Zwischenspeicher Erde

Geothermie Die neue EE G-Regelung wirkt sich positiv auf laufende Projekte aus. Entsprechend klimatisierte Gewerbehallen liegen im Trend.

02. Oktober 2008

Der Weg ist das Ziel und freigeschaufelt ist er nun für eine vom Bund höher geförderte Wärmegewinnung aus erneuerbaren Energiequellen: Mit der Öffnung des aktuellen KfW-Programmes ›Erneuerbare Energien‹, für das seit Anfang September Anträge eingehen, werden Contractoren angereizt, in erneuerbare Energien zu investieren. Wie das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit kürzlich mitteilte, will die Regierung das Programm in diesem Jahr mit 350 Mio. € und ab 2009 mit jährlich 500 Mio. € unterstützen.

Bereits seit Ende 2007 gilt das Marktanreizprogramm der Bundesregierung zur Förderung der Erneuerbaren auch für die Erdwärmepumpe. Selbst die weiteren Aussichten für Anlagen zur Nutzung von Tiefengeothermie sind vielversprechend, ist doch für Erdwärme eine höhere EEG-Förderung vorgesehen, während die Unterstützung für Solarenergie nachlässt.

Davon eine Scheibe abschneiden können sich aktuell laufende Geothermie-Projekte, wie etwa die auf Erdwärmebasis neu gebaute Fertigungs- und Lagerhalle der Anlagenbau Günther GmbH, einem Hersteller von Recycling- und Sondermaschinen für die Abfalltrennung aus dem osthessischen Lauterbach.

»Unsere jährlichen Kosten für Wärme und Strom reduzieren sich durch die Nutzung der Erdwärme um mehr als die Hälfte«, resümiert Geschäftsführer Bernd Günther. Bereits im November 2007 startete er mithilfe des Planungsbüros für erneuerbare Energie aus Eichenzell die Baugrunduntersuchung und die Auswertung des zukünftigen Sondenfeldes. Bereits im Februar 2008 setzten die Geothermie-Spezialisten der Lauterbacher Firma Uniwork 13 Bohrlöcher in 150 m Tiefe auf dem Grundstück (siehe Bild links). Im März schließlich konnten die Rohre verlegt und die Verbindungsleitungen zum Gebäude für die Haustechnik bereitgestellt werden.

Frostfrei durch Erdwärme

Das kürzlich in Betrieb genommene und 155.000 € teure Erdwärmepumpensystem, das im Winter heizt und im Sommer kühlt, soll sich nach achteinhalb Jahren amortisiert haben, so die Kalkulation von Bauherr Günther. Kosteneinsparungen von bis zu 90 % hält Uniwork-Geschäftsführer Felix Stabernack für möglich, da die Erdwärme in Lauterbach auch die Prozesskälte für die Anlagenherstellung sicherstellt. »Besonders interessant für gewerbliche Energienutzer sind zudem solche Verfahren, die mithilfe von Erdwärme Flächen wie Rampen, Parkplätze und Straßen im Winter frostfrei halten«, ergänzt Stabernack.

Der Trend zur steigenden Erdwärmepumpen- Nutzung belegt der Bundesindustrieverband Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik (BDH). Laut diesem wurden im letzten Jahr lediglich 550.000 herkömmliche Heizungen eingebaut. 2006 lag die Zahl dagegen noch bei 762.000. Auch thermische Solaranlagen verkauften sich in 2007 nicht mehr so gut. Festbrennstoffkessel wie Pelletheizungen verlieren laut BDH an Bedeutung. Nur die Wärmepumpe konnte mit 46.000 installierten Einheiten dem Abstiegstrend trotzen und ihr gutes Vorjahresergebnis wiederholen.

Den Wirtschaftsvergleich einer Geothermie- Anlage zu einem Erdgas-Heizsystem zog auch der größte deutsche Verlagsauslieferer – das Cornelsen Verlagskontor (CVK) in Bielefeld. Bereits im Frühjahr 2007 feierte der Logistik-Dienstleister die Einweihung seiner neuen Lager- und Kommissionierungshallen mit 5.000 m2.

»Zwar benötigt die Geothermie-Anlage im Vergleich zu einem Erdgas-Heizsystem mit 400.000 Euro zuzüglich 150.0000 Euro für die Fußbodenheizung 30 Prozent höhere Investitionen«, erläutert Horst Keplinger, Geschäftsführer des CVK, »jedoch ergaben unsere Berechnungen 45 Prozent niedrigere Betriebskosten«. Bei moderat steigenden Preisen für Erdgas und Strom rechnet Keplinger mit sieben Jahren Amortisationszeit. »Realistisch sind jedoch stark ansteigende Energiekosten, die diese Zeit noch verkürzen«, so Keplinger.

28 Löcher in 130 m Tiefe galt es dafür zu bohren. Facharbeiter setzten alle acht Meter mit einem 140-mm-Bohrer ein Loch und stießen auf 200 Mio. Jahre alten Jura-Tonstein. Die durch die Sonden entzogene Wärme kommt der Fußbodenheizung in den neuen Hallen zugute. Ist es im Sommer heiß, funktioniert das System – ähnlich dem Projekt in Lauterbach – umgekehrt: Die dem Gebäudekomplex entzogene Wärme wird über die Sonden an den Untergrund abgegeben. Zusätzlich wird im Sommer auch Abwärme aus dem Nachbargebäude in die Erde abgeführt.

Insgesamt gelangen damit in der warmen Jahreszeit rund 120.000 kWh Energie zum Zwischenlagern in den Untergrund. Im Winter bringt die Wärme Systemvorteile: Die Quellentemperatur für diese Wärmepumpe wird angehoben, wodurch diese mit höherer Effizienz arbeiten kann.

Insgesamt haben die in das Projekt eingebundenen Architekten und Planer errechnet, dass durch den Geothermieeinsatz der Primärenergieverbrauch zum Heizen der Neubauten um etwa 58 % und der zum Kühlen um etwa 86 % im Vergleich zu einer herkömmlichen Anlage geringer sei. Der Gesamtprimärenergiebedarf beträgt damit nur 38 kWh/m2 pro Jahr, so die Düsseldorfer EnegieAgentur NRW. 100 t CO2 werden nun in Bielefeld jährlich weniger in die Umwelt ausgestoßen.

Erschienen in Ausgabe: 10/2008