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Management

Analyse - Durch die Novelle des EnWG sowie die stetigen Änderungsvorgaben der Bundesnetzagentur sind einschneidende Modifikationen vieler Geschäftsprozesse nötig, auch in Zukunft. Ein Controlling-System kann bei der Abschätzung hilfreich sein - wenn es denn dafür geeignet ist und auch entsprechend genutzt wird.

02. März 2012

Controlling-Systeme sind heute nahezu in jedem Energieversorgungsunternehmen (EVU) vorhanden, wie ein Blick auf bekannte ERP-Branchenlösungen wie etwa SAP IS-U zeigt. Doch leider fristen sie in der Praxis nicht selten ein Schattendasein. Genutzt werden häufig nur rudimentäre Anwendungen wie Kostenstellenrechnungen.

Und allzu oft wird das operative Controlling oder interne Rechnungswesen als ›ungeliebtes Anhängsel‹ des externen Rechnungswesens gesehen, anstatt es als Management Accounting gleichberechtigt neben dem Financial Accounting für die Unternehmenssteuerung zu akzeptieren. Denn nur ein breit verankertes Controlling-System eröffnet EVU unter anderem Unternehmensziele zu operationalisieren, Planungen zu optimieren sowie ursachengerechte Abweichungsanalysen oder Erlös- und Kostenkontrollen.

Mit einer geeigneten Lösung können etwa Kosten von weitgehend standardisierten Geschäftsprozessen und die Transaktionskosten im deregulierten Markt beziffert und in Grenzen gehalten werden. Denn durch die Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) sind einschneidende Modifikationen vieler Geschäftsprozesse nötig geworden.

Wodurch zeichnet sich nun ein geeignetes System für den Energieversorger aus, welche Instrumente sollte es auf jeden Fall umfassen? Um Kosten zu minimieren, ihre Ursachen verantwortungsgenau zu erkennen, ist eine Lösung erforderlich, die für ein entscheidungsorientiertes Kostenmanagement neben periodengerechten Istkosten auch Plankosten ausweist. Außerdem sollte sie Leistungsbewertungen zu Grenzkosten ermöglichen sowie korrekte innerbetriebliche Leistungsverrechnungen und die Prozesskosten thematisieren.

Mit einem solchen kostenrechnerischen Instrumentarium lassen sich etwa Geschäftsprozesse verursachungsgerecht bewerten sowie IT-Kosten mit korrekten Verrechnungssätzen allokieren. Besonders durch die Prozesskostenrechnung sind Fragen im Zusammenhang mit Geschäftsprozessänderungen infolge geänderter Vorgaben zu beantworten: Was ist per Saldo zu erwarten, wenn Geschäftsprozesse kostenverursachend modifiziert werden müssen, aber andererseits kostensenkend standardisiert sind? Zudem ermöglicht solch ein Instrument, Kosten je Kunde oder je Zählpunkt sachgerecht zu ermitteln.

Sind diese Kosten bekannt, lässt sich die Frage nach der Effizienz von Geschäftsprozessauslagerungen auf Application Service Provider oder Shared Services beantworten - die kaufmännische Prüfung von Make-or-Buy-Entscheidungen ist dann sichergestellt.

Auch lassen sich Kosteneinsparungen bei gleichzeitiger Verbesserung der Usability des Controlling-Systems verwirklichen. Und zwar durch Schaffung serviceorientierter Architekturen (SOA) mit anwendergerecht verbesserten Benutzeroberflächen der genutzten IT. Ergänzungen oder Modifikationen für das Business Process Management im Falle von geänderten Geschäftsprozessen - besonders infolge neuer Vorgaben - sind dann relativ einfach und vor allem kostenminimal realisierbar.

Um Erträge und Erlöse zu stärken, ihre Ursachen zu erkennen, verfügt ein geeignetes Controlling-System auch über differenzierte Instrumente für das Ertragsmanagement. Damit ermöglicht werden unter anderem:

Ertragsplanungen mit unterschiedlichen Zeithorizonten, periodengerechte Analysen oder Ad-hoc-Analysen der Umsätze sowie mehrdimensionale Vertriebsauswertungen, unterschieden besonders nach Produkten/Tarifen, Kundengruppen und Regionen.

Tarifprodukte beurteilen

Ganz besonders gehört hierzu auch ein sachgerechtes Tool für das Tarifmanagement, basierend etwa auf der modernen Konzeption dynamisch-kundenspezifischer Tarif-Angebote. Eröffnet werden so differenzierte Preisgestaltungen, analog den Tarifen der Mobilfunkanbieter. Folgerichtig muss für ein modernes Ertragsmanagement auch im Privatkundenbereich das Controlling-System zur Preis- und Nachfragesteuerung entsprechend auf- oder ausgebaut werden.

Angebotene Tarife dürfen sich nicht nur nach aktuellen Verfügbarkeiten der Energie richten, sondern sollten zusätzlich nachfrageorientiert an kunden- und lieferspezifische Aspekte ausgerichtet sein. Hierin sind auch Parameter für das moderne Demand Side Management erkennbar. Wesentliche Voraussetzung für die Verwirklichung solcher Angebote im Privatkundenbereich ist aber die Smart-Meter-Einführung.

Für Recherchen geplanter oder realisierter Effizienzsteigerungen unerlässlich sind entscheidungsorientierte Berichts- oder Kennzahlensysteme, visualisiert in Form von sogenannten Management Cockpits oder Dashboards. Sie stellen zielgruppenspezifische Steuerungsinformationen zur Verfügung, die meist aus einem Business Information Warehouse stammen und neben technischen besonders die wirtschaftlichen Parameter und Erfolgs- oder Liquiditätskennzahlen als Key Performance Indicators (KPI) darstellen.

Detaillierte und dennoch übersichtlich visualisierte Steuerungsinformationen helfen dem Management, die Effizienz des EVU über alle Funktionsbereiche besser zu beobachten und zielkonform zu gestalten. Beispielsweise wird zeitnah transparent, welche Erlöse einzelne Produkte zu welchen Zeitpunkten erzielen - Vertriebs- und Marketingaktivitäten können besser mit Real-Time-Pricing-Strategien verknüpft werden.

Dr. Frank Kieper (Plaut Economics)

Erschienen in Ausgabe: 02/2012