Wunsiedel startet regionale Direktvermarkung

Die SWW Wunsiedel und der Energieverbund Zukunftsenergie Fichtelgebirge haben ein neues Ökostromangebot gestartet. Die Direktvermarktung wird in einem regionalen Bilanzkreis durchgeführt – dies erlaubt es, den vor Ort produzierten Strom den Verbrauchern vor Ort auch direkt anzubieten.

21. April 2016

Verbraucher aus einem mehr als 70.000 Einwohner zählenden Gebiet können künftig regionalen Strom aus PV, Biomasse und Windkraft beziehen. Der Stromtarif bringt Konsumenten und Produzenten von Ökostrom in der Region zusammen, denn auch private Stromerzeuger aus der Gegend dürfen ihren Strom künftig an das Projekt der Partner verkaufen,  so das Beratungsunternehmen Sterr-Kölln & Partner aus Freiburg. Es hat das Geschäftsmodell mitgestaltet. 

Der Wunsiedeler Energieversorger und der Energieverbund verfügen über mehrere Anlagen für erneuerbare Energie: Sieben Photovoltaikanlagen, drei Biogas-Heizkraftwerke und sechs Windenergieanlagen mit einer installierten Leistung von insgesamt 17,6 MW. Darüber hinaus gibt es viele weitere kleine Ökostromkraftwerke in der Region in privater Hand. Sie zu einem regionalen, virtuellen Kraftwerk zusammenzufassen und den erzeugten Strom über das neue Angebot den Stromverbrauchern in den Landkreisen Wunsiedel, Hof und Kulmbach anzubieten, ist die Idee.

Regionales Virtuelles Kraftwerk

Zur Umsetzung haben sich die beiden Partner mit dem Softwarehersteller und Energiedienstleister Lumenaza zusammengetan: Die Stadtwerke, der Energieverbund und die privaten Anlagenbetreiber veräußern den von ihnen erzeugten Ökostrom an Lumenaza. Das Unternehmen beliefert im Gegenzug den Regionalstromanbieter, der den Strom wiederum an die Verbraucher verkauft. Dafür nutzen die Partner einen eigenen, regionalen Bilanzkreis. Die Software-Plattform von Lumenaza bündelt die Vielzahl dezentraler Anlagen zu einem regionalen virtuellen Kraftwerk. Der lokale Marktplatz soll künftig garantieren, dass der Ökostrom aus der Region kommt und dort verbraucht wird.

„Das Vorgehen erlaubt unter den aktuellen gesetzlichen Bedingungen den höchsten Grad an Regionalität und schließt für interessierte Verbraucher die Angebotslücke, die durch den Wegfall des Grünstromprivilegs entstanden ist“, sagt Christian Schmidt von Sterr-Kölln & Partner. Das Grünstromprivileg ermöglichte eine ähnliche Vermarktung von EEG-fähigem Strom, wurde aber 2014 abgeschafft.

Bei der regionalen Direktvermarktung wird der Strom aus erneuerbaren Energien mittels Markprämie gefördert und an Verbraucher verkauft, die sich in der gleichen Region wie die Erneuerbaren-Energien-Anlagen befinden, anstatt in den überregionalen, anonymen Börsenhandel eingestellt zu werden, wie das Beratungsunternehmen erklärt.