Zahlen Sie mit Karte?

Tankkarten – Was beim konventionellen Tanken geht, muss auch für E-Autos Standard sein: Autostrom laden, wo und wann es einem beliebt. Für diese Selbstverständlichkeit sind aber bestimmte Vorkehrungen nötig. Ähnlich wie beim Mobiltelefonieren vom Urlaubsort in die Heimat.

13. Mai 2019
Zahlen Sie mit Karte?

Zurzeit gibt es rund 17.400 öffentlich zugängliche Ladepunkte in Deutschland. Angesichts der noch geringen Anzahl an E-Autos wird der heutige Bedarf damit bei Weitem gedeckt. Um das Klimaziel 2030 im Verkehrssektor zu erfüllen, müssten allerdings sieben bis zehn Millionen E-Autos auf die Straße gebracht werden. Dafür braucht es an allen Stellen mehr Tempo, sagen Experten. Als Knackpunkt gilt unter anderem die Frage, wie komfortabel oder umständlich das Laden und Abrechnen des Autostroms funktioniert. Autofahrer sind es gewohnt, mit Bargeld, Kreditkarte oder einer Tankkarte die Tankfüllung des Privat- oder Firmenwagens zu bezahlen. Das Bezahlen ist binnen Minuten erledigt, egal ob man in Flensburg oder Garmisch tankt, bei Aral, Shell oder einem anderen Anbieter. Diese Vorgänge sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Selbstverständlich sind sie damit aber noch lange nicht. Das Ladesäulennetz für E-Autos in Deutschland ist stark fragmentiert, es gibt zig Betreiber je nach Region oder Stadt. Nicht immer sind die Zugänge barrierefrei, sprich offen für Kunden anderer Betreiber oder Provider. Mal hapert es bei der Suche nach der Ladesäule und deren Aktivierung per App, mal beim Abrechnen der geladenen Strommenge.

Roaming-Netzwerk

Verschiedene Tankkartenanbieter haben inzwischen ihre Leistungen auch auf die E-Mobilität ausgeweitet. Um die beschriebenen Probleme auszuschließen, haben die Unternehmen Vorkehrungen getroffen. So bietet Union Tank Eckstein (UTA) eine spezielle Tankkarte für E-Autofahrer in Kooperation mit dem Dienstleister New Motion an. »Die Erfahrungen mit unseren Kunden sind sehr gut, da diese das dichte Netz an Ladepunkten, rund 100.000 in Europa, schätzen«, so UTA. Überall dort kann mit einer einzigen Karte, der UTA E-Charge, abgerechnet werden. Außerdem erhalten Kunden über ein Online-Portal und eine App Einblicke in ihre Ladevorgänge- und kosten und könnten auf Unregelmäßigkeiten frühzeitig reagieren, so UTA.

Zudem biete New Motion einen Rund-um-die-Uhr-Support für unterwegs. New Motion betreibt derzeit mehr als 45.000 private Ladestationen. »Außerdem bietet New Motion den Inhabern von mehr als 170.000 registrierten Ladekarten Zugang zu einem Roaming-Netzwerk aus öffentlichen Ladepunkten in Europa«, so das Unternehmen. Im März gab das Unternehmen eine Kooperation mit der Daimler AG bekannt. Im Oktober 2017 hatte Shell das 2009 in den Niederlanden gegründete Unternehmen übernommen.

Das zeigt: Daimler und Shell wollen sich das Geschäft mit den E-Autofahrern nicht entgehen lassen. Auch wenn noch nicht absehbar ist, ob es auch ein lukratives Geschäft sein wird.

Bis zum Massengeschäft werden Jahre vergehen.

Die Erfahrungen unserer Kunden sind gut. Sie schätzen das dichte Netz an Ladepunkten von New Motion.

— Union Tank Eckstein (UTA)

Künftige Marktanteile sichern

Strategisch gesehen ist das ein günstiger Zeitpunkt, um ein neues Geschäft zu erschließen, selbst wenn die Erlöse noch weit in der Zukunft liegen. So gesehen kommt der Markteintritt von Daimler und Shell nicht überraschend.

Auch der französische Total-Konzern engagiert sich. Die Inhaber der Total-Card können damit auch Autostrom tanken. »Wir verfügen an unseren Stationen in Deutschland aktuell über rund zwei Dutzend Elektroladestellen. Wie angekündigt planen wir für 2019 den Bau von einem Dutzend 150-Kilowatt-Schnellladesäulen«, so eine Sprecherin. Total setzt auch auf New Motion.

»Durch eine Kooperation gewährleisten wir unseren Geschäftskunden aktuell Zugang zur Ladeinfrastruktur des Anbieters. Wir arbeiten derzeit aber auch an eigenen Lösungen, die dann von ausnahmslos allen Fahrern von Elektrofahrzeugen genutzt werden können«, so das Unternehmen. hd

Kommentar

Mit der Zeit gehen

Die Verkehrswende nimmt Fahrt auf. Das liest man nun allenthalben. Stimmt es auch? Ja und nein. Ja, weil immer mehr Ladesäulen installiert werden und die Zahl der Fahrzeuge mit alternativen Antrieben steigt. Nein, weil die Formulierung nicht passt. Fahrt aufnehmen suggeriert, dass etwas sichtbar Geschwindigkeit gewinnt.

Für Ballungsgebiete mag das zutreffen. In München sehe ich inzwischen alle paar Tage ein E-Auto auf der Straße fahren.

Auf dem Land sind E-Autos selten zu sehen. Von Fahrt aufnehmen kann also nicht die Rede sein. Noch nicht. In ein paar Jahren sieht es anders aus. Dann lesen Sie bei uns auch »Verkehrswende nimmt Fahrt auf«. Bis dahin sind dann vielleicht auf Autobahnen die ersten Lkw mit Gasmotor unterwegs. Eine Berliner Spedition hat jüngst 100 Laster mit LNG-Motor bestellt. Die Firma fährt für einen großen Lebensmitteldiscounter Ware in die Filialen. hd

Erschienen in Ausgabe: 03/2019
Seite: 58 bis 59