Windfront macht Abruf von Reservekapazität nötig

Die Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW rufen seit dem 9. November die für diesen Winter gesicherte Reservekapazität ab, um die Stabilität des Stromnetzes zu gewährleisten. Ursache für den Abruf ist die seit elf Tagen anhaltende Windfront, die zu hohen Windeinspeisungen von mehr als 30.000 MW führt.

19. November 2015

Basierend auf den Einspeiseprognosen sind täglich zwischen 200 und 2.200 MW Reservekapazität abgerufen worden, so die vier Übertragungsnetzbetreiber in ihrer gemeinsamen Mitteilung.

Sie gehen aufgrund der Prognosen davon aus, dass die Netzreserve noch bis zunächst einschließlich 20.11. eingesetzt werden muss.

Reservekapazität für diesen Winter bei 7.571 MW

 

Deshalb beschaffen die deutschen Übertragungsnetzbetreiber seit dem Winter 2011/2012 Reservekapazitäten. Parallel zum Zubau erneuerbarer Energien ist dieser Bedarf jeden Winter angestiegen.

So hatten die Übertragungsnetzbetreiber für den vergangenen Winter 3.636 MW gesichert, während für diesen Winter insgesamt 7.571 MW Reservekapazität nach Prüfung durch die Bundesnetzagentur beschafft werden mussten. Hiervon sind 4.116 MW von TenneT gesichert worden, 2.691 MW von TransnetBW sowie 764 MW von Amprion.

Windenergieproduktion im November

 

Schaut man sich die kumulierte stündliche Windenergieproduktion für das gesamte Netzgebiet in Deutschland innerhalb der ersten Novemberwochen an, so erreicht die Produktion erstmals in der Nacht vom 7. auf den 8.11. über 25.000 MW.

Am 9. und 10.11. bestanden relativ konstant starke Windstromeispeisungen zwischen 20.000 bis über 25.000 MW.

Auch am 14. und 15.11 war die Windstromproduktion mit den stündlichen Werten zwischen größer 15.000 und über 25.000 MW konstant auf hohem Niveau.

Am 16. und 17.11. bis 16 Uhr erreichte die Einspeisung etwas niedrigere stündliche Werte: Sie lagen zwischen größer 15.000 und etwas weniger als 20.000 MW.

18.11. bisher höchste Produktion

 

Danach stiegen die Werte am 17.11. auf knapp über 30.000MW.

Den bisher produktionsreichsten Tag bildet der 18.11.: Von Mitternacht bis in den frühen Morgen blieb die Produktion auf über 30.000 MW, den höchsten Wert erreichte sie am frühen Morgen mit über 32.000 MW.

Bis Mittags blieb sie auf stündlichen Werten knapp unter der30.000MW-Marke, um dann abzuflachen und am späten Nachmittag kurz auf Werten von knapp über 20.000MW zu verweilen. Danach stieg die Produktion wieder auf knapp unter 30.000 MW.

Mit den rund 32.600 MW am 18.11. hat die Windeinspeisung in Deutschland einen neuen Rekordwert erreicht, so Tennet in einer Mitteilung. Davon wurden mit rund 14.000 MW knapp 43 % im Versorgungsgebiet des Übertragungsnetzbetreibers eingespeist, vor allem in Schleswig-Holstein und Niedersachsen.

Die Windeispeisung habe damit noch den Wert von 2014 überstiegen, der deutschlandweit bei circa 29.000 MW lag (Dezember 2014). Im Tennet-Gebiet bewegt sich die Windeinspeisung seit dem 9. November zwischen etwa 9.000 und 14.000 MW. Die höchste Offshore-Windeinspeisung in der Nordsee (ebenfalls Tennet-Gebiet) lag in diesem Zeitraum bei rund 2.600 MW.

Orkantief Heini

 

Ein Grund für diese Rekordwerte war das Orkantief Heini, das in der Nacht vom 17. auf den 18.11. mit teils kräftigen Regengüssen und Windspitzen von 100 km/h oder mehr von West nach Ost über Deutschland hinweg gezogen ist.

 "Wir erwarten häufig Sturmböen und auch einige schwere Sturmböen mit Windspitzen zwischen 80 und 100 km/h in weiten Teilen Deutschlands bis in tiefe Lagen“, so Meteo-Group Medienmeteorologe Frank Abel am 16.November.  Nur im äußersten Norden sei das Potenzial für Sturmböen etwas geringer, dort sei man zu nahe am Tiefdruckzentrum.

„Die Lage des Höchstspannungsnetzes bleibt angespannt. Das zeigen diese Tage mit einer sehr hohen Windeinspeisung besonders deutlich“, sagte Urban Keussen, Vorsitzender der Geschäftsführung der Tennet TSO am 19.November.

Durch den Ausbau der erneuerbaren Energien vor allem im Norden Deutschlands und durch den Ausstieg aus der Kernkraft sowie die Stilllegung weiterer konventioneller Kraftwerke im Süden entsteht ein zunehmendes Nord-Süd-Gefälle zwischen Stromerzeugung und Stromverbrauch in Deutschland.

Dies führt, solange das Netz nicht entsprechend ausgebaut ist, zu extrem starken Belastungen des Höchstspannungsnetzes, die besonders in den Wintermonaten bei starker Windeinspeisung in Verbindung mit hoher Last kritisch werden können, so die Übertragungsnetzbetreiber weiter.

Auch der 19.11. mit starken Einspeisewerten

 

Auch der 19.11. zeigt nach bisher veröffentlichten Werten eine ähnlich hohe Einspeisung wie der 18.November: Bis 13 Uhr durchgängig Werte um die 30.000MW oder knapp darüber. Danach sinken die Werte langsam, bis sie in den Nachtstunden auf rund 20.000 MW verweilen.

Die Werte werden auf der Transparenz-Webseite der EEX veröffentlicht. Die Daten werden von den vier Übertragungsnetzbetreibern stündlich bereitgestellt. Die Netzbetreiber bestimmen die eingespeiste Windenergie in ihrer Regelzone anhand von Hochrechnungen auf Basis online gemessener Referenzstandorte. Eine spätere Korrektur der übermittelten Werte ist möglich.