Zu langsam für den Wandel

Die Bundesnetzagentur hat ihren Jahresbericht für 2016 vorgelegt. Demnach schreitet der Ausbau des Stromnetzes voran, könne aber mit dem Wandel der Erzeugungslandschaft noch nicht Schritt halten. Maßnahmen wie Redispatch und Netzreserve haben in den vergangenen Jahren zugenommen.

08. Mai 2017

Von etwa 7.700 Kilometer Höchstspannungsleitungen, die mit hoher Priorität gebaut werden müssen, sind etwa 850 Kilometer realisiert. Davon entfallen rund 1.800 Kilometer Leitungen auf Projekte aus dem EnLAG, die in Zuständigkeit der Länder geplant werden. Hier sind 950 Kilometer genehmigt und rund 700 Kilometer realisiert.

5.900 Kilometer Leitungen entfallen auf Projekte aus dem Bundesbedarfsplangesetz, von denen rund 450 Kilometer genehmigt und fast 150 Kilometer realisiert sind.

Die Übertragungsnetzbetreiber haben Anträge auf Bundesfachplanung für die großen Nord-Süd-Korridore eingereicht. Die Bundesnetzagentur hat hierzu die förmliche Beteiligung der Öffentlichkeit gestartet.

"Wir sind bei der Energiewende nicht nur auf die Stromautobahnen angewiesen. Basis der Energiewende sind die rund 1,8 Millionen Kilometer Verteilnetz. Für das Gelingen der Energiewende ist ein sicherer und zuverlässiger Netzbetrieb vor Ort notwendig", so Katherina Reiche, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), zum Bericht der BNetzA.

Netzreserve

Bis die Stromleitungen in Betrieb gehen, wird weiterhin Netzreserve benötigt, um das deutsche Stromnetz in kritischen Situationen stabil zu halten, teilt die Regulierungsbehörde weiter mit.

Der Netzreservebedarf für den Winter 2017/2018 könne weitestgehend aus dem Bestand an Netzreservekraftwerken gedeckt werden. Im nächsten Jahr sei mit einer deutlichen Entspannung bei der Netzreserve zu rechnen. Mehr Informationen finden sich auf Energiespektrum.

Weniger Redispatch

Nach dem starken Anstieg 2015 sei andererseits die Zahl der Eingriffe der Netzbetreiber in den Kraftwerksbetrieb 2016 insbesondere aufgrund günstiger Witterungsbedingungen und der Fertigstellung der „Thüringer Strombrücke“ zurück gegangen, so die BNetzA. Die Redispatch- und Einspeisemanagementmaßnahmen verringerten sich um rund ein Viertel.

Genaue Zahlen hierzu will die Bundesnetzagentur in einigen Wochen vorlegen. Eine echte Trendwende bei der Anzahl der Eingriffe sei erst zu erwarten, wenn nach Abschaltung der letzten Kernkraftwerke der Netzausbau realisiert worden ist.

"Stabile Netze führen in Summe zu einem stabilen Versorgungssystem. 97 Prozent der erneuerbaren Energien werden verbrauchsnah über die Verteilnetze eingespeist", so Reiche weiter.

"Den vorhandenen Strom in den Verteilnetzen sollten wir nutzen und nicht wegwerfen. Durch eine intelligente Vernetzung von Erzeugung und Verbrauch können Lastflüsse bereits vor Ort integriert werden, wodurch auch das Übertragungsnetz entlastet wird."

Der Jahresbericht 2016 der Bundesnetzagentur ist auf deren Seiten im Downloadbereich zu finden.