»Zügige Einführung erhält uns eine führende Position«

Das Saarbrücker Institut für ZukunftsEnergieSysteme izes gGmbH hat ein Gutachten zu Instrumenten der Markteinführung stationärer Brennstoffzellen erstellt. Abteilungsleiter Dr. Bodo Groß erläutert die Ergebnisse.

03. September 2007

bzm: Wie schätzen Sie den Stand der Technologieentwicklung stationärer Brennstoffzellen in Deutschland heute ein?

Deutsche Unternehmen haben in den letzten Jahren mit großem Engagement in die Weiterentwicklung der stationären Brennstoffzellen investiert und rangieren im weltweiten Technologievergleich auf den vordersten Plätzen.

bzm: Wie sollte die Förderung gestaltet sein, um diese optimal zu begleiten?

Wir empfehlen ein nach Leistungsklassen differenziertes Modell. Dieses setzt sich aus einem erhöhten KWK-Bonus für Strom aus Brennstoffzellen und einem in drei Stufen unterteilten Investitionszuschuss für die Anlagen zusammen. Die einzelnen Förderphasen sind im Volumen begrenzt, zeitlich befristet und degressiv gestaltet. Am Ende jeder Phase sind bestimmte technische und wirtschaftliche Kriterien zu erfüllen, deren Erreichen zum Einstieg in die nächste Phase notwendig sind.

bzm: Ist ein Brennstoffzellen-Bonus im KWK-Gesetz auch für in der Hausenergieversorgung eingesetzte Geräte eine gute Lösung? Deren Energieproduktion ist doch vorwiegend am Hausenergiebedarf ausgerichtet.

Nach derzeitiger Gesetzeslage wird eine Vergütung nur für eingespeisten Strom gewährt. Durch eine anwendungsorientierte und nach Leistungsklassen differenzierte Brennstoffzellenkomponente im KWK-Gesetz besteht jedoch die Möglichkeit, die Markteinführung von Brennstoffzellen für alle stationären Anwendungen an die Technologie angepasst effizient zu unterstützen. Um Herstellern und Anwendern frühzeitig geeignete Investitionsanreize zu geben, sollte die Brennstoffzellenkomponente für Hausenergieanwendung sowie für Brennstoffzellen-BHKW bereits im Rahmen der laufenden Novellierung des KWK-Gesetzes differenziert angepasst werden.

bzm: Sie schlagen auch eine Förderung über Investitionskostenzuschüsse vor. Welche Kriterien haben Sie bei Ihrem Vorschlag zugrunde gelegt?

Für die einzelnen Stufen ist einerseits an eine Deckelung der insgesamt und der pro Hersteller geförderten Anlagen zu denken. Darüber hinaus sollten Zeitkomponenten eingeführt werden. Die Möglichkeit, einen Zuschuss zu erhalten, sollte für jede der drei Stufen zeitlich begrenzt werden. Diese Grenze sollte allerdings nicht zu eng gezogen werden, um Nachzüglern noch Wettbewerbschancen zu lassen. Den notwendigen Wettbewerbsdruck könnte man dadurch erreichen, dass die Festpreisförderung pro Stufe jedes Jahr um einen bestimmten, vorher festgelegten Prozentsatz gesenkt wird.

bzm: Welches Fördervolumen ergibt sich aus Ihrem Modell?

Bei angenommenen zwei Herstellern von Brennstoffzellen-BHKW, fünf Herstellern der kleinen Brennstoffzellen-Heizgeräte mit 1,5 kW elektrisch und drei Herstellern der größeren mit 5 kW elektrisch ergäbe sich danach insgesamt ein Volumen von etwa 540 Millionen Euro an Investitionszuschüssen innerhalb der nächsten zehn Jahre. Dazu kommen die Einspeisevergütungen, wobei sich aus der Brennstoffzellenkomponente im KWK-Gesetz etwas mehr als 135 Millionen Euro Mehrkosten gegenüber dem bestehenden Technologiebonus von 5,11 Cent pro kWh über einen Zeitraum von ebenfalls zehn Jahren errechnen. Die jährliche Belastung für die Stromkunden durch diese zusätzliche Einspeisevergütung ist jedoch sehr gering.

bzm: Kritisiert wird, dass die Markteinführung in der Hausenergie zu früh gelegt ist. Waren Sie zu optimistisch?

Wir glauben, dass der Zeitpunkt durchaus realistisch ist. Zum Erreichen dieser Ziele ist aber die enge und zielgerichtete Zusammenarbeit zwischen Herstellern, Politik und den Energieversorgern notwendig. Eine zügige Markteinführung erhöht die Chancen, die führende Position auch mittel- und langfristig zu behalten. Eine Markteinführung ist jedoch nur dann sinnvoll, wenn die Systeme entsprechend ausgereift sind. Unser Gutachten gibt eine ambitionierte Zeitplanung vor, die tatsächlichen Markteinführungszeitpunkte und Zuschüsse sind durch enge Abstimmung zwischen Regierung und Industrie sorgfältig festzulegen. Dabei sollte eine unabhängige wissenschaftliche Institution die Entwicklungserfolge an Qualitätskriterien beurteilen.

bzm: Häufig hört man, dass die Japaner weiter sind. Lässt sich dies aufholen?

Bei der Hausenergieversorgung mit Brennstoffzellen ist in Japan ein Vorsprung in der Entwicklung und bei Demonstrationsprojekten festzustellen. Dort steht man kurz vor der Markteinführung, jedoch mit Produkten, die den gesetzlichen Anforderungen in Deutschland und Europa nicht oder nur unzureichend genügen. Insgesamt ergibt sich daraus im Vergleich mit Japan für den Bereich der Hausenergieversorgung ein positives Bild für deutsche Hersteller. Im Bereich der Brennstoffzellen- BHKW liegt Deutschland an der Weltspitze. In diesem Bereich kommen die Konkurrenten aus den USA. (mn)

Erschienen in Ausgabe: 03/2007