Windkraft beflügelt Großgetriebebau

Flender hat die Weichen für weiteres Wachstum gestellt

Rund 45 Mio. DM investierte Flender in das neue Montagewerk für Großgetriebe in Voerde am Niederrhein. In den Hallen können jährlich mehr als 5.000 Getriebe bis 40 t montiert und geprüft werden. Besonders gefragt: Getriebe für Windkraftanlagen.

03. Dezember 2001

Windenergie gilt als ökologisch vorteilhaft, und der per Gesetz geförderte Markt boomt: „Das Stromeinspeisungsgesetz hat eine regelrechte technische Revolution hin zu immer größeren Windenergieanlagen ausgelöst“, sagte Dr. Dietmar Kestner, Vorsitzender des Vorstands des Windenergieanlagenhersteller Nordex AG, anlässlich der Eröffnung des neuen Getriebemontagewerks der A. Friedr. Flender GmbH in Voerde-Friedrichsfeld am 11. Mai 2001.

Kestner erläuterte, die mittlere Nominalleistung neuer Anlagen sei von 200 kW im Jahre 1990 auf 1,1 MW hochgeschnellt, was ein Senken der Stromerzeugungskosten um rund 40 % ermöglichte. Zugleich erlaube dies eine erheblich bessere Flächennutzung. Im Zuge dieser Entwicklung sei Nordex immer wieder Vorreiter bei der Verbesserung der Technologie gewesen - nicht zuletzt wegen der Unterstützung durch Flender, deren Getriebe für die Umsetzung der Rotorbewegung auf eine für den Stromgenerator geeignete Drehzahl sorgen.

Gemeinsam haben die beiden Unternehmen das Getriebe für die derzeit weltgrößte Windenergieanlage mit einer Nominalleistung von 2,5 MW entwickelt. Auch für Flender trägt diese Zusammenarbeit Früchte: Rund 70 % aller derzeit gefertigten Nordex-Anlagen sind mit Flender-Getrieben bestückt, wie Kestner betonte.

Wichtig war für Nordex unter anderem, dass Flender verstärkt in moderne Hochleistungsprüfstände für Windkraftgetriebe investiert hat. Die Messlatte liegt hoch, sagt Kestner: „Die Kunden verlangen von uns eine fast hundertprozentige Verfügbarkeit der Anlagen ohne längere Unterbrechungen über einen Zeitraum von 20 Jahren.“

Die Anforderungen sind nicht nur auf der Leistungsseite drastisch gestiegen: Ein modernes Getriebe leistet mehr, produziert aber weniger Geräusche als noch vor zehn Jahren. Die zuverlässige Erfüllung solcher Forderungen setze das Vorhandensein entsprechender Prüftechnik voraus, so Kestner. Seiner Prognose nach wird der Markt für Windenergieanlagen weiter stürmisch wachsen; innerhalb der nächsten fünf Jahre erwartet der Nordex-Chef eine Zunahme von 300 %.

„Als wir Mitte 1999 mit ersten Überlegungen zur Errichtung dieses Werks begannen, kämpften wir mit einigen Problemen, die heute zu einem guten Teil überwunden sind“, erinnerte sich Dr. Winfried Walzer, Vorsitzender der Geschäftsführung der Flender GmbH. Um die damalige Schieflage zu beheben, musste vor allem in die Erneuerung der nicht mehr zeitgemäß organisierten und räumlich viel zu knapp ausgestatteten Getriebemontage investiert werden. Die Neuerrichtung eines Werks auf der grünen Wiese wurde mit 65 bis 70 Mio. DM veranschlagt. In dieser Situation war die Gelegenheit, durch Einzug in freigewordene Hallen auf dem Babcock-Gelände in Voerde-Friedrichsfeld rund 20 bis 25 Mio. DM an Investitionen einzusparen, willkommen.

Raumprobleme dürfte es in dem neuen Werk auf absehbare Zeit nicht geben, denn die dreigeteilte große Halle mit ihren 30.200 m² bietet reichlich Platz. Den teilen sich die Geschäftsbereiche Energie (vorrangig Windkraft), Heavy Duty, Umwelt, Papier und Chemie sowie Service. Zur Neuausrüstung der Hallen gehören 48 Kräne mit Tragfähigkeiten bis zu 40 t. Die Aktivitäten sind organisatorisch in die Bereiche Wareneingang, Montage, Prüfstände, Lackierung und Versand untergliedert, alle Bereiche sind im Sinne eines kontinuierlichen Workflows angeordnet.

Besonders gut ausgestattet sind die Prüffelder. Der Geschäftsbereich Energie verfügt über drei Großprüfstände (zwei Mal 2 MW und einer für 1,3 MW mit maximalen Drehzahlen bis 1800 min-1 und motorischer oder generatorischer Bremsung sowie einen 315-kW-Prüfstand mit Induktionsbremsung). Dem Bereich Heavy Duty stehen sechs Prüfstände für Leistungen zwischen 75 und 400 kW mit Induktionsbremsung sowie ein Lenkerprüfstand mit 140 kW zur Verfügung. Zwei weitere Prüfstände mit bis zu 500 kW befinden sich im Bereich Service.

„Die Inbetriebnahme des neuen Werks erfolgt zu einem sehr günstigen Zeitpunkt“, freute sich Dr. Walzer. Die neue Fabrik mit ihren rund 500 Arbeitsplätzen sei schon beim Anfahren gut ausgelastet. Der Umzug wirkt sich, so Walzer, positiv auf den Standort Bocholt aus. Dort entsteht jetzt Platz für die Neugestaltung der Getriebeteilefertigung.

Erschienen in Ausgabe: 10/2001