"Wir zeigen das, wovon andere nur reden"

Energiedatenmanagement bei Ulmer Energiehändler im Praxistest

Als Vorreiter in Sachen Energiedatenmanagement (EDM) versteht sich die Aktif Technology GmbH. Sie möchte mit einer umfassenden Installation ihrer EDM-Lösung bei der Ulmer Energie Plus den Beweis antreten, dass ihr Produkt den praktischen Anforderungen gewachsen ist.

31. Mai 2001

Wir zeigen das, wovon andere nur reden“ - ein vollmundiges Versprechen, das der Senftenberger IT-Spezialist Aktif Technology GmbH, im Oktober vergangenen Jahres gab. Zu diesem Zeitpunkt galt es, bei der Energie Plus GmbH, der Energiehandelstochter der Stadtwerke Ulm, ein Energiedatenmanagement-System zu installieren. Das Unternehmen hatte Offerten für ein EDM eingeholt, und einzig Aktif Technology bot einen Test vor Ort an, heißt es. Dies Angebot nahm Energie Plus gerne an. Geschäftsführer Thomas Deyerberg: „Anhand der Daten der Stadtwerke Ulm und unseren Anforderungen lassen sich die Merkmale des EDM gut prüfen und gegebenenfalls überarbeiten.“

Aktif Technology, die sich seit 1997 intensiv mit dem Thema EDM beschäftigt, bietet nach eigenen Angaben eine der ersten neuen und vor allem praxisreifen Lösungen auf diesem Gebiet. Im Zentrum stehen die Geschäftsprozesse zwischen Energiehändler, regionalen und überregionalen Netzbetreibern und den Bilanzkreisverantwortlichen. Sämtliche Prozesse also, die zwischen dem Zähler und der Übergabe der Daten an Energieabrechnungs- oder Einkaufssysteme ablaufen. Der Aktif dataService, so der Name der Lösung, liefert hier nicht nur die aktuelle Datenbasis. Zahlreiche Prozesse, wie etwa das Fahrplanmanagement, können mit diesem Instrument automatisiert werden. Der Aktif dataService ist skalierbar bis hin zu mehreren Millionen Zählern, deckt also die gesamte Spannbreite vom kleinen und mittleren bis hin zu großen Energieversorgern ab. Gleichzeitig kann er sowohl im Rechenzentrumsbetrieb wie auch als Application Service Providing-Lösung angeboten werden, da die Oberfläche durchgängig javabasiert und vollständig über einem normalen Webbrowser bedienbar ist. Auf diesem Weg können Energieversorger das Energiedatenmanagement beispielsweise auch für Großkunden als Dienstleitung anbieten. Vorteil der Java-Lösung für den Anwender: Die Installation von Software auf den Clients und der damit verbundene Wartungsaufwand entfallen vollständig.

In ihr Produkt setzt Aktif viel Vertrauen: „Wir wollen mit einem durchgängigen System Marktführer werden“, so die Vorstellung von Dirk Heinze, Geschäftsführer der Aftik Technology. Schon 2002 soll dies Ziel erreicht sein. Die entsprechende Rückendeckung bekommen er und sein Team, denn „unsere Investoren denken langfristig“, versichert Heinze.

Vorher gilt es jedoch, genügend Überzeugungsarbeit zu leisten. Wie beispielsweise bei der Energie Plus. Im Rahmen des Tests waren nicht nur die Anforderungen eines Energiehändlers abzubilden, auch die Bedürfnisse eines Netzbetreibers sollten Berücksichtigung finden. Und für Ende November war die Präsentation der ersten Ergebnisse angesetzt. Fünf Wochen blieben dem Team aus Senftenberg also, um ihr Versprechen einzulösen. Binnen dieser Zeitspanne musste Aktif die Installation in Ulm zum Laufen bringen und die Daten einspielen. Zudem wollte Energie Plus bis dahin erste Erfahrungen mit der Software sammeln.

Außerdem galt es, eine Zählerfernauslesung via Powerline zu realisieren. Basierend auf einer eigenen Technologie ermöglicht Aktif die Fernauslesung und Datensammlung via Powerline in einem Radius von bis zu 10 km, zum zentralen Aktif dataConcentrator, der die Daten per ISDN an den Server übermittelt. Intelligente Fernausleser, die die Zählerdaten über S0, M-Bus oder LON erfassen, erfüllen dabei alle Anforderungen an die Datenpufferung und sind eichfähig. Für den Test sollte die Zählerfernauslesung die Werte eines Zählers abholen, der an der Fachhochschule Ulm die Leistung einer Brennstoffzellenanlage misst. Die FH arbeitet an einem ZSW-Projekt zur häuslichen Energieversorgung mittels Brennstoffzellen.

Mit Spannung erwarteten die für Ende November geladenen Besucher also die ersten Ergebnisse. Und Heinze musste sein Publikum nicht enttäuschen. Zum Beispiel die Fernauslesung - die Werte des Tageslastgangs werden immer zwischen 0 und 6 Uhr übertragen - funktionierte einwandfrei. Auch via Powerline. „Das ermöglicht die kostengünstige Ablesung von Kunden mit mehr als 30.000 Kilowattstunden im Jahr“, bemerkt Heinze, der unter anderem auch vorführte, wie die verschiedenen Verträge der Stadtwerke Ulm abgebildet werden.

Fürs Erste zufriedenstellende Ergebnisse, wie Energie Plus-Mitarbeiter Bernd Adolph anlässlich des November-Termins meinte. „Die Software ist erst seit zwei Wochen im Haus“, stellte er fest, „dennoch konnte Aktif schon erste Verbesserungen einarbeiten“. Weitere Modifikationen sollen folgen, außerdem ist an eine Verbindung mit SAP R/3 gedacht.

Aktif auf der E-World

Energiedaten transparent übermitteln, aufbereiten und als Entscheidungsgrundlage zur Verfügung stellen, die Version 2.0 des Aktif dataService geht neue Wege. Die Lösung des Senftenberger EDM-Spezialisten Aktif Technology GmbH verfügt jetzt über einen integrierten Konverter für EDI und XML. Damit kann die Kommunikation zwischen den Marktteilnehmern im Energiemarkt mit dem Aktif dataService automatisiert in allen gängigen Formaten abgewickelt werden. Der Datenexport kann darüber hinaus auch im DVG-Format erfolgen.

Gleichzeitig wurde die neue Version, die erstmals auf der E-World of Energy (Essen, 13, bis 15. Februar) gezeigt wird, zum Energiedaten-Informationssystem ausgebaut. So können jetzt nicht nur beliebige Zeitreihen dargestellt, sondern auch miteinander verknüpft werden, beispielsweise für Jahres- oder Monatsvergleiche. Im Modul Statistiken und Auswertungen wurden vor allem die grafischen Auswertungsmöglichkeiten deutlich erweitert. Durch die Verknüpfungsoptionen von Zeitreihen bietet der Aktif®dataService jetzt eine Funktionalität, wie man sie analog auch bei modernen Management Informationssystemen findet - dort allerdings ohne energiespezifische Darstellungsformen. Weitere neue Funktionen: ein dynamisches Bilanzkreismanagement und ein frei konfigurierbares Werkzeug für Plausibilitäts- und Konsistenzprüfungen.

Erschienen in Ausgabe: 01/2001