ZEW-Studie: Management des EU-Emissionshandels verursacht hohe Kosten

Rund 800 Unternehmen in Deutschland nehmen am EU-Emissionshandel teil. Sie geben über 8,7 Mio.€ im Jahr für das Management und die Administration des Emissionshandels aus. Das entspricht einer durchschnittlichen Belastung von über 10.000€ pro Unternehmen und Jahr. Besonders groß ist die Kostenbelastung für Kleinemittenten, die weniger als 25.000t CO2 im Jahr ausstoßen.

12. März 2012

Ihre Kosten liegen im Vergleich zu großen Emittenten bis zu zehnmal höher pro Tonne CO2. Um diese ungleiche Belastung zu beseitigen, könnten Kleinemittenten vom Emissionshandel ausgenommen und durch andere Anreize zur CO2-Einsparung veranlasst werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW).

Um die ungleiche Kostenbelastung zu beseitigen, könnte eine Regelung nach australischem Vorbild getroffen werden. In Australien müssen Kleinemittenten erst gar nicht am jüngst eingeführten Emissionshandel teilnehmen. Bei ihnen ist vielmehr bereits beim Kauf von fossilen Rohstoffen eine entsprechende CO2-Abgabe eingepreist. »Dies setzt ökonomische Anreize zur CO2-Minderung, während gleichzeitig der administrative Aufwand gering gehalten wird«, erklärt Peter Heindl, Umweltökonom am ZEW.

Der größte Teil der administrativen Kosten im EU-Emissionshandel entfällt laut der Studie auf die Berechnung und Verifizierung der jährlichen Emissionsmengen (69%). Deutlich geringe Anteile entfallen auf den Handel mit Emissionsrechten (20%) und auf die allgemeine Informationsbeschaffung (11%).

Da die Höhe der anfallenden Transaktionskosten von der Emissionsmenge der Unternehmen abhängt, ist der finanzielle Anreiz zur CO2-Einsparung unterschiedlich stark gegeben. »In der Praxis verspüren kleine Emittenten stärkere Anreize zur CO2-Einsparung als größere. Dieser ungewollte Effekt hat zwar keinen Einfluss auf die ökologische Wirksamkeit des Emissionshandels, er mindert jedoch seine ökonomische Effizienz indem er die Größeren weniger anspornt als die Kleinen«, sagt Heindl.

Für die ZEW-Studie wurden Daten von 150 Unternehmen in Deutschland ausgewertet, die am EU-Emissionshandel teilnehmen. Im EU- Emissionshandel werden seit 2005 Treibhausgasemissionen von Industriebetrieben und von Energieerzeugern reguliert. Ziel ist die Senkung des Treibhausgasausstoßes in der EU bis zum Jahr 2020 um 21 Prozent im Vergleich zum Niveau im Jahr 2005.