnen: N-ergie aus Nürnberg hat das Demografieprojekt ›Zukunft.Zeit.Zusammenarbeit‹ initiiert. Aber wie geht das genau?

25. April 2017

Zwischen 2020 und 2030 werden bei der N-ergie bis zu 120 Mitarbeiter jährlich in den Ruhestand gehen. Das bedeutet, dass zahlreiche Wissensträger – in Schlüsselfunktionen wie beispielsweise in der Leitwarte des Kraftwerks oder im Netzbereich – das Unternehmen verlassen werden.

Ab 2020 wird es ernst

Und mit ihnen drohen die Kompetenzen, die für den weiteren Erfolg des Unternehmens wichtig sind, für immer zu verschwinden.

Die Hälfte der frei werdenden Positionen erfordert eine abgeschlossene Berufsausbildung, 20 Prozent eine Meister- beziehungsweise Technikerqualifikation und 30 Prozent ein Studium.

Gleichzeitig verschärft sich in den nächsten Jahren der Wettbewerb um junge, qualifizierte Fachkräfte weiter. Hinzu kommt, dass bei der N-ergie bis 2018 kaum freie Positionen zu besetzen sind. »Um diese Lücken gut zu überbrücken und um unabhängiger von der externen Beschaffungssituation zu werden, ist es für uns sehr wichtig, frühzeitig Nachwuchskräfte zu gewinnen und zu qualifizieren«, sagt Karl-Heinz Pöverlein, Personalvorstand des Nürnberger Unternehmens.

Lösungen von heute

Um dem drohenden Fachkräftemangel zu begegnen, hat N-ergie gemeinsam mit dem Betriebsrat das Demografieprojekt ›Zukunft.Zeit.Zusammenarbeit.‹ entwickelt. Das Projekt verbindet den langfristigen Aufbau von Nachwuchskräften (Zukunft) zur zukünftigen Bedarfsdeckung mit der Reduzierung und Flexibilisierung von Arbeitszeitmodellen (Zeit).

Dabei geht es zum einen darum, Entlastungen zu erzielen oder Beruf und Familie besser miteinander zu vereinbaren und zum anderen, den Wissenstransfer frühzeitig zu ermöglichen. Damit dies gelingt, arbeiten Unternehmensleitung, Führungskräfte, Betriebsrat und Beschäftigte eng zusammen (Zusammenarbeit). Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden durch eine Befragung in den Prozess eingebunden.

»Ziel ist es, durch neue flexible Zeitmodelle und eine strukturierte Planung mittel- bis langfristig Nachwuchskräfte aufzubauen und so den zukünftigen Personalbedarf zu sichern«, so Karlheinz Kratzer, Betriebsratsvorsitzender von N-ergie. »Wir sind stolz darauf, gemeinsam ein solch zukunftsweisendes Programm auf die Beine gestellt zu haben.«

Talente-Pool

Im November 2016 wurde das Projekt mit dem Deutschen Betriebsräte-Preis in Bronze ausgezeichnet.

Das Unternehmen steigert seit 2015 die Zahl der Ausbildungsplätze schrittweise von bislang 40 auf aktuell 60 pro Jahr. Damit kann die N-ergie künftig aus der eigenen betrieblichen Ausbildung 70 Prozent der Bedarfe an Facharbeitern, Meistern, Technikern und Fachwirten decken.

Geeignete Auszubildende und akademische Talente erhalten ein Dauerarbeitsverhältnis. Da die Anzahl der Planstellen nicht beliebig erhöht werden kann, werden diese Nachwuchskräfte in einen Talente-Pool übernommen.

In verschiedenen Einsätzen oder Projekten arbeiten die jungen Talente mit etablierten Mitarbeitern zusammen, um so den Wissenstransfer zwischen den beiden Gruppen sicherzustellen.

Chance für junge

Beispiel: Ein 23-jähriger Industriekaufmann, der seine Ausbildung kürzlich abgeschlossen hat, ist seit mehreren Monaten als Talent im IT-Bereich eingesetzt. Dort profitiert er unter anderem von der Erfahrung eines 56 Jahre alten Systemingenieurs, dessen Karriere bei der N-ergie vor 41 Jahren begonnen hat und der das Unternehmen und die IT-Prozesse wie seine Westentasche kennt. Die Einsätze der Talente sind möglich, da die N-ergie ihren Mitarbeitern neue Arbeitszeitmodelle anbietet.

Die Mitarbeiter können ihre Arbeitszeit reduzieren oder Sabbat-Monate nehmen. Um die daraus resultierenden Arbeitsbedarfe abzudecken, setzt das Unternehmen hier die Talente ein.

Seit dem Start im Jahr 2015 haben 192 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die neuen Arbeitszeitmodelle genutzt. Bisher konnten 37 Talente in unbefristete Stellen und 14 in befristete Stellen übernommen werden. Aktuell befinden sich 36 junge Menschen im Talente-Pool. »Durch das Projekt erleben die Talente, Mitarbeiter und Führungskräfte im Arbeitsalltag, was Flexibilität bedeutet und welchen Vorteil diese Flexibilität für sie bringt. Neben den demografischen Aspekten ist dies ein wichtiger Beitrag, um das Unternehmen noch flexibler und damit fit für die Zukunft zu machen«, sagt Personalvorstand Karl-Heinz Pöverlein. (hd)

Erschienen in Ausgabe: 04/2017