Zentrale Anlaufstelle im Osten

BIOMASSE Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe hat seit Gründung im Jahre 1993 fast 1.500 Forschungsprojekte rund um pflanzliche Energieträger und Rohstoffe gefördert.

31. Januar 2007

Die Entscheidung, den neuen Projektträger im mecklenburgischen Gülzow anzusiedeln, war - kurz nach der Wende - politisch motiviert. Dass die Bioenergieproduktion in den neuen Bundesländern einmal einen Schwerpunkt haben würde, sah man damals noch nicht voraus. Heute befinden sich die drei großen deutschen Bioethanolanlagen in Brandenburg und Sachsen- Anhalt. 18 von 28 Biodieselanlagen stehen in den neuen Ländern. Zudem soll auch die erste geplante großindustrielle Anlage für synthetische Biokraftstoffe (BtL), 2009 im vorpommerschen Lubmin ihren Betrieb aufnehmen.

Die FNR ist mit der Entwicklung der nachwachsenden Rohstoffe (NawaRo) gewachsen: Während das Team im Anfangsjahr aus lediglich neun Personen bestand, arbeiten inzwischen 51 Mitarbeiter im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Mit Mitteln aus dem Förderprogramm 'Nachwachsende Rohstoffe' unterstützen sie Forschungsvorhaben, betreiben darüber hinaus aber auch Öffentlichkeitsarbeit und Verbraucherberatung. Schließlich kümmern sie sich mithilfe von Zuschüssen um die Markteinführung bestimmter Produktgruppen, etwa von Bioschmierstoffen, Eigenverbrauchstankstellen für Biokraftstoffe und Naturdämmstoffen.

Während aus dem Förderprogramm in erster Linie reine F& -Projekte gefördert werden, gibt es für Demonstrationsvorhaben im Bereich Bioenergie seit Jahresbeginn 2006 eine eigene Richtlinie. Sie soll die Lücke zwischen Forschung und Markt schließen und innovative Bioenergieanlagen unterstützen, die noch nicht wirtschaftlich zu betreiben sind.

Die Richtlinie 'Demonstrationsvorhaben Bioenergie' erstattet entsprechend anfallende Mehrkosten gegenüber Referenzanlagen. Förderfähig sind grundsätzlich alle Formen der Bioenergieerzeugung, aber zu einigen thematischen Schwerpunkten werden Bekanntmachungen veröffentlicht. Für Förderprogramm, Demonstrations-Richtlinie und Öffentlichkeitsarbeit zusammen standen 2006 rund 27 Mio. € zur Verfügung, weitere 26,6 Mio. € konnten 2006 für die Markteinführung verwendet werden.

Die FNR widmet sich aber nicht nur der Bioenergienutzung, vielmehr wird der Großteil der Forschungsförderung - im FNR-Geschäftsjahr 2005/2006 waren es 59 % - von Beginn an für die stoffliche Nutzung aufgewandt. Doch der Anteil der Bioenergie-Forschungsprojekte nimmt, entsprechend der Praxis, zu.

Zentrales Projekt im Energiepflanzenanbau ist das Verbundprojekt 'EVA' (Entwicklung und Vergleich von optimierten Anbausystemen von Energiepflanzen), mit einer Fördersumme von 5,6 Mio. € eines der größten Projekte, das die FNR je gefördert hat. Der Hintergrund für EVA ist, dass derzeit nur wenige Energiepflanzen, allen voran Raps und Mais, angebaut werden. Aus Gründen der ökologischen, aber auch der ökonomischen Nachhaltigkeit soll die Bioenergieproduktion der Zukunft auf ein breiteres Rohstofffundament gestellt werden.

Der Rapsanbau etwa ist in einigen Regionen schon heute aus Fruchtfolgegründen nicht mehr erweiterbar. In EVA werden deshalb insgesamt 26 Fruchtfolgen an sieben Standorten getestet, die zum Teil unbekannte oder heute wenig angebaute Arten umfassen.

Erschienen in Ausgabe: 01/2007