Zeit für die Verkehrswende?

Überlastete Straßen, Dieselskandal, Treibhausgasemissionen: Einer Umfrage zufolge hält die Mehrheit der Deutschen die Verkehrswende für nötig. Auch ein Tempolimit auf Autobahnen halten die meisten der Befragten für geboten.

14. November 2017

Angesichts dieser Fakten sind die Zweifel an der Notwendigkeit einer Verkehrswende in der Bevölkerung gering, wie eine repräsentative Befragung von KfW Research belegt.

 

Umdenken gefordert

 

81 % der Deutschen zwischen 18 und 67 Jahren halten ein Umdenken und Handeln zugunsten des Klimaschutzes für notwendig, etwa durch die Entwicklung marktfähiger, klimafreundlicher Antriebstechnologien, Verbesserung der öffentlichen Verkehrsnetze oder den bewussten Verzicht auf das Auto, heißt es in einer Mitteilung von KfW Research. 

 

Demnach sehen die Befragten vor allem die Automobilindustrie in der Pflicht (89 %) und fordern die Politik zur Verbesserung von Rahmenbedingungen auf (77 %).

 

„Sie sind aber auch in hohem Maß dazu bereit, ihr eigenes Verhalten als Verkehrsteilnehmer zu ändern (71 %)“, heißt es.

 

Sogar das höchstkontrovers diskutierte Tempolimit auf Autobahnen findet demnach eine Mehrheit; knapp 60 % sprechen sich den Angaben zufolge dafür aus.

 

Geschlechter bewerten Thema unterschiedlich

 

Frauen befürworten ein Tempolimit häufiger als Männer (70 % ggü. 50 %). Auch das Alter spielt eine Rolle. Die geringste Zustimmungsrate (35 %) gibt es bei jungen Männern unter 30, so KfW Research. „Den meisten Menschen ist klar, dass nicht nur Autokonzerne und Politik, sondern auch sie selbst etwas für den Klimaschutz im Verkehr tun können“, sagt Jörg Zeuner von der KfW Bankengruppe.

 

„Das sind erfreuliche Ergebnisse, denn ohne eine Trendwende im Verkehrssektor kann Deutschland seine Klimaschutzziele nicht erreichen.“

 

Während die energiebedingten Treibhausgasemission in Deutschland von 1990 bis 2015 um rund 25 % gefallen seien, bewegten sie sich im Verkehrssektor noch immer auf dem Niveau von 1990.

 

Durchstarten

 

 „Deutschland hat jetzt noch alle Chancen, die Mobilität der Zukunft entscheidend mitzugestalten und einer der wichtigsten Standorte der Automobilindustrie zu bleiben“, ergänzt Dr. Jörg Zeuner. Jeder Dritte (36 %) hat, so das Ergebnis der KfW-Befragung, bereits sein Mobilitätsverhalten angepasst und fährt den eigenen Pkw weniger, nutzt häufiger Bus und Bahn oder steigt auf das Fahrrad um.

 

Hierzu passt, dass von den vorgeschlagenen Politikmaßnahmen ein Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs (91 %) die größte Zustimmung findet, dicht gefolgt vom Ausbau des Fuß- und Radwegenetzes (86 % bzw. 85 %).

 

Kritisch ist die Bevölkerung hingegen gegenüber Maßnahmen, die das Verkehrsaufkommen mittels Bezahlsystemen beschränken wollen: Sowohl die Einführung einer generellen PKW-Maut als auch einer City-Maut wird jeweils von zwei Dritteln der Befragten abgelehnt. 

 

Was bringt das E-Auto?

 

Große Skepsis herrscht hinsichtlich der Möglichkeit, die Klimabilanz des Verkehrssektors durch Umstellung der Antriebstechnik von Fahrzeugen auf Elektromobilität zu verbessern. Nur jeder Zweite glaubt, dass E-Autos in 20 Jahren die dominante Rolle spielen werden.