Zukunftsichere Stromversorgung für Fårvang

Kompakte gasisolierte Schaltanlage vom Typ NX Plus im Einsatz

In dem Ort Fårvang setzte das Energieversorgungsunternehmen Midtjysk Elforsyning (MEF) erstmals eine gasisolierte Schaltanlage vom Typ NX Plus ein. Die Anlage ist wartungsfrei, umweltunabhängig und sehr kompakt.

11. Mai 2001

Auf der dänischen Halbinsel Jütland zwischen Nordsee und Ostsee finden sich viele idyllische Orte und Landschaften. Kleine, gemütliche Dörfer, weiße Strände und Häfen, in denen es noch nach Teer und Fisch riecht. Aber auch hier steigt der Bedarf an elektrischer Energie, Umspannwerke müssen ausgebaut oder an die aktuellen Bedürfnisse angepasst werden.

Fårvang ist ein kleines dänisches Dorf in der Nähe von Silkeborg auf Jütland. Hier befindet sich seit 40 Jahren eine einwandfrei funktionierende Umspannstation, die rund 7.000 Haushalte und Unternehmen mit Strom versorgt. Doch mit dem wachsenden Strombedarf der örtlichen Industrieunternehmen mussten die beiden Transformatoren ausgetauscht werden. Die Leistung verdoppelte sich von 20 auf 40 MVA, was eine Anpassung der 25 Jahre alten Schaltanlage erforderte. Auch die beiden 60-kV- Freileitungen von je 1.100 m Länge wurden durch zwei Erdkabel ersetzt.

Das Elektrizitätsversorgungsunternehmen MEF, das die Umspannstation betreibt, hat sich für eine gasisolierte Schaltanlage vom Typ NX Plus entschieden. Dieser Anlagentyp ist für eine Spannung bis 36 kV, einen Kurzschluss-Ausschaltstrom bis 31,5 kA und einen Betriebsstrom bis 2.500 A ausgelegt. NX Plus erfüllt alle Anforderungen der MEF in Bezug auf Wartungsfreiheit, Umweltunabhängigkeit und Kompaktheit: Die salzhaltige Luft hat keinen Einfluss auf spannungsführende Teile, und das Schaltanlagengebäude muss nicht umgebaut werden, obwohl die Anlage von sieben auf zehn Felder erweitert wurde und Platz für zwei weitere Felder bietet. Zudem sind bei der neuen Schaltanlage keinerlei Gasqualitätskontrollen und Gasarbeiten mehr notwendig.

Ergänzt wird die Schaltanlage NX Plus durch Siprotec-Feldgeräte und Sicam- Energieautomationssysteme. Diese ermöglichen eine komfortable und einfache Bedienung der Anlage. Interessant sind insbesondere die frei parametrierbaren Abzweigsteuerbilder, die benutzerdefinierbaren Funktionstasten (Schaltfolgen) und die benutzerdefinierbare Logik (Verriegelungen).

Diese flexible und einfache Anpassung an die jeweilige Anwendung ermöglicht eine durchgängige Kommunikation zwischen Mittelspannungs- und Hochspannungsanlage, so dass ein Teil der Hochspannungsanlage von der Mittelspannungsschaltanlage aus überwacht werden kann. Dass nebenbei noch Servicedaten jederzeit einfach verfügbar sind und die integrierte Überwachung in den Geräten die Sicherheit erhöht, zeigt, dass die MEF auch hier eine sichere und wirtschaftliche Lösung angestrebt hat.

NX Plus ist eine gasisolierte, metallgekapselte und metallgeschottete Mittelspannungs- Leistungsschalteranlage in modularerer Bauweise. Wesentliche Elemente der neuen Schaltanlage sind die hermetisch verschweißten mit Gas gefüllten Edelstahlmodule, die keinerlei Dichtungen enthalten. In diesen Modulen befindet sich jeweils das Primärschaltgerät.

Eine in Schraubtechnik ausgeführte Modulkupplung verbindet sämtliche Module miteinander. Erst das Konzept der Modulkupplung ermöglicht den modularen Aufbau der Felder und damit die Verbindung der hermetisch verschweißten Behälter. Diese Konzeption ermöglicht einen Behälter- oder Feldtausch, eine Erweiterung der Anlage oder auch die Entsorgung gänzlich ohne Gasarbeiten in der Anlage.

Die Dreistellungsschalter zum Trennen und Erden sowie die Leistungsschalter werden grundsätzlich über Motoren angetrieben. Eine mechanische Bedienung ist jedoch jederzeit möglich. Die elektrische Bedienung erfolgt über die ergonomisch günstig angeordnete Bedieneinheit des Siprotec-Feldgeräts. Alle Kabel sind über gekapselte Kabelstecker angeschlossen. Dieses bietet neben einer erhöhten Personensicherheit auch Schutz vor Betriebsunterbrechungen, etwa durch Kleintiere oder Verschmutzungen.

Die langjährige Zusammenarbeit mit Siemens ist einer der Gründe dafür, dass MEF als erstes Unternehmen NX Plus in seinem Netz eingesetzt hat. Im übrigen ist MEF mit der Rolle des Trendsetters durchaus vertraut, da sie schon vor über 20 Jahren neue Schaltanlagentechnologien von Siemens einführte. Damals war es eine Schaltanlage des Typs 8BD1 mit dem damals völlig neuen Schalter 3AF auf der Basis von Vakuum-Schaltröhren.

Dipl.-Ing. Bent Poulsen ist Oberingenieur bei der Midtjysk Elforsyning (MEF), Silkeborg, Dänemark;

Dipl.-Ing. Thomas Lange ist Vertriebsbeauftragter, und

Dipl.-Ing. Stephan Werner ist Produktmanager NX Plus, beide bei der Siemens AG, Geschäftsgebiet Mittelspannung, Erlangen

Erschienen in Ausgabe: 11/2000