ZEW-Umfrage: Entspannung bei Energiepreisen nur von kurzer Dauer

Bis Ende des Jahres 2012 müssen Großkunden in Deutschland voraussichtlich nicht mit weiter steigenden Energiepreisen rechnen. Anders sieht es dagegen aus, wenn man einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren ins Auge fasst. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des Energiemarktbarometers des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZSW) unter rund 200 Fachleuten aus der Energiewirtschaft und Wissenschaft.

26. Juli 2012

So müssen sich aus mittelfristiger Perspektive betrachtet Industrieunternehmen, große Gewerbebetriebe, Kommunen und andere Endverbraucher, die Strom, Erdöl, Erdgas und Kohle in großem Umfang nachfragen, auf einen deutlichen Preisanstieg einstellen. Deutlich weniger Experten als noch im Energiemarktbarometer Ende 2011 erwarten derzeit, dass die Preise für Strom, Öl, Gas und Kohle auf kurze Sicht steigen werden, so das ZSW. 70 % der Umfrageteilnehmer gehen von einem unveränderten Preisniveau für Strom bis zum Jahresende 2012 aus. Nur noch knapp 30 % sind davon überzeugt, dass die Elektrizitätspreise auf Sicht von sechs Monaten steigen werden. In der Befragung Ende 2011 erwarteten dagegen noch 47 % der Energiemarktexperten kurzfristig steigende Strompreise. »Diese Einschätzung stimmt mit den stabilen Prognosen für Primärenergieträger auf dem Weltmarkt überein. Somit ist ein Anstieg des Strompreises bis zum Jahresende eher unwahrscheinlich«, so Nikolas Wölfing, Wissenschaftler im Forschungsschwerpunkt Energiewirtschaft des ZEW. Denn nicht nur für Strom, sondern auch für Öl, Gas und Kohle so der Anteil der Experten, die kurzfristig steigende Preise erwarten, deutlich kleiner geworden als noch vor einem halben Jahr.

Langfristig, also auf Sicht von fünf Jahren, werden die Energiepreise allerdings anziehen. Davon zeigen sich die vom ZEW befragten Energiemarktexperten überzeugt. Fast 90 % der Befragten gehen davon aus, dass die Strompreise in den kommenden fünf Jahren steigen werden. 82 % prognostizieren langfristig steigende Ölpreise. Beim Erdgas rechnen fast drei Viertel der Befragten mit höheren Preisen und langfristig steigende Kohlepreise prognostizieren fast 70% der Experten des Energiemarktbarometers.

Das ZEW Energiemarktbarometer ist eine halbjährliche Befragung von rund 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis (Energieversorgungs-, -handels- und -dienstleistungsunternehmen, Regionalversorgern ebenso wie EVU und Ökostromunternehmen). Sie werden zu ihren Erwartungen hinsichtlich der kurz- und mittelfristigen Entwicklungen auf den nationalen und internationalen Energiemärkten befragt.