Der die Stadt vernetzt

Menschen

Smart City. Luft, Verkehr, Licht: nur Themen für Großstädte? Sicher nicht. Smight-Chef Oliver Deuschle über das Zusammenwirken von Mensch und Technik in der modernen Kommune.

27. Februar 2018

Herr Deuschle, wer treibt die Elektromobilität? Der Markt, die Ordnungspolitik? Welche Rolle spielt Smight in diesem Markt?

Der Ausbau der Ladeinfrastruktur zieht stark an auf Basis der Förderprogramme, die gerade in den Markt kommen. Das Anbieten von Ladeinfrastruktur sehen wir als großes Themenfeld, aber immer mit dem Fokus, dass wir als Smart-City-Dienstleister der Ladeinfrastruktur Mehrwertdienste mitgeben.

Generell hat Smight ja den Ansatz der Multifunktionalität. Das Ziel ist, den öffentlichen Raum mit Mehrwertdiensten zu versorgen, die über den einzelnen Use Case hinausgehen.

Was heißt das genau?

Das heißt, wenn wir Straßenbeleuchtungsmasten mit Ladefunktion anbieten, dass wir dann zusätzlich Umweltsensorik, Wi-Fi-Netzwerke oder Notruffunktionen mit anbieten.

Für uns ist wichtig, dass der öffentliche Raum mit multifunktionalen Elementen ausgestattet wird. Das ist nicht nur technologisch gemeint, sondern wir wollen Lösungen entwickeln, die einen Mehrwert für den Kunden schaffen.

Wir werden nicht nur Umweltsensorik rausbringen, damit man messen kann, sondern damit daraus zum Beispiel Verkehrskonzepte entstehen; etwa um Verkehrsströme optimaler zu lenken oder den Parkraumsuchverkehr zu minimieren.

Wer ist Ihr Kunde? Die Kommune, ein Dienstleister für Straßenbeleuchtung? Beide?

Sehr häufig sind es Kommunen, Städte, Stadtwerke oder Netzbetreiber, die immer eine hohe Affinität zum eigenen Betrieb von Straßenbeleuchtung haben.

Unser Geschäft ist darauf ausgerichtet, dass wir Produkte für diejenigen anbieten, die mit der Straßenbeleuchtung sowieso umgehen. Und die in der Lage sind, dadurch unsere Produkte sehr einfach zu installieren und zu warten. Wir bieten diesen Kunden Produkte an, aber auch das Datenmanagement. Wir sind derjenige, der einem Anbieter für Straßenbeleuchtung, einem Stadtwerk, die Technologie liefert und der Stadt dann die Daten zurückliefert zur weiteren Verwendung.

Bei Datenmanagement, intelligente Infrastruktur, Smart City und so weiter denkt man vor allem an urbane Räume. Ist das ein Problem? Wie sieht es im ländlichen Raum aus?

Wir sehen dort ähnliche Anwendungsfälle mit einer unterschiedlichen Ausprägung. Um es mal konkret zu machen: Wenn Sie über das Thema Verkehrsflusssteuerung sprechen, dann ist es natürlich ein Thema in der Stadt. Es ist aber genauso ein Thema auf dem Land.

Deshalb reden wir gerne über Smart Regions, weil die genau ähnliche Herausforderungen haben. Etwa der Verkehrsfluss von der Autobahnabfahrt durch das Gebiet der Kommunen. Die Ampelschaltungen sind dann nicht darauf ausgerichtet, dass das punktuell, temporär, unvorhergesehen geschieht. Genau daraus entstehen Nachfragen von Kommunen.

Benötigt wird eine Übersicht oder eine Vorausplanung, damit die Verantwortlichen sehen, dass der Verkehr zunimmt. Um dann vielleicht eine Ampel in der Ortsmitte zu schalten, damit es nicht zu Staus an der Hauptkreuzung der Ortsmitte kommt. Die Herausforderungen sind unterschiedlich, der Lösungsraum ist aber ähnlich.

Verkehr ist das eine, die Umweltbelastung ist das andere. Die ist genauso im ländlichen Gebiet ein Thema wie in der Stadt.

Bitte beschreiben Sie Ihr Geschäftsmodell etwas genauer, zum Beispiel für Straßenbeleuchtung. Sie setzen die Hardware, die Kommune zahlt monatlich eine Gebühr für die Service der Leuchte?

So ist es. Wir bieten als Dienstleister drei Elemente an. Zum einen Hardware, die wir selbst entwickelt; der größte Teil unserer Arbeit ist Hard- und Softwareentwicklung. Das Gedankengut, die Ideen, die Professionalität, die kommen bei uns aus dem Smight-Team, das macht uns aus.

Mit der Hardware bringen wir eine Steckdose für jegliche Art von Sensorik in den öffentlichen Raum. Daran können sie einen beliebigen Sensor anschließen, sei es ein Verkehrssensor, Parkraum, CO2 oder eine Voice-Over-IP-Gegensprechanlage.

Punkt zwei sind das Datenmanagement und die Datenverwaltung. Wir versehen die Daten mit Predictive Analytics und stellen sie dem Kunden dann wieder zur Verfügung in seinem Verkehrsleitsystem, in einem Dashboard, das er von uns bekommen kann oder in seiner App.

Punkt drei ist eine Plattform, mit der die Kunden den Zustand der Technologien überwachen können. Kurz gesagt, wir bringen die Technologie raus, wir managen die Daten, stellen sie zur Verfügung, und wir bieten ihm Serviceplattformen an, mit denen man die Anlagen da draußen auch sehr serviceeffizient betreiben kann.

Wem gehören die Daten, wer hat die Datenhoheit?

Das entscheidet der Kunde. Wir stellen dem Kunden die Daten zur Verfügung, der muss dann auch diese Fragen beantworten: Wem gehört ein Umweltdatenwert einer Stadt, werden die veröffentlicht und so weiter. Das entscheidet die Stadt.

Wo steht Deutschland bei der Elektromobilität? Im Januar wurde ja zum Beispiel die Blackout-Gefahr bei uns diskutiert.

Die Ladeinfrastrukturen kommen jetzt in den Markt durch Förderprogramme; das ist legitim. Wann der sogenannte Durchbruch kommt, kann ich nicht genau sagen.

Privat habe ich mir gerade einen Elektro-Smart angeschafft und kenne die Lieferzeiten. Zwölf Monate Wartezeit bis zur Auslieferung. Ich habe das Gefühl, dass der Markt anzieht.hd

VITA Oliver Deuschle

• Director von Smight in Karlsruhe

• Davor Portfolio Manager Smart City am Innovationscampus der EnBW

• Mehrere leitende Positionen im Bereich Netze

Erschienen in Ausgabe: 02/2018