Wintershall leidet unter Ölpreis

Die BASF-Tochter Wintershall hat 2015 deutlich die Auswirkungen des niedrigen Ölpreises zu spüren bekommen. Das Ergebnis der Betriebstätigkeit (EBIT) vor Sondereinflüssen sank auf 1,366 Mrd € (2014: 1,795). Im laufenden Geschäftsjahr will das Unternehmen bis zu 200 Mio € einsparen. Vorstandschef Mario Mehren kritisierte bei der Vorstellung der Geschäftsbilanz mit scharfen Worten die Bundesregierung. Seit vier Jahren gebe es quasi ein Moratorium für Fracking bei der Exploration konventioneller Quellen.

11. April 2016

Dies sei eine größere Bedrohung für Arbeitsplätze als der niedrige Ölpreis, so Mehren. Seinen Angaben zufolge sei durch die unklaren politischen Rahmenbedingungen ein Investitonsstau von 1 Mrd. € entstanden.

Das Ergebnis nach Steuern und Anteilen anderer Gesellschafter lag den Angaben zufolge bei 1,050 Mrd € (2014: 1,464). Der Umsatz mit Dritten ging auf 12,998 Mrd € zurück (2014: 15,145). Maßgeblich hierfür war der Ende September 2015 vollzogene Tausch von Vermögenswerten mit der russischen Gazprom, durch den für das vierte Quartal 2015 die Beiträge des Gashandels- und Gasspeichergeschäfts sowie der Wintershall Noordzee B.V. entfielen.

 

Der Preis für die Referenzrohölsorte Brent sank gegenüber 2014 um 47 Prozent auf 52 US-Dollar/Barrel. Der Preis für Gas auf den nordwesteuropäischen Spotmärkten hat sich gegenüber 2014 um 21 Prozent auf 6,51 US-Dollar/mmBtu (2014: 8,23) verringert.

 

„Wir verfügen über ein diversifiziertes Portfolio mit niedrigen Produktions- und Reservenersatzkosten, insbesondere in Russland und Argentinien. Damit sind wir in der Lage, auch bei niedrigen Ölpreisen positiv zum Ergebnis der BASF-Gruppe beizutragen“, sagte Mehren.

 

Dennoch werde das laufende Jahr sehr herausfordernd und könne nicht mit 2015 verglichen werden, so der Wintershall-Vorstandsvorsitzende. "Insofern sind striktes Kostenmanagement, die Reduktion von Investitionen, fokussierte Innovationen und Operational Excellence entscheidend.“ 

 

Öl- und Gasförderung deutlich ausgebaut

 

Deutlich steigern konnte Wintershall die Öl- und Gasproduktion um 13 Prozent auf 153 Millionen Barrel Öläquivalent (boe) (2014: 136).

 

Die höheren Mengen kamen vor allem aus Norwegen und der Joint Operation Achimgaz in Russland.

In Libyen konnte Wintershall in der Onshore-Konzession 96 trotz der schwierigen politischen Bedingungen von Februar bis Mai sowie von September bis Anfang November 2015 insgesamt 125 Tage produzieren, wenn auch auf niedrigem Niveau.

 

"Gegenläufig wirkte der weitere Produktionsrückgang in Deutschland, zu dem der natürliche Förderrückgang und der seit mehr als fünf Jahren anhaltende Genehmigungsstau bei Frackingvorhaben in konventionellen Lagerstätten wesentlich beitrugen", so das Unternehmen.

 

Das Unternehmen will die Produktion von Öl und Gas in den kommenden Jahren weiter ausbauen: auf 190 Millionen boe im Jahr 2018.

 

Insbesondere durch die weitere Entwicklung des Achimgaz-Projekts in Sibirien, die norwegischen Aktivitäten sowie das Gasprojekt Vega Pléyade in Feuerland vor der argentinischen Küste, das im Februar 2016 die Produktion aufgenommen hat. 

 

„Wintershall wird in den kommenden Jahren beides machen: sparen und investieren. Das ist kein Widerspruch“, erläuterte Mehren auf der Pressekonferenz.

 

Einerseits sollen im Jahr 2016 die Ausgaben deutlich gesenkt werden. Dazu werden die laufenden Betriebsausgaben weiter optimiert und Ausgaben für Exploration, Entwicklung sowie Technologie insbesondere in Ländern mit hohem Kostenumfeld reduziert. Dadurch sinkt auch die Anzahl der Explorationsbohrungen im aktuellen Jahr. Das bereits geplante Ausgabeneinsparpotenzial der Maßnahmen beträgt für 2016 bis zu 200 Mio. €.