Zur Not

Technik Rechenzentrum

Planung - Die Notstromversorgung eines Rechenzentrums kommt im besten Fall nie zum Einsatz. Falls doch, muss alles passen. Experten haben einen Leitfaden für betriebssichere Rechenzentren geschrieben.

23. Januar 2017

Zulässige Ausfallzeiten haben bei der Planung von Notstromanlagen höchste Priorität. In der Rechenzentrum-Kategorie B wird für Notstromanlagen eine Verfügbarkeit binnen 15Sekunden empfohlen sowie ein Brennstoffvorrat für bis zu 24 Stunden. Die zulässige RZ-Ausfallzeit wird in einem Leitfaden des Branchenverbandes Bitkom mit einer Stunde angegeben.

Kategorie C sieht eine redundante Auslegung der Notstromversorgung vor sowie die Verfügbarkeit binnen 15Sekunden; der Brennstoff sollte für bis zu 72 Stunden reichen. Bis zu zehn Minuten darf dem Leitfaden »Betriebssichere Rechenzentren« zufolge das RZ ausfallen. Oberste Priorität haben Rechenzentren der Kategorie D. Hier beträgt die zulässige Ausfallzeit weniger als 60 Sekunden.

Anlage konzipieren

Pro Versorgungspfad muss ein Notstromaggregat zur Verfügung stehen, optional in redundanter Ausführung. In maximal 15 Sekunden müssen die Aggregate zur Verfügung stehen, deren Brennstoffvorrat muss für mindestens 72 Stunden ausreichen. Für deren Tanks muss es ein Betankungsmanagement geben. Für die Auslegung der Aggregatleistung sind folgende Faktoren bestimmend: die Summe der Verbraucher, der Gleichzeitigkeitsfaktor, die Einschaltströme und der Einschalt-cos phi der Verbraucher, die Netzrückwirkungen der Verbraucher, das zulässige dynamische Verhalten, die Reserve für Erweiterungen sowie der Zuschlag für abweichende Umgebungsbedingungen.

Einschaltverhalten

»Bei der Addition der Verbraucherleistung ist darauf zu achten, dass Scheinleistung und Wirkleistung anzugeben sind«, so die Autoren des Leitfadens. Die Aggregatleistung ist bei Rechenzentren mit dem Gleichzeitigkeitsfaktor1 auszulegen, da sommers wie winters alle Verbraucher den Betrieb des Rechenzentrums aufrechterhalten müssen. Das Anlauf- und Einschaltverhalten von Elektromotoren oder Transformatoren beeinflussen die Aggregatleistung. Bei Asynchronmotoren kann die Wirkleistung die zwei- bis dreifache Nennleistung erreichen. Eine zeitlich gestaffelte Zuschaltung reduziert die erforderliche Aggregatleistung. Der Leitfaden kann kostenlos mit der untenstehenden URL heruntergeladen werden. (hd)

  

Erschienen in Ausgabe: 01/2017