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Netzstabilität hat ihren Preis


Die Bundesnetzagentur hat die Zahlen zu Redispatch und Einspeisemanagement für 2017 veröffentlicht. Nachdem im windschwachen Jahr 2016 ein Rückgang der Maßnahmen verzeichnet wurde, sind diese 2017 wieder stark angestiegen.

Mit dem Anstieg der Maßnahmen gehe auch ein Kostenanstieg einher. Die Kosten im Jahr 2017 liegen mit insgesamt circa 1,4 Milliarden Euro weit über denen des windarmen Jahres 2016 von rund 880 Millionen Euro, teilt die BNetzA weiter mit.

Sie liegen auch über dem bisherigen Höchststand des Jahres 2015 von rund 1,1 Mrd. Euro. Gestiegen seien insbesondere die Kosten für Einspeisemanagement-Maßnahmen.

Wirkung der Thüringer Strombrücke

„Die Thüringer Strombrücke hat zu einer Senkung des Redispatchbedarfs und der Kosten bei einem zuvor hoch überlasteten Netzelement geführt“, so Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur. „Die Gesamtkosten der Netzstabilisierung stiegen dennoch 2017 auf 1,4 Milliarden Euro an. Nur der Netzausbau kann langfristig die hohen Kosten für die Netz- und Systemsicherheit senken."

Im vierten Quartal 2017 wurde der Redispatchbedarf im Vergleich zum windreichen vierten Quartal 2015 gedämpft. Dies sei unter anderem auf die vollständige Inbetriebnahme des Netzausbauprojekts „Thüringer Strombrücke“ im September 2017 zurückzuführen, so die Regulierungsbehörde.

Die Überlastung der zuvor hoch belasteten Leitung „Remptendorf-Redwitz“ sei in der Folge auf nur noch rund 18 Stunden gesunken. Im vierten Quartal 2015 lag sie noch bei rund 1836 Stunden.

Hohe Werte

Redispatch- und Einspeisemanagement-Maßnahmen werden von den Netzbetreibern ergriffen, um das Netz zu stabilisieren.

Die Menge der Abregelungen durch Redispatchmaßnahmen stieg laut der BNetzA 2017 auf rund 10.200 GWh, die angeforderte Erhöhung der Einspeisung durch Markt- und Reservekraftwerke lag bei rund 10.238 GWh. Das gesamte Redispatchvolumen lag damit bei rund 20.439 GWh.

Auch die Abregelung erneuerbarer Energieträger durch Einspeisemanagement-Maßnahmen stieg auf den bislang höchsten Wert von 5.518 GWh.

Ausschlaggebend für die hohen Redispatchwerte sei vor allem das erste Quartal 2017 gewesen, so die Regulierungsbehörde: Trotz geringer Windeinspeisung hatten unter anderem eine ungewöhnliche Lastflusssituation in Deutschland und eine europaweite Kälteperiode zu einer starken Belastung der Stromnetze geführt.

Außerdem war 2017 nach vorläufigen Angaben der Übertragungsnetzbetreiber das Jahr mit der bislang höchsten Einspeisung aus Windenergieanlagen. So wurde laut der Behörde im windreichen vierten Quartal auch die bislang höchste Menge an erneuerbaren Energien abgeregelt.

Der Bericht zu Netz- und Systemsicherheitsmaßnahmen im vierten Quartal 2017 mit den Gesamtzahlen zu 2017 ist auf den Internetseiten der Bundesnetzagentur unter http://www.bundesnetzagentur.de/netzsystem-quartalsbericht zu finden.

Neue Initiative zu Redispatch

In Baden-Württemberg haben die Stromnetzbetreiber TransnetBW und Netze BW nun eine Initiative zum Thema Redispach ins Leben gerufen. Das Ziel ist es, auf einer digitalen Plattform Maßnahmen zur Netzstabilisierung über alle Netzebenen hinweg zu koordinieren.

Der Ansatz soll es künftig allen Netzbetreibern in Baden-Württemberg ermöglichen, Anlagen, die auf Verteilnetzebene angeschlossen sind, zur Netzstabilisierung einzusetzen. Der Name der Initiative Da/Re steht für Datenaustausch/Redispatch.

Bevor künftig dezentrale Anlagen, teilweise in sehr großer Zahl, über Spannungsebenen hinweg koordiniert eingesetzt werden können, müssen noch viele Detailfragen beantwortet werden, teilen TransnetBW und Netze BW weiter mit. Da/Re soll den Rahmen für die dazu notwendige enge Zusammenarbeit aller Netzbetreiber bieten.

Die Initiatoren wollen die digitale Plattform-Lösung im Jahr 2021 implementieren; dem wird ab 2019 eine Pilotphase vorausgehen.

Datum:
    19.06.2018
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