Wiener Kläranlage wird energieautark

Schon heute gilt die Hauptkläranlage der Stadt Wien als Vorzeigebetrieb. Nun wird sie sogar noch besser: Durch Know-how der TU Wien soll sie den eigenen Stromverbrauch selbst decken.

17. April 2012

Etwa 1% des Wiener Stromverbrauchs wird heute für die Abwasserreinigung aufgewendet: Die im Besitz der Stadt Wien befindliche und von der Ebswien Hauptkläranlage Ges.m.b.H. betriebene Hauptkläranlage benötigt im Schnitt ungefähr 7 MW elektrische Leistung. Dies soll sich in Zukunft ändern: Durch das Projekt ›EOS 2020‹ (›EOS‹ steht für ›Energieoptimierung Schlammbehandlung‹) soll die Anlage ihren eigenen Strom erzeugen und energieautark werden. Damit werden nicht nur Stromkosten gespart, zusätzlich wird der CO2–Ausstoß um 40.000 t im Jahr verringert.

Markus Reichel beschäftigt sich an der TU Wien seit Jahren mit der Technik von Kläranlagen. »Das Grundkonzept der Abwasserreinigung auf der Hauptkläranlage ist auf dem neuesten Stand und kaum weiter optimierbar«, erklärt er. »Verbessern kann man allerdings die Energiebilanz.« Möglich werden soll das durch eine Faulungsanlage. Bisher wird der Klärschlamm verbrannt und die freiwerdende Energie als Fernwärme genutzt. In Zukunft soll dieser in neu zu errichtenden Faulungsbehältern zum Teil in wertvolles Methangas umgewandelt werden, aus dem dann direkt bei der Anlage Strom erzeugt werden kann. Die Anlage in Wien Simmering soll damit energieautark werden und im optimalen Fall sogar Strom-Überschüsse ins Netz einspeisen. In den Labors der TU Wien werden derzeit die Bedingungen in der Kläranlage nachgestellt. Die gemessenen Daten werden verwendet um in einem ebenfalls an der TU entwickelten Computermodell die Effizienz der Anlage vorherzuberechnen.