Windenergie? Aber sicher!

VERSICHERUNG Mit zunehmendem Alter der Windenergieanlage steigt das Risiko für Schäden. Die Versicherungswirtschaft empfiehlt Schadenverhütungskonzepte, die auf Bestandsanlagen und deren steigende Betriebsdauer ausgerichtet sind.

06. September 2019
Windenergie?  Aber sicher!

Windenergieanlagen (WEA) stehen im Freien und müssen Starkwind und Extremwetter trotzen. In der Regel ist ihre Einsatzzeit auf circa 20 Jahre begrenzt. Mit zunehmendem Alter der Anlagen steigt das Risiko für Schäden, beispielsweise durch Materialermüdung oder das Versagen von Schutzeinrichtungen. Darauf weist der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hin.

Fällt die EEG-Förderung weg, muss die Betriebs- unterbrechungsversicherung angepasst werden.

— R+V Versicherung

Um Schäden zu vermeiden, müssen Schadenverhütungskonzepte entwickelt werden, die auf das zunehmende Alter der Anlagen und die daraus resultierenden Gefahren ausgerichtet sind, fordert der Verband.

Wartungsfrequenz anpassen

»Eine Maßnahme dabei könnte sein, neben Sichtprüfungen auch zerstörungsfreie Prüfverfahren einzusetzen und die Inspektionsfrequenz älterer Anlagen anzupassen«, so der GDV. Bislang werden Inspektionen bei regelmäßiger Wartung meist alle zwei Jahre durchgeführt. Der Verband hat Schäden analysieren lassen, die während des Betriebes von Energieanlagen entstehen können. Die Ergebnisse sind Teil der GDV-Broschüre Erneuerbare Energien, die zuletzt 2017 erschien; sie ist weiterhin aktuell, so der Verband im August auf Nachfrage von energiespektrum.

Risiken

Der Broschüre zufolge ist die Belastung der Windenergieanlagen (WEA) durch die wechselhaften Windverhältnisse deutlich höher als bei anderen Risiken, der Anspruch an die Haltbarkeit der Komponenten entsprechend schwieriger. »Die Lebenserwartung einer Windenergieanlage von 20 Jahren kann nicht von allen Komponenten erzielt werden«, heißt es im Kapitel über Onshore-WEA. »Durch den Schaden an der Technik entstehen vielfach längere Betriebsstillstände. Zu den Komponenten mit den längsten Lieferzeiten zählen Getriebe, Generatoren und Transformatoren.«

Checkliste

- Risikominimierung als Leitbild der Planungen für Offshore-Windparks.

- Vernetzung der Grids ist vorzuziehen

- Netzanschlusskabel in größerer Tiefe

- Größerer Abstand der Konverterplattformen untereinander

- Systemkritische technische Komponenten müssen qualitätsgesichert sein

- Standardisierte Prozesse und Notfallpläne (Quelle: GDV) hd

post-eeg-zeit

Strebt der Betreiber nach dem Ende der EEG-Förderung den Weiterbetrieb der Anlage an, muss er einen Gutachter beauftragen und die Betriebssicherheit feststellen lassen. Das Gutachten ist die Grundlage für die zuständige Behörde vor Ort, die über die Betriebserlaubnis entscheidet. Das Ende der EEG-Förderung ist auch eine Zäsur in Sachen Versicherungsschutz. »Bei einer Weiterversicherung nach dem 20. Betriebsjahr ist davon auszugehen, dass eine Anpassung der Verträge notwendig ist«, heißt es bei der R+V Versicherung. Im Sachversicherungsteil müssen demnach beispielsweise die Abschreibungssätze im Schadenfall überprüft und angepasst werden.

Anpassung der Verträge

Auch in der Betriebsunterbrechungsversicherung sei eine Anpassung notwendig, da die EEG-Förderung nach 20 Jahren entfällt, und somit eine neue Versicherungssummen-Ermittlung erforderlich ist. »Hier müsste der Versicherungsnehmer aufgeben, wie und zu welchem Preis er den erzeugten Strom vermarktet«, so die R+V. hd

Erschienen in Ausgabe: 05/2019
Seite: 30 bis 31

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