Wir regeln das

Die deutschen Übertragungsnetzbetreiber und der österreichische Übertragungsnetzbetreiber APG haben ein Pilotprojekt gestartet, in dem sie den Einsatz von Sekundärregelleistung (SRL) in einer gemeinsamen Abrufliste durchführen.

19. Juli 2016

50Hertz, Amprion, Tennet, TransnetBW sowie der österreichische Übertragungsnetzbetreiber sind bereits Teil des internationalen Netzregelverbundes (IGCC). In dieser Kooperation wird der gegenläufige Abruf von Sekundärregelleistung (SRL) vermieden, indem in den beteiligten Ländern vorab ein Bedarfsausgleich (Netting) durchgeführt wird.

Als logischen nächsten Schritt sei man nun eine Vertiefung der Kooperation eingegangen, indem der Einsatz von SRL anhand einer gemeinsamen Merit Order-Liste durchgeführt wird, so die Netzbetreiber. "Auf diese Weise kommt immer das aus wirtschaftlicher Sicht günstigste Angebot für Sekundärregelleistung in beiden Ländern zum Einsatz. Die Kosten für Regelarbeit können hierdurch gesenkt werden", heißt es in der Mitteilung weiter.

Weichenstellung für europäischen Markt

Eigenen Angaben zufolge ist es die erste internationale Kooperation zu Sekundärregelleistung (SRL) in Europa. Diese Zusammenarbeit sei richtungsweisend im Hinblick auf die europäische Guideline on Electricity Balancing, die sich aktuell in der Umsetzung befindet.

Sie zielt auf eine engere Zusammenarbeit der europäischen Übertragungsnetzbetreiber zur Schaffung eines EU-Binnenmarkts für Regelleistung ab. Die SRL-Kooperation Deutschland-Österreich nimmt damit zukünftige Anforderungen vorweg und stellt die Weichen für einen harmonisierten europäischen Regelleistungsmarkt.

Im Falle einer Trennung der Kooperation, zum Beispiel durch operative Netzrestriktionen, setzen die deutschen und österreichischen Übertragungsnetzbetreiber die Sekundärregelleistung wie bislang national ein.

Weitere Vertiefung geplant

Im nächsten Schritt wird zur weiteren Vertiefung der Kooperation eine gemeinsame Beschaffung von SRL in Deutschland und Österreich geprüft. Auch die gemeinsame Weiterentwicklung der Marktregeln und Produkte für SRL stehen im Fokus der Übertragungsnetzbetreiber.

Hintergrund SRL

Der Bedarf für Sekundärregelleistung entsteht, sobald im elektrischen Energieversorgungssystem die Summe der aktuellen Einspeisungen von der Summe der aktuellen Nachfragen abweicht. Hervorgerufen werden solche Abweichungen durch Schwankungen im Einspeise- und Abnahmeverhalten auf der Verbraucherseite oder durch Störungen  auf der Erzeugungsseite (z. B. Kraftwerksausfälle).

Ein Mangel an Erzeugungsleistung (oder ein Überschuss an Verbrauchsleistung) äußert sich als Frequenzabfall, ein Überschuss an Erzeugungsleistung (oder ein Mangel an Verbrauchsleistung) als Frequenzanstieg im gesamten elektrischen Energieversorgungssystem in Europa.

Sekundärregeleistung wird in Deutschland wöchentlich auf regelleistung.net für die jeweilige Regelzone ausgeschrieben. Sie muss innerhalb von 5min abrufbar sein.